65 Jahre Lehrerbildung in Landau

Landau ist – seit 1990 – eine der kleinsten Universitätsstädte Deutschlands. Im kommenden Herbst besteht die Universität Koblenz-Landau 25 Jahre.

Damals wurde die Erziehungswissenschaftliche Hochschule (EWH) des Landes Rheinland-Pfalz zur Universität erhoben. Gemeinsam mit dem Campus in Koblenz und dem Präsidialamt in Mainz besteht seitdem die Universität Koblenz-Landau. Auch die Geschichte der Universität und ihrer Vorgänger wird aus diesem Anlass eingehender erforscht. Weiterführende Hinweise von Zeitzeugen nehmen Dr. Martin Armgart und Dr. Ulrich A. Wien entgegen.

Die Wurzeln der heutigen Universität am Standort Landau reichen Jahrzehnte zurück, nämlich genau 65 Jahre. Am 10. Dezember 1949 erfolgte die feierliche Übergabe der Pädagogischen Akademie Landau. Sie war ursprünglich eine rein katholische Bildungsstätte. Ein Festgottesdienst in der Augustinerkirche eröffnete den Tag, dem ein Festakt im damaligen Akademiegebäude, der Harrschen Handelsschule am ehemaligen Festplatz, mit Ansprachen hochrangiger Behördenvertreterund einem Festvortrag des Akademiedirektors Dr. Eduard Ecker folgte.

Die Ausbildung junger, politisch unbelasteter Lehrer als Multiplikatoren von Demokratie und Völkerverständigung hatte nach 1945 hohe Priorität. Die französische Besatzungsmacht förderte sehr den Aufbau Pädagogischer Akademien für angehende Volksschullehrer. So wurden angesichts der vielfach zerstörten Städte, des Wohnraummangels und der Requirierung von Gebäuden für die Besatzungsmacht dezentrale Ausbildungsstandorte eingerichtet. Bereits ab 1946 startete die Lehrerbildung in Andernach, Bergnassau, Neuwied, Bad Neuenahr, Kirchheimbolandenund Kusel. Später wurde sie an die Standorte Kaiserslautern, Koblenz, Landau, Trier und Worms verlagert.

Nach vergeblicher Suche in Speyer und Ludwigshafen bot Landau mit der Harrschen Handelsschule an der Ecke Nordring/Westring ein großes, weitgehend unversehrtes Schulgebäude für die von Kirchheimbolanden kommende Pädagogische Akademie. Eine Lehrküche konnte dem Mensabetrieb dienen. Zimmer für die Studenten waren vorhanden. Auch das Problem einer fehlenden katholischen „Übungs“-Schule als praktische Ausbildungsstätte wurde gelöst.Professor Dr. Oswald Beck, einer der allerersten Studenten, erinnert sich: „Insgesamt 65 Studentinnen und Studenten nahmen ihr Studium auf, darunter 55 vom Pädagogium Speyer kommend, zwei weitere mit Abitur (nach Ausleseprüfung!) und acht Spätheimkehrer, für die besonderen Aufnahmebedingungen galten.“

Mit dem Wintersemester 1949/1950 begann die Lehrerausbildung in Landau. Die Studentenzahlen stiegen. Die Harrsche Handelsschule wurde zu klein für steigenden Bedarf. Drohender Lehrermangel Anfang der 1960er Jahre veranlasste die Landesregierung zum Bau eines großen Gebäudekomplexes nördlich des Festplatzes, „Im Fort“. 1967 wurde der Lehrbetrieb auf dem Campus eröffnet. Damals war der Landauer Campuseiner der modernsten Hochschulbauten der Bundesrepublik. Dies war ein großes Plus bei den bald danach einsetzenden Umstrukturierungsdebatten, in deren Folge die Standorte von sechs auf zwei, nämlich Landau und Koblenz, reduziert wurden.

Bis heute bildet der Campus „Im Fort“ das Zentrum des LandauerUniversitätsbetriebs. Für ursprünglich 1500 Studierende konzipiert, ist er inzwischen allerdings zu eng für die mittlerweile 7.400 Studenten und über 450 Beschäftigten. Zehn weitere, über das Landauer Stadtgebiet verteilte Standorte beherbergen heute Institute, Hörsäle, Seminarräume und Verwaltungsstellen der Universität. Und auch in der Bevölkerung ist die „Fremdelphase“ inzwischen weitgehend überwunden. Die „Uni“ gehört inzwischen zweifellos zu den geschätzten Standortfaktoren dieser attraktiven Stadt.

Ohne den Umzug nach Landau 1949, vor nunmehr 65 Jahren, wäre Landau heute wohl kaum eine Universitätsstadt.

Kontakt:
Institut für Evangelische Theologie, Campus Landau

AOR Dr. Ulrich A. Wien
E-Mail: wien@uni-landau.de

Dr. Martin Armgart
E-Mail: armgart@uni-landau.de


Datum der Meldung 10.12.2014 00:00