Gelungener zweiter Thementag ‚Arbeit mit Flüchtlingen‘

Die Frage des Umgangs mit Geflüchteten ist aus dem Fokus gerückt, seit die Anzahl der neu Zugewanderten im Vergleich zu der die vergangenen beiden Jahre gesunken ist. Dass das Thema an Schulen jedoch nach wie vor eine große Herausforderung darstellt, zeigt die große Resonanz, die der Thementag ‚Arbeit mit Flüchtlingen‘ erfahren hat. Die Veranstaltung wurde nach der erfolgreichen Erstauflage 2016 bereits zum zweiten Mal durch das Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) an der Universität in Koblenz organisiert.

Wichtige Informationen und intensiven Austausch bot der 2. Thementag 'Arbeit mit Flüchtlingen'. Bild: ZfL

Wichtige Informationen und intensiven Austausch bot der 2. Thementag 'Arbeit mit Flüchtlingen'. Bild: ZfL

Etwa 80 Teilnehmer – überwiegend Lehrkräfte, aber auch zahlreiche weitere Interessierte aus Verwaltungen oder in der Flüchtlingsarbeit engagierten Organisationen – nahmen die Gelegenheit wahr, sich über ganz unterschiedliche Aspekte der Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen in der Schule zu informieren.

Dr. Nora von Dewitz vom Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache informierte über aktuelle Entwicklungen des Zuzugs von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung sowie über die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der schulischen Integration in den einzelnen Bundesländern. Aus eigenen Forschungen berichtete sie über den sehr unterschiedlichen Umgang mit Kindern ohne Deutschkenntnisse an verschiedenen Schulen sowie über die Fortschritte, aber auch die Herausforderungen in diesem Bereich. So sei neben einer migrationssensiblen Haltung und den erforderlichen Fachkenntnissen zur Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache beispielsweise auch die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften in Regelklassen und den in Deutsch-Intensivkursen eingesetzten Lehrkräften ein entscheidender Faktor für einen gelingenden Einstieg der ‚Seiteneinsteiger‘ in die Schullaufbahn.

Ein Licht auf die unterschiedlichen Facetten des komplexen Themas ‚Arbeit mit Flüchtlingen‘ warfen drei Impulsvorträge: Zunächst widmete sich Carolin Hebig, Ethnologin und interkulturelle Trainerin, den Herausforderungen, die die neue kulturelle Vielfalt im Schul-Alltag mit sich bringt, und verdeutlichte anschaulich, dass unterschiedliche kulturelle Prägungen oft zu missverständlichen Situationen führen können. Ebenso bötet aber auch eine reflektierte Auseinandersetzung mit eigenen Vorstellungen sowie den Besonderheiten anderer Kulturen die Möglichkeit eines offenen und verständnisvolleren Umgangs miteinander.

Den zweiten Impulsbeitrag gestaltete Tülay Altun, die an der Universität Duisburg-Essen im Projekt „ProDaZ“ an der Entwicklung eines Konzepts zur Qualifizierung für Sprachbildung und Mehrsprachigkeit mitwirkt. Sie erläuterte die Unterschiede im Erwerb einer mündlich orientierten Alltagssprache und der eher schriftlich orientierten Fachsprache und führte das sogenannte Scaffolding als Methode des koordinierten Lernens beider Sprachebenen in der Schule ein.

Zuletzt berichtete die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Cindy Vogel-Hürter von den vielfältigen prägenden Erlebnissen, die viele Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen in ihrem Heimatland oder auf der Flucht selbst gemacht oder miterlebt haben und deren Auswirkungen sowie den Herausforderungen in der Arbeit mit Schülern mit traumareaktiven Störungen.

Die Inhalte der Impulsvorträge wurden in Workshops mit den Referentinnen vertieft und mit Blick auf die eigene Arbeit reflektiert. In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde die Perspektive derjenigen Schulen in den Mittelpunkt gestellt, die sich den Herausforderungen der Integration der geflüchteten Kinder und Jugendlichen widmen. Mit Dr. Frank Zimmerschied, Schulleiter des Max-von-Laue-Gymnasiums, Ralf Marenbach, Schulleiter der Goethe-Realschule plus, Joachim Denis, Studiendirektor der BBS Technik sowie Astrid Baumgarten, Mitglied des Schulleitungsteams der Julius-Wegeler-Schule berichteten vier Vertreter Koblenzer Schulen in der von Prof. Dr. Hans-Stefan Siller, geschäftsführender Leiter des ZfL, moderierten Runde von ihren unterschiedlichen Ausgangslagen, ersten Erfolgen und dem vor ihnen liegenden Weg. Dabei wurde deutlich, dass zum Beispiel durch zusätzliche Stellen für Intensivsprachkurse mittlerweile eine deutlich bessere Ausstattung an den Schulen zur Bewältigung der Integrationsaufgaben vorhanden sei. Gleichzeitig wurde aber auch betont, dass es nach wie vor einen hohen Bedarf an zusätzlichen Ressourcen gäbe und die Arbeit mit Flüchtlingen an der Schule ohne überdurchschnittliches Engagement nicht zu meistern sei – eine Arbeit, die „anstrengend und herausfordernd ist, aber auch süchtig macht“, so Joachim Denis.

Ansprechpartnerinnen:
Dr. Lina Pilypaitytė
Universität Koblenz-Landau
Campus Koblenz
Zentrum für Lehrerbildung
Universitätsstr. 1
56070 Koblenz

Tel.: 0261/287-2908
E-Mail: pilypaityte@uni-koblenz.de

Dr. Birgit Förg
Universität Koblenz-Landau
Campus Koblenz
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsstraße 1
56070 Koblenz
Tel.: 0261 287 1766
E-Mail: foerg@uni-koblenz-landau.de


Datum der Meldung 16.03.2017 10:25
zuletzt verändert: 16.03.2017 10:25

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