Psychologische Tagung: Gründe und Folgen von sozialer Ungerechtigkeit & Vielfalt

Soziale Vielfalt, Populismus, Polarisierung und soziale Ungleichheit werden derzeit in der Politik stark diskutiert. Welchen Beitrag kann die Psychologie leisten, um diese aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen zu erklären und in Beziehung zueinander zu setzen? Dieser Frage sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 14 Ländern auf einer Tagung der „European Association of Social Psychology“ (EASP) am Campus Landau nachgegangen.

Populismus, Polarisierung, soziale Vielfalt oder soziale Ungerechtigkeit - die Psychologie kann dabei helfen, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu erklären. Foto: Colourbox

Populismus, Polarisierung, soziale Vielfalt oder soziale Ungerechtigkeit - die Psychologie kann dabei helfen, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu erklären. Foto: Colourbox

"In der Wissenschaft werden diese Themen oft getrennt beforscht", erklärt Nadine Knab, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftspsychologie am Campus Landau und eine der Tagungsorganisatorinnen. „Ziel der Tagung war es daher, den Wissensstand zu den verschiedenen Konzepten zu summieren und zu analysieren, wie sie sich gegebenenfalls gegenseitig bedingen." Aus Europa, Israel bis hin zu Indien und den USA kamen Expertinnen und Experten in die Südpfalz.

„Durch die Tagung haben wir sehr deutlich gesehen, wie stark sich die verschiedenen Konzepte beeinflussen und wie wichtig es ist, sie in der Forschung zusammen zu betrachten", so Knab. So haben sich die Forscherinnen und Forscher am Ende der Tagung auch darauf verständigt, gemeinsame Projekte aufzusetzen, denn es gebe noch unzählige Forschungslücken. „Beispielsweise erlauben viele der bisherigen Studien oftmals nur die Interpretation von Zusammenhängen, das Wissen über Ursache-Wirkungsbeziehung ist damit noch nicht gegeben", erläutert Knab. Die Untersuchung dessen, stelle daher eine Aufgabe für zukünftige Forschung dar.

„Aus der psychologischen Forschung weiß man, dass Ungerechtigkeitsempfinden oftmals nicht nur auf objektiven Indikatoren fußt, sondern durch die subjektive Wahrnehmung geprägt ist", gibt Knab als Beispiel, wie Psychologie dabei helfen kann, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu erklären oder auch zu verstehen. „Diese subjektive Wahrnehmung kann Reaktionen auf empfundene Ungerechtigkeit oftmals besser erklären als die objektiven Indikatoren".

Die Vorträge auf der Tagung zeigten anhand konkreter Beispiele, welche Wirkungen psychologische Prozesse im Hinblick auf Populismus, Polarisierung, soziale Vielfalt oder soziale Ungerechtigkeit entfalten können. So stellte Eran Halperin vom Interdisziplinären Zentrum in Herzlyia (Israel) in seinem Festvortrag dar, dass basale psychologische Prozesse auf individueller Ebene wie Emotionen und Emotionsregulation Einfluss auf gesellschaftliche Konflikte und Friedensprozesse haben können. „Ohne die psychologische Perspektive würden damit weitere Ursachen und Wirkprozesse zur Erklärung von gesellschaftlich wichtigen Themen unentdeckt bleiben", unterstreicht Knab.

Die EASP-Tagung wurde finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die European Association for Social Psychology (EASP), den Freundeskreis Landau der Universität Koblenz-Landau, den Forschungsschwerpunkt Kommunikation, Medien und Politik (KoMePol) und den Forschungsfonds der Universität Koblenz-Landau.

Kontakt:

Nadine Knab 
Universität Koblenz Landau/Campus Landau 
FB 8: Psychologie - Sozial-, Umwelt-, und Wirtschaftspsychologie
E-Mail:

Pressestelle Campus Landau
Kerstin Theilmann
Tel.: 06341 280-32219
E-Mail:

 


Datum der Meldung 08.11.2018 00:00