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Europäische Forscher fordern: Umweltfreundlichkeit des Mückenbekämpfungsmittels Bti muss weiter überprüft werden

Stechmücke bei der Blutmahlzeit. Foto: Heiko Bellmann

Stechmücke bei der Blutmahlzeit. Foto: Heiko Bellmann

 

Das Mückengift Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) wird weltweit häufig eingesetzt, um die Belästigung durch Stechmücken zu verringern. Ein internationales Forscherteam aus Ökologen, Ökotoxikologen, Mikrobiologen und Ökonomen unter Beteiligung der Universität Koblenz-Landau hat die vorhandene Fachliteratur analysiert und die bisher umfassendste Expertenbewertung der Auswirkungen von Bti auf die Umwelt vorgelegt. Ein positives Ergebnis: Das Risiko einer Resistenzentwicklung von Mücken gegen Bti scheint begrenzt, obwohl das Gift auch bis lange nach dem Ausbringen in der Umwelt verbleibt. Die aktuelle Studienlage zu Umwelteffekten des Mückengifts ist dagegen nicht eindeutig: Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Reduzierung von Stech- und Zuckmücken, zentrale Nahrungsquellen in den Feuchtgebieten, negativ auf Nahrungsnetze und die insektenfressende Tierwelt wie Vögel und Amphibien auswirken kann.

„Die aktuelle Studienlage reicht nicht aus, um Bti eindeutig als umweltverträglich einzustufen“, fasst Carsten Brühl von der Universität Koblenz-Landau das Ergebnis der Auswertung zusammen. Feldstudien wurden bislang nur an einigen wenigen Standorten und über eine begrenzte Zeitspanne durchgeführt. Auch liegen europaweit keine Informationen darüber vor, wo Bti zur Mückenbekämpfung eingesetzt wird. „Anwendungszeitpunkte und die ausgebrachte Bti-Menge sind für Forscher und Behörden nicht verfügbar", so der Umweltwissenschaftler weiter. Die Autoren der Studie fordern hierzu mehr Transparenz, insbesondere da die Bti-Mückenbekämpfung von der Öffentlichkeit finanziert wird.

Das an der Auswertung beteiligte französische Forschungsinstitut Tour du Valat hatte bereits 2006 in der Camargue mit Studien zu den Auswirkungen von Bti auf die Umwelt begonnen, die weltweit Besorgnis hervorgerufen haben. „Als Bti vor vierzig Jahren die chemischen Insektizide ersetzte, galt dies als ein Fortschritt für die Umwelt. Der rücksichtslose Einsatz von Bti, vor allem in geschützten Feuchtgebieten, die früher frei von Mückenbekämpfung waren, ist jedoch eindeutig ein Rückschritt“, unterstreicht Brigitte Poulin, Leiterin der Abteilung für Ökosysteme in Tour du Valat.

Wie Mücken und deren Bekämpfung öffentlich wahrgenommen werden, haben die Wissenschaftler mit der Durchsicht der Fachliteratur ebenfalls ausgewertet. „Die Forschung dazu konzentriert sich vor allem auf Belästigungen und Krankheiten“, so Oliver Frör, Umweltökonom in Landau. Die Wahrnehmung der Umweltrisiken von Bekämpfungsprogrammen würden dagegen kaum bewertet. „Deren Kenntnis ist jedoch dringend notwendig, damit die politischen Entscheidungsträger umfassend und unvoreingenommen über den Nutzen sowie die monetären und nicht-monetären Kosten der Mückenbekämpfung informiert sind.“

„Das wachsende Bewusstsein für den Rückgang der biologischen Vielfalt hat zu verbesserten Richtlinien und Praktiken für die Erhaltung der biologischen Vielfalt geführt: Feuchtgebiete profitieren jetzt von einer hohen Erhaltungspriorität in Europa, dennoch werden sie stark mit dem Bakterio-Insektizid Bti behandelt", fasst Laurence Després, Evolutionsökologin an der Université Grenoble Alpes die Situation zusammen. „Die biologische Vielfalt steht in Europa heute höher auf der politischen Agenda als je zuvor, und das Kosten-Nutzen-Verhältnis zwischen der Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Mückenbekämpfung muss vor dem Hintergrund der aktuellen Biodiversitätskrise neu bewertet werden".

Obwohl Bti derzeit das am wenigsten giftige Mittel zur Stechmückenbekämpfung ist und im Vergleich zu anderen Substanzen gezielter wirkt, fordern die beteiligten Forscher eine unabhängige Überwachung der Resistenzentwicklung von Stechmücken gegen das Gift, dessen Beständigkeit im Verbleib in der Umwelt und der Auswirkungen in Ökosystemen. Weiterhin fordern die Forscher eine sozio-ökonomische Bewertung durch Einrichtungen ohne Interessenskonflikte. Bis das tatsächliche Risiko der Umweltauswirkungen in behandelten Feuchtgebieten korrekt bewertet werden kann, sollten in Schutzgebieten alternative Mückenbekämpfungsmethoden in Betracht gezogen werden: Das könnten Stoffe wie so genannte Repellentien sein, die Mücken über den Geruchssinn wahrnehmen und diese somit vertreiben oder natürliche Fressfeinde und Mückenfallen. Als weitere Möglichkeiten schlagen die Forscher vor, das Feuchtgebietsmanagement zu verbessern oder Flächen und Zeiträume der Bti-Ausbringung zu reduzieren. In ökologisch empfindlichen Feuchtgebieten könnte die Mückenbekämpfung auch ganz ausgesetzt werden.

 

Die Analyse “Environmental and socioeconomic effects of mosquito control in Europe using the biocide Bacillus thuringiensis subsp. israelensis (Bti)” wird am 2. April 2020 in der Zeitschrift Science of the Total Environmentonline veröffentlicht (frei zugänglich): 

https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2020.137800

 

 

Die Autoren:

Carsten A. Brühl (Universität Koblenz-Landau)
Laurence Després (Université Grenoble Alpes)
Oliver Frör (Universität Koblenz-Landau)
Chandrashekhar D. Patil (Université de Perpignan)
Brigitte Poulin (Forschungsinstitut Tour du Valat)
Guillaume Tetreau (Université Grenoble Alpes)
Stefanie Allgeier (Universität Koblenz-Landau)

 

Kontakt:

Dr. Carsten Brühl 
Universität Koblenz-Landau
iES Landau, Institut für Umweltwissenschaften
Tel: +49 (0)6341 280-31310
E-Mail: bruehl@uni-landau.de

 

Pressekontakt:

Kerstin Theilmann
Referat Öffentlichkeitsarbeit, Campus Landau 
Tel.: 06341 280-32219
E-Mail: ktheilmann@uni-koblenz-landau.de


Datum der Meldung 31.03.2020 00:00