Das schreibende Kind im Blick

Wahrnehmungen, Vorstellungen und Sichtweisen von Kindern beim Schreiben von Texten standen im Fokus der Tagung „Texte schreiben in der Grundschule – Zugänge zur kindlichen Perspektive“ an der Universität in Koblenz.

Angeregte Diskussionen während der Tagung. Bild: Christina Bär

Angeregte Diskussionen während der Tagung. Bild: Christina Bär

Der Schreibunterricht in der Grundschule ist von Heterogenität geprägt. Schüler haben individuelle Vorstellungen von den Lerngegenständen des Unterrichts und wählen unterschiedliche Zugänge, um sich diese zu erschließen. Um der Heterogenität im Unterricht gerecht zu werden, muss die kindliche Perspektive auf das Texteschreiben eingenommen, der Unterricht also am Können und den Erfahrungen der Kinder ausgerichtet werden. Um das schreibende Kind stärker bei der Planung schulischer Lehr-Lernprozesse zu berücksichtigen und vor allem auch in den Mittelpunkt der Schreibforschung zu richten, veranstalteten Christina Bär von der Universität Koblenz-Landau und Dr. Benjamin Uhl von der Universität Paderborn eine wissenschaftliche Tagung zur kindlichen Perspektive auf das Texteschreiben. Vertreter der primarstufenbezogenen Schreibforschung stellten zu diesem Rahmenthema Ausschnitte aus ihren aktuellen Studien vor. So analysierte Uhl verschiedene Schreibstrategien, die Kinder beim Gestalten von Erzählungen nutzen. Lis Schüler und Prof. Dr. Mechthild Dehn von der Universität Hamburg fragten Kinder nach besonderen Worten in ihren Erzählungen. Dabei wurden Vorstellungen der Schreibenden ersichtlich, die über den geschriebenen Text hinausgehen. Nadine Anskeit von der Universität Siegen ging in ihrem Beitrag anschließend der Frage nach, wie Kinder Raumbeschreibungen überarbeiten. Beate Leßmann vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein stellte eine Theorie zur Methode der Autorenrunde vor, in der Kinder, über eigene Texte sprechend, literale Kompetenzen aufbauen.

Christina Bär verdeutlichte anhand von kollaborativen Textproduktionsprozessen, welche Vorstellungen Grundschüler beim Schreiben von Satzanfängen haben. Prof. Dr. Norbert Kruse und Dr. Anke Reichardt von der Universität Kassel stellten dar, welche Rolle das soziale Gefüge unter Peers für das Überarbeiten von Texten in Schreibkonferenzen spielen kann. Prof. Dr. Daniela Merklinger und Sascha Wittmer von der Universität Koblenz-Landau stellten anschließend am Beispiel der Methode des pretend reading Transformationsprozesse des Schreibens vor. Den Abschluss der Tagung gestaltete Sascha Zielinski von der Universität Halle mit einem Beitrag zum Texteschreiben in inklusiven Kontexten. Er öffnete den Blick auf einen erweiterten Textbegriff und den Umgang von Schülern und Lehrern damit im inklusiven Schreibunterricht.

Die Referenten machten mit unterschiedlichen methodischen Zugängen deutlich, wie Kinder Texte schreiben und überarbeiten. Es zeigte sich, dass die textbezogenen Vorstellungen der Kinder weit über das hinausreichen, was Erwachsene vermuten und im Voraus wissen können.

Die Tagung fand großen Zuspruch. Es entstand eine Diskussionsrunde aus 100 Teilnehmern unterschiedlichster Expertenkreise: Grundschullehrer und Fachleiter an Studienseminaren, Studierende, Nachwuchswissenschaftler und Wissenschaftler richteten den Blick auf die kindliche Perspektive und fragten nach Anschlussmöglichkeiten für den Schreibunterricht. Die Tagung wurde vom Förderprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen (NaWi) unterstützt.

Die Beiträge der Vortragenden werden bald in einem Sammelband veröffentlicht, der im Verlag Fillibach bei Klett erscheint.

Ansprechpartnerin:
Christina Bär
Universität Koblenz-Landau
Campus Koblenz
Institut für Grundschulpädagogik
Universitätsstraße 1
56070 Koblenz

Tel.: 0261 287 1842
E-Mail: baer@uni-koblenz.de


Datum der Meldung 10.04.2017 16:55
zuletzt verändert: 09.05.2017 09:09

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