Startseite Aktuell Archiv 2012 „Kurs halten“ - Die Leitung der Universität Koblenz-Landau legt Entwurf über Entwicklungslinien für die Hochschulplanung vor

„Kurs halten“ - Die Leitung der Universität Koblenz-Landau legt Entwurf über Entwicklungslinien für die Hochschulplanung vor

„Das Entwicklungskonzept von 2003 haben wir erfolgreich umgesetzt. Jetzt ist es an der Zeit, über eine neue Entwicklungsplanung zu beraten“, erklärt der Präsident der Universität Koblenz-Landau, Professor Dr. Roman Heiligenthal. Die Universitätsleitung habe daher einen Entwurf zu „Entwicklungslinien“ verabschiedet, der jetzt in den Gremien der Universität ausführlich beraten werde.

„Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben sich die Rahmenbedingen für die Hochschulen deutlich verändert“, so Heiligenthal. Sie stünden in einer zunehmenden Konkurrenz um Studierende, Ressourcen und Reputation. Charakteristisch seien die vielen Sonderprogramme von Bund und Ländern, deren Mittel im Wettbewerb zwischen den beteiligten Hochschulen vergeben würden. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise und die „Schuldenbremse“ für Bund und Länder beschneide gleichzeitig die Finanzspielräume. „Das bekommen wir als Landesuniversität natürlich auch zu spüren“, betont Heiligenthal. Alleine die vom Land beschlossene Erhöhung der Lehrdeputate für die Professoren und die Abschaffung des Studienkontenmodells sowie Tariferhöhungen belasten den Universitätshaushalt in Millionenhöhe. Die Universität Koblenz-Landau als eine mittelgroße Profiluniversität verfolge daher die Strategie der Verbindung von Kontinuität und Innovation, erklärt der Universitätspräsident. Sie ziele darauf ab, das vorhandene wissenschaftliche Potenzial zu pflegen und zu differenzieren sowie neue Studien- und Weiterbildungsangebote und Forschungsschwerpunkte zu eröffnen, die auf vorhandenen Stärken aufbauen. Um knappe Ressourcen optimal einzusetzen, sei es insbesondere notwendig, sich auf sorgfältig ausgewählte Schwerpunkte zu konzentrieren oder vorhandene Ressourcen zu bündeln, um sie auf neue Aufgaben auszurichten oder um bestehende Aufgaben produktiver zu bewältigen. So könne die Universität Koblenz-Landau auch bei einer rauer werdenden haushaltspolitischen See Kurs halten.

Lehrerbildung

Rund 60 % der Studierenden an der Universität Koblenz-Landau sind in den Lehramtsstudiengängen eingeschrieben. Sie ist die einzige Hochschule des Landes, die eine Ausbildung für alle Schularten anbietet. Diese Stärke der Universität Koblenz-Landau, das komplette Spektrum der Lehramtsausbildung in nahezu allen Fächerkombinationen abzudecken, ist zugleich Ursache für eine ihrer Schwächen. Zur Sicherstellung des Studienangebots mit vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten und mit Blick auf regionalpolitische Vorgaben wird erwartet, dass an beiden Campi ein nahezu vollständiges Spektrum der Lehramtsstudienfächer vorgehalten wird. Der Preis für diese politischen Vorgaben sind aufwändige Parallelstrukturen und eine ausgeprägte Kleinteiligkeit der Einheiten, welche die Lehramtsausbildung tragen. Bereits 2003 hat der Wissenschaftsrat die „Verringerung der strukturellen Kleinteiligkeit“ angemahnt. Die Universität Koblenz-Landau hat bereits in der Vergangenheit einzelne Lehramtsfächer an einem Campus konzentriert, etwa das Fach Geschichte am Campus Koblenz und die Fächer Romanistik und Sozialkunde am Campus Landau.


Die Strategie der Konzentration von Lehramtsfächern erlaubt es, die knappen personellen Ressourcen möglichst effizient einzusetzen. Angesichts deutlich erkennbar werdender Einsparnotwendigkeiten schlägt die Universitätsleitung im Entwurf der Entwicklungslinien vor, das Lehramtsfach Bildende Kunst am Campus Landau und das Fach Musik am Campus Koblenz zu konzentrieren. In beiden Fächern sind vergleichsweise wenige Studierende eingeschrieben, beide sind kostenintensiv. Die Lehranteile im ästhetischen Modul des Fachs Grundschulbildung (für Studierende mit Ziel Lehramt an Grundschulen, die in den ersten vier Semestern nicht das Fach Musik bzw. Bildende Kunst studiert haben) sollen auch weiterhin an beiden Campi angeboten werden.

Obwohl durch den demografischen Wandel ein allgemein abnehmender Bedarf an Lehrkräften prognostiziert wird, besteht noch in einigen Bereichen Nachfragepotential, das die Universität aufgreifen will. Das gilt zum Beispiel für die Fächer Pflege und Technische Informatik im Rahmen des Lehramts an berufsbildenden Schulen. Die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar wird erstmals zum Wintersemester 2012/13 das Fach Pflege für das Lehramt an berufsbildenden Schulen anbieten. Die Universität Koblenz-Landau steuert das Lehrprogramm für das allgemeinbildende Fach und die Bildungswissenschaften bei. Mit der Einführung des Fachs soll der steigende Bedarf an Lehrkräften an Berufsfachschulen für Gesundheit und Pflege sowie an Fachschulen für Altenpflege und Altenpflegehilfe besser gedeckt werden. Die Bedeutung des Fachs Pflege wird aufgrund der demografischen Entwicklung in Zukunft sogar weiter steigen.

Geplant ist weiter, dass der Koblenzer Fachbereich Informatik der Universität das Fach Technische Informatik für das Lehramt an berufsbildenden Schulen anbietet. In Kooperation mit der Fachhochschule Worms soll das Fach Technische Informatik in Kombination mit allgemeinbildenden Fächern auch am Campus Landau der Universität für das Lehramt an berufsbildenden Schulen eingerichtet werden.

Das Entwurfspapier der Universitätsleitung sieht auch die Gründung eines „Kompetenzzentrum Innovative Lehrerbildung“ vor. Es bietet die Chance, die für die Lehrerbildung relevante Grundlagenforschung mit zahlreichen Einrichtungen und Aktivitäten anwendungsbezogener Bildungsforschung sowie pädagogisch-praktischen Erprobungsfeldern und die Bildungswissenschaften mit den Fachdidaktiken konzeptionell zu vernetzen. Einen wichtigen Baustein in einem „Paket“ innovativer Lehrerbildung soll die Kooperation mit ausgewählten Schulen bilden, wie sie bereits jetzt exemplarisch mit der „CampusSchule“ in Landau stattfindet, teilweise auch mit der Integrierten Gesamtschule in Koblenz. Angestrebte Ziele sind die Entwicklung eines anwendbaren Modells für Verknüpfungen von Forschung und Lehre mit der Praxis in öffentlichen Schulen und die Realisierung eines Orts der Praxiseinbindung Studierender.

Nichtlehramtsbezogene Studiengänge

Angesichts des zurückgehenden Bedarfs an Lehrkräften und des zu erwartenden Rückgangs an Bewerbungen für den Lehramtsbereich stellt sich für die Universität die Notwendigkeit, neue Studiengänge einzurichten. Entsprechend ihrer Entwicklungsmaxime soll dabei an das bestehende Potential angeknüpft werden.

Bereits zum Wintersemester 2012/13 nutzt die Universität das fachwissenschaftliche Potenzial aus der Lehrerbildung und aus einzelnen anderen Bereichen für einen neuen profilierten Zwei-Fach-Bachelorstudiengang. Dadurch wird die Breite des Studienangebots der Universität dauerhaft gesichert. Davon profitieren nichtlehramtsbezogene Angebote ebenso wie die korrespondierenden Bereiche der Lehrerbildung. Eine Umorientierung der Studierenden vom lehramtsbezogenen Bachelorstudiengang in den neuen Studiengang bzw. umgekehrt wird künftig dadurch ermöglicht, dass fachwissenschaftliche Inhalte aus der Lehramtsausbildung mit denen aus dem neuen Studiengang weitgehend identisch sind. Der Zwei-Fach-Bachelorstudiengang verbindet die Vermittlung von Fachwissen und Schlüsselqualifikationen und zeichnet sich dadurch aus, dass er gezielt Gestaltungsspielräume eröffnet. Das Studium ermöglicht die Wahl von zwei weitgehend frei kombinierbaren Basisfächern. In Verbindung mit dem Erwerb von Schlüsselkompetenzen, einem Studium generale, dem Absolvieren von Praktika und der Option, ein zusätzliches Wahlfach zu studieren, bietet sich die Möglichkeit, ein individuelles Themen- bzw. Berufsprofil zu entwickeln. Ein Mobilitätsfenster macht zudem ein Auslandsstudium ohne Verlängerung der Regelstudienzeit möglich.

Im Rahmen der Re-Akkreditierung der Studienangebote des Fachbereichs 4: Informatik am Campus Koblenz, wird der stärker technisch ausgerichtete Bachelorstudiengang „Informationsmanagement“ in „Wirtschaftsinformatik“ umbenannt und ein neuer Bachelorstudiengang „Informationsmanagement“ mit mehr Management-Anteilen eingerichtet. Der Fachbereich Informatik arbeitet zudem an zwei neuen Masterstudiengängen - „EGovernment“ und „Web Science“. Diese neuen Studienangebote sollen bereits zum kommenden Wintersemester eröffnet werden.

Neu angeboten wird – auf der Basis eines Kooperationsvertrags mit der Fachhochschule Koblenz, Campus Höhr-Grenzhausen – der dreisemestrige Masterstudiengang „Ceramic Science and Engineering“. Er ist anschlussfähig an einen einschlägigen Bachelorstudiengang der Fachhochschule sowie an den universitären, siebensemestrigen Bachelorstudiengang „Angewandte Naturwissenschaften“.

Zwei neue, innovative Bachelorstudiengänge sind noch im Planungsstadium. Am Campus Koblenz wird das Studienprogramm "Computational Science M+P+I", (Arbeitstitel) konzipiert. Schlüsselfächer sind Mathematik, Physik und Informatik. Die künftigen Absolventen sollen befähigt werden, komplexe naturwissenschaftliche oder technische Vorgänge mit geeigneten mathematischen, physikalischen und informatorischen Modellen zu beschreiben, diese Modelle mit mathematischen Methoden zu analysieren und zu berechnen sowie Werkzeuge der Informatik zur Modellierung von Objektbeziehungen, zur Lösung der entstehenden mathematischen Probleme und zur Visualisierung der Resultate einzusetzen. Die Universität könnte so das Bildungsangebot in dem auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) erweitern.

Ebenfalls im Planungsstadium ist der Studiengang „Laborleiter Naturwissenschaften“. Dieser berufsorientierte Studiengang wird durch zwei Säulen getragen, zum einen durch die Fächer Biologie, Chemie und Physik der Universität am Campus Landau, und zum anderen durch das Naturwissenschaftliche Technikum Dr. Künkele (NTK). Durch die Kombination eines praxisnahen Studiums mit Grundlagen der Betriebswirtschaft und rechtlichen Grundlagen auf den Gebieten Umweltrecht, Gentechnikgesetz und Tierschutzgesetz würde das Studium künftigen Absolventen den Einstieg in zentralen Arbeitsfeldern der Biowissenschaften erlauben, z. B in kleinere und mittelständische Unternehmen oder in Forschungseinrichtungen, in denen die Versuchsplanung und Durchführung einzelner Projekte unter wirtschaftlichen Aspekten von einer Person übernommen wird.

Stärkere Studierendenorientierung

Studieninteressierten sollen über eine Internet-Plattform die Anforderungen von Studiengängen vermittelt werden. Damit erhalten sie die Möglichkeit, die Anforderungen des Studiums mit ihren Begabungen, Interessen und Erwartungen abzugleichen. Mit Hilfe dieses Online Self-Assessments verschafft die Universität künftig Studieninteressierten eine solide Grundlage für die Studienwahl und unterstützt sie zugleich bei ihrer Entscheidung. Bis 2015 sollen Online Self-Assessments für mindestens sechs Studiengänge der Universität angeboten werden.

Ein fachbereichübergreifendes „Kompetenzzentrum für Studium und Beruf“ soll als Koordinationsstelle mit den Schwerpunkten Schlüsselkompetenzen, Sprachen, Berufsfeldorientierung und Nachwuchsförderung gegründet werden. Unter seinem Dach sollen bereits bestehende Einrichtungen und neue Angebotsbereiche mit dem Ziel zusammengeführt werden, die einzelnen Programmelemente besser aufeinander abzustimmen und in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Das Zentrum soll Studierenden und Promovierenden eine breite Kompetenzentwicklung auf hohem Niveau ermöglichen. Durch die Bündelung und Kommunikation dieses innovativen und umfassenden Angebots will die Universität ihre Attraktivität steigern und deutlicher von konkurrierenden Hochschulen absetzen. Das Zentrum soll in zwei Programmbereiche untergliedert werden; den Bereich „Studium“ mit der Geschäftsführung in Landau, dem z. B. das bestehende Schlüsselkompetenzangebot für das Studium und das Sprachenangebot zugeordnet werden sollen und den Programmbereich „Beruf und Karriere“ mit der Geschäftsführung in Koblenz, das z. B. berufs- und karrierebezogene Angebote des Interdisziplinären Promotionszentrum, der Karrierezentren für Frauen und aus Mentoringprogrammen bündelt.

Forschung

Strategisches Ziel der Universität Koblenz-Landau ist der Aufbau von Forschungsstrukturen, die es ermöglichen, auf nationaler und internationaler Ebene mit Forschergruppen und Graduiertenkollegs dauerhaft aufzutreten. Für eine mittelgroße Hochschule wie die Universität Koblenz-Landau ist die Bildung von Schwerpunkten der geeignete Weg zu dieser nachhaltigen Profilierung innerhalb der Wissenschaftslandschaft. Diese Strategie verfolgt die Universität seit 2007 mit großem Erfolg, zunächst mit Schwerpunkten in den Bereichen Bildungsforschung, Umweltwissenschaften und Informatik und seit 2011 mit dem vierten Schwerpunkt „Kommunikation, Medien und Politik“. Dort arbeiten Landauer und Koblenzer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Politik- und Kommunikationswissenschaft sowie Psychologie und Informatik eng zusammen. Dieser Schwerpunkt ist ein charakteristisches Beispiel für die campusübergreifende, interdisziplinäre Zusammenarbeit, die vorhandene Ressourcen und Potentiale bündelt und neu ausrichtet.

Zwischen 2007 und 2011 konnten die Drittmitteleinnahmen für die Forschung mehr als verdoppelt werden. 2011 wurden knapp 12 Millionen Euro eingeworben. 2009 bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Schwerpunkts Bildungsforschung die Einrichtung des Graduiertenkollegs „Unterrichtsprozesse - Lehrkompetenzen, Lernkompetenzen und Diagnostik“. Dies ist das erste DFG geförderte Kolleg an der Universität Koblenz-Landau. Seit Ende 2011 besteht die erste DFG-Forschergruppe an der Universität, hervorgegangen aus dem Schwerpunkt Umweltwissenschaften. Bei „INTERNANO“, so der Name der Gruppe, arbeiten Umweltwissenschaftler der Universität mit Fachkollegen aus anderen Wissenschaftsinstitutionen wie den Technischen Universitäten in Berlin und München zusammen. Diese Strategie soll nach dem Vorschlag der Universitätsleitung auch weiter fortgesetzt werden. Gerade wegen der finanziellen Restriktionen wird sich die Universität die Möglichkeit für interdisziplinäre Forschungskooperationen weiterhin offen halten.

Stärkung der Autonomie der Fachbereiche

Die Universitätsleitung schlägt vor, die Handlungsspielräume und Entscheidungsbefugnisse der Fachbereiche zu erweitern. So könnte z. B. die Verantwortung für die Personalbudgetplanung und -verwaltung von der zentralen Leitungsebene auf die Fachbereiche verlagert werden. Die Steuerung und Abstimmung mit den gesamtuniversitären Zielen würde über Ziel- und Leistungsvereinbarungen erfolgen. Dieses Instrument könnte auch für die Übertragung anderer Aufgaben genutzt werden. Eine erste Zielvereinbarung mit einem Fachbereich wurde 2011 zur Umsetzung einer Programmlinie der 2. Phase des Hochschulpakts abgeschlossen.


Datum der Meldung 15.06.2012 08:00
zuletzt verändert: 15.06.2012 08:04

Kontakt