Frieden verhandeln - PIN Roadshow 2015 erstmalig in Deutschland

Friedens- und Konfliktforscher diskutieren an der Universität Koblenz-Landau über präventive Diplomatie, Aussöhnung und internationale Sicherheit

Frieden verhandeln (v.l.n.r.): Paul Meerts, Mikhail Troiskiy, Sascha Werthes, Valerie Rosoux, I. William Zartman, Mark Anstey, Mordechai Melamud, Christian Dorsch, Siegmar Seidel

Frieden verhandeln (v.l.n.r.): Paul Meerts, Mikhail Troiskiy, Sascha Werthes, Valerie Rosoux, I. William Zartman, Mark Anstey, Mordechai Melamud, Christian Dorsch, Siegmar Seidel

Täglich berichten die Medien von Kriegen, gewaltsam ausgetragenen Konflikten und deren Folgen. Auch die jüngsten terroristischen Anschläge zeigen, wie wichtig es ist, auf Krisen- und Konfliktherde angemessen und zielführend zu reagieren. Ob und wie die internationale Gemeinschaft auf die heutigen Bedrohungen und Herausforderungen antwortet, hängt nicht selten vom Ausgang internationaler Verhandlungsprozesse ab. Aber wie gestaltet man solche Verhandlungen zielführend? Welche Interessen der verschiedenen beteiligten Parteien stehen einer gemeinsamen Friedenspolitik im Wege? Wie kann der Abbruch von Friedensgesprächen verhindert und die Wiederaufnahme von Versöhnungsprozessen initiiert werden? Diese und weitere Fragen standen im Fokus der an der Universität in Koblenz stattfindenden Konferenz PIN (Processes of International Negotiations) Roadshow.

Die PIN Group ist ein internationales Netzwerk von mehr als 4.000 renommierten Experten aus Wissenschaft und Praxis, die sich zur Erforschung internationaler Verhandlungsprozesse zusammengeschlossen haben. Im Rahmen der sogenannten PIN Roadshow kommen Vertreter dieser PIN-Gruppe in einer Konferenz zusammen, um Wissen über internationale Verhandlungsprozesse zu verbreiten sowie die Forschung zu spezifischen Verhandlungsprozessen zu fördern. Unter dem diesjährigen Titel „Negotiations on Prevention and Reconciliation as Risk Management“ wurden neben aktuellen globalen und europäischen Fragen drei ausgewählte Themen in den Mittelpunkt gestellt: Präventive Diplomatie, Aussöhnung in Afrika und internationale Sicherheit.

Prof. Dr. J. Felix Hampe, Vizepräsident für Studium, Lehre und Digitale Infrastruktur, betonte in seiner Begrüßung die Relevanz der Thematik für die Besucher, Gäste und die Angehörigen der Universität. Gastgeber der ersten PIN Roadshow in Deutschland waren die Friedensakademie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Dr. Sascha Werthes und das Ruanda-Zentrum der Universität Koblenz-Landau unter der Leitung von Siegmar Seidel. Einsichten über die Chancen und Grenzen von diplomatischen Verhandlungsbemühungen als Mittel des internationalen Krisen- und Konfliktmanagements einer interessierten Öffentlichkeit sollten präsentiert werden.

Die internationalen Experten brachten zu allen drei Themen besondere Perspektiven und Praxisbezüge mit, die sie am Vormittag zunächst in kurzen Impulsvorträgen vorstellten. Am Nachmittag konnten die über 60 Teilnehmer zudem in interaktiven Workshops mit den Experten in thematischen Panels zusammenkommen. I. William Zartman von der The John Hopkins University in Washington und Paul Meerts vom The Netherlands Institute of International Relations leiteten das Panel zu präventiver Diplomatie. Eine wichtige Erkenntnis lautete: Wenn wir frühzeitig günstige Gelegenheitsfenster für politische Verhandlungsinitiativen erkennen und sogenannte win-win-Situationen identifizieren, können Dynamiken von Gewaltexzessen durchbrochen und Friedensprozesse initiiert werden. Präventive diplomatische Bemühungen haben in einer Vielzahl von Fällen erfolgreich die Eskalation von Konflikten verhindern können. Die erfolgreiche Verhinderung eines gewaltsamen Konfliktaustrags ist uns jedoch häufig weniger bewusst als das Scheitern von diplomatischen Verhandlungen.

Das Panel unter der Leitung von Mikhail Troitskiy vom Moscow State Institute of International of International Relations, MIGIMO und Mordechai Melamud von der Provisional Technical Secretariat of the Comprehensive Nuclear Test-Ban Treaty Organisation, CTBTO beschäftigte sich mit Verhandlungsprozessen im Sinne eines "Risiko Managements" bei Bedrohungen durch Massenvernichtungswaffen und Cyber Warfare. Hier stellten die beiden Experten heraus, wie schwierig es in diesen Politikfeldern sein, Verhandlungsprozesse durch vertrauensbildende Maßnahmen zu flankieren. Gegenseitiges Vertrauen sei jedoch gerade bei diesen Themen entscheidende Voraussetzung für konstruktive Verhandlungen.

Valerie Rosoux von der Université Catholique de Louvain und Mark Anstey von der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth setzten sich mit Fragen von Versöhnung und Wiedergutmachung in Nachkonfliktgesellschaften auseinander. Die Teilnehmer dieses Panels nähert sich der Thematik über eine Auseinandersetzung mit der Frage, was Frieden in Nachkonfliktgesellschaften bedeutet. Dabei unterschieden sie einen minimalistischen Ansatz, der das Zusammenleben ohne Gewalt als Frieden bezeichnet und einen maximalistischen Standpunkt, der Vergebung und den friedlichen Umgang miteinander in jedem Lebensaspekt fordert. Nachhaltiger und langfristiger Friede in Nachkonfliktgesellschaften erfordere daher das schwierige Aushandeln eines Umgangs mit der Vergangenheit. Die jeweiligen Gesellschaften müssten also jeweils selbstständig aushandeln, mit welchen juristischen und nicht-juristischen Mitteln Kriegsverbrechen öffentlich aufgearbeitet werden sollen, wie man mit den Verantwortlichen umgehen soll und wie man dem Vergessen entgegenwirken kann.

Ziel der internationalen Konferenz war es, die bisherige Forschung zu internationalen Verhandlungsprozessen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Auch konnten in den einzelnen thematischen Panels die Chancen und Grenzen von diplomatischen Bemühungen als Instrument eines internationalen Krisen- und Konfliktmanagements herausgearbeitet werden.

Ansprechpartner:

Dr. Sascha Werthes

Friedensakademie Rheinland-Pfalz

c/o Universität Koblenz-Landau

Campus Landau

Kaufhausgasse 9

76829 Landau

06341-280-38552

06341-280-38559 (Sekr.)

E-Mail: werthes@uni-landau.de

Internet: www.friedensakademie-rlp.de

 

Dr. Birgit Förg

Referat Öffentlichkeitsarbeit

Universität Koblenz-Landau

Campus Koblenz

Universitätsstraße 1

56070 Koblenz

Tel.: 0261 287 1766

E-Mail: foerg@uni-koblenz-landau.de Namen für Bildunterschrift:


Datum der Meldung 13.11.2015 15:15