Koblenzer Ernährungswissenschaftlerinnen erhalten Wissenschaftspreis

Maria Punstein und Dr. Michaela Schlich vom Fachgebiet Ernährungs- und Verbraucherbildung der Universität Koblenz-Landau wurden mit dem zweiten Preis für die besten Manuskripte des Jahres 2018 der europäischen Fachzeitschrift für Haushaltsökonomie, Haushaltstechnik und Sozialmanagement „HAUSWIRTSCHAFT UND WISSENSCHAFT“ ausgezeichnet. Ihr Artikel „Lebensmittelzubereitung als Alltagskompetenz fördert die Feinmotorik – eine orientierende Untersuchung an Grundschülern“ befasst sich mit der Bedeutung der Motorik und insbesondere Feinmotorik für die Alltagsbewältigung, die Erkundung des Nahraums und dessen Gestaltung durch Kinder.

Die Preisträgerinnen: Dr. Michaela Schlich (links) und Maria Punstein. Foto: Schlich und Punstein

Die Preisträgerinnen: Dr. Michaela Schlich (links) und Maria Punstein. Foto: Schlich und Punstein

Die vierwöchige Studie mit acht Grundschulkindern gewährt im Manuskript erste Einblicke in deren feinmotorischen Entwicklungsverlauf. Hierbei wurden einmal wöchentlich für jeweils drei Stunden ausgewählte Rezepte zubereitet und der sachgemäße Umgang mit Küchenutensilien vermittelt. Gerade die Zubereitung von Lebensmitteln zeigt außerordentliches Entwicklungspotential für die kindliche Entwicklung, zumal sich diese Entwicklung auf andere kognitive Bereiche übertragen lässt. Von hoher Bedeutung ist die Erziehung zur Esskultur, insbesondere durch ritualisierte Essgewohnheiten im privaten Bereich. Kinder erlernen hier frühzeitig den bewussten Umgang mit Besteck und die Bedeutung von Tischetikette.

Der Bereich der Ernährungsbildung hat auch ein Potential der Integration und des interkulturellen Austauschs, der gerade in der aktuellen Lage der Migration genutzt werden kann. Die Lebensmittelzubereitung kann Brücken für Kinder mit Migrationshintergrund bauen, indem diesen Kindern ein Raum von Willkommenskultur gegeben wird. Das Zubereiten von national typischen Gerichten schafft auch ohne sprachliche Verbalisierung eine Verbindung innerhalb einer Gruppe. Zudem wird durch das Aufbrechen der Geschlechterrollen das Miteinander gefördert und die Arbeitsteilung im Alltag vermittelt.

Die Notwendigkeit zur Förderung feinmotorischer Fähigkeiten liegt jedoch nicht nur im Bereich des privaten Haushalts, sondern besonders auch in Grundschulen. Neben den Bereichen des Malens und Schneidens findet sich die Lebensmittelzubereitung als weitere wesentliche feinmotorische Aktivität im Teilrahmenplan Grundschule für das Land Rheinland-Pfalz. Diesen Bereich gilt es innerhalb der Grundschule auszubauen und durch die praktische Arbeit mit Grundschülern zu vollziehen. Feinmotorische Fähigkeiten und Alltagskompetenzen der Lebensmittelzubereitung können bei Kindern gestärkt werden, was sich wiederum positiv auf den Schrift- und Spracherwerb von Kindern auswirkt: Zum einen werden Alltags- und feinmotorische Kompetenzen der Lebensmittelzubereitung vermittelt, erlernt und aktiv von den Schülern umgesetzt. Zum anderen gestaltet Ernährungsbildung einen freien produktiven Gesprächsanlass, der die kommunikative Kompetenz der Kinder fördert. In Bezug auf Alltagskompetenzen und die Förderung von feinmotorischen Fähigkeiten bietet die Ernährungsbildung eine Vielzahl an Förderansätzen, die kein anderes Unterrichtsfach in der Grundschule anbieten kann.

 

Weitere Informationen zu den Wissenschaftspreisen unter:
https://haushalt-wissenschaft.de/2018/01/05/lebensmittelzubereitung-als-alltagskompetenz/

 

Ansprechpartnerin:
Dr. Michaela Schlich
Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz
Universitätsstraße 1, 56070 Koblenz
Tel.: 0261 287 2450
E-Mail:


Datum der Meldung 19.03.2019 10:00