Wie Kita-Kinder während der Schließzeit unterstützt werden können

Weil die meisten Kitas immer noch geschlossen sind, haben es die Kinder besonders schwer. Auch pädagogischen Fachkräften fällt es nicht leicht, mit den Kleinen in Kontakt zu bleiben. Ein Online-Kurs, den der Arbeitsbereich Pädagogik der frühen Kindheit in Landau konzipiert hat, gibt wertvolle Ratschläge, damit der Kontakt der Kinder zu ihrer Kita nicht abreißt. Prof. Dr. Gisela Kammermeyer stellt sie vor.

3 Column Layout

Prof. Dr. Gisela Kammermeyer (Foto: Henriette Kriese)
Prof. Dr. Gisela Kammermeyer (Foto: Henriette Kriese)

 

 

 

Seit Wochen sind Schulen und Kindertagesstätten weitestgehend geschlossen, und sie werden wahrscheinlich nur schrittweise wieder öffnen. Die Lehrkräfte stehen mit ihren Schülerinnen und Schülern in verschiedenen Formen – am häufigsten schriftlich – in Kontakt, um ihnen ein Lernen auf Distanz zu ermöglichen. Eine bekanntermaßen große Herausforderung für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrkräfte.

Die Situation für Kita-Kinder und pädagogische Fachkräfte ist jedoch ungleich schwieriger. Dies liegt zum einen daran, dass Kleininder noch nicht lesen und schreiben können und zum anderen daran, dass es trotz Bildungsauftrag im Elementarbereich keine Verpflichtung gibt, mit den Kita-Kindern während der Corona-bedingten Schließzeit in Kontakt zu bleiben. So gibt es pädagogische Fachkräfte, die mit großem Engagement und viel Kreativität den Kindern Bastelanleitungen und Spielanregungen per E-Mail zusenden oder ausgedruckt sogar selbst in den Briefkasten werfen. So verschicken sie zum Beispiel ein Video vom Morgenkreis ohne Kinder über WhatsApp oder singen Lieder vor, damit die jungen Kinder die Kita nicht vergessen. Es gibt aber auch Kinder, für die aus unterschiedlichen Gründen die Kita mit der Zeit eine immer kleinere Rolle spielt.

 

Alltag in Corona-Zeiten: geschlossene Spielplätze und Kindertagesstätten (Foto: Pixabay)
Alltag in Corona-Zeiten: geschlossene Spielplätze und Kindertagesstätten (Foto: Pixabay)

 

Das Team des Arbeitsbereichs Pädagogik der frühen Kindheit hat nun in Kooperation mit der Online-Akademie für mehr Qualität in Kitas (QiK) einen kostenlosen Online-Kurs entwickelt. Mit diesem werden die pädagogischen Fachkräfte dabei unterstützt, mit den Kita-Kindern nicht nur in Kontakt zu treten, sondern mit ihnen auch über längere Zeit im Gespräch zu bleiben. Der Bedarf an einem solchen Angebot zeigt sich in den hohen Buchungszahlen: Allein im Laufe von nur einer Woche wurde der Kurs bereits mehr als 2500 Mal gebucht.

Der Online-Kurs wurde auf der Grundlage des Fortbildungskonzepts „Mit Kindern im Gespräch“ entwickelt, mit dem in Rheinland-Pfalz alle Sprachförderkräfte in Kindertagesstätten qualifiziert werden. Dieses Qualifizierungskonzept wurde im Rahmen der Bund-Länder-Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) in drei Bundesländern über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg entwickelt und mit mehr als 100 pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften erprobt.

 

Auf der Website Online-Akademie für mehr Qualität in Kitas wird der Online-Kurs angeboten
Auf der Website Online-Akademie für mehr Qualität in Kitas wird der Online-Kurs angeboten

 

Das Konzept liegt in drei Formaten vor: für unter Dreijährige, für Kita- und für Grundschulkinder. Damit wird die Forderung nach anschlussfähigen Bildungsprozessen erfüllt. Darunter versteht man, dass bereits in der Kita mit grundlegenden (vor allem sprachlichen und mathematischen) Lernprozessen begonnen und in der Grundschule an diese angeknüpft wird. Geplant ist außerdem, das Konzept auf die Sekundarstufe auszuweiten. Die langfristige Wirksamkeit der neuntägigen Kita-Fortbildung wurde im Rahmen eines bereits abgeschlossenen DFG-Projekts nachgewiesen. Darin wurde das neue Qualifizierungskonzept mit dem bisherigen Landescurriculum in einer randomisierten Studie verglichen.

 

Wenn pädagogische Fachkräfte Kinder motivieren, über persönlich bedeutsame Vorstellungen, Ideen und Gedanken zu sprechen, kommt es zu länger anhaltenden Gesprächen.

 

In dem Fortbildungskonzept „Mit Kindern im Gespräch“ geht es darum, die Kinder nicht nur zum Sprechen, sondern auch zum Denken anzuregen. Wenn pädagogische Fachkräfte Kinder motivieren, über persönlich bedeutsame Vorstellungen, Ideen und Gedanken zu sprechen, kommt es zu länger anhaltenden Gesprächen. Gut belegt ist, dass die Interaktionsqualität der wichtigste Einflussfaktor für die Entwicklung von Kindern ist. Um diese zu verbessern, werden den pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften Sprachförderstrategien vermittelt. Ein paar Beispiele hierfür sind: offene Fragen stellen, Vergleiche anregen oder zum Herstellen von Zusammenhängen motivieren.

Hauptanliegen des Online-Kurses ist es, dass die pädagogischen Fachkräfte nicht bei der Kontaktaufnahme stehen bleiben, sondern auch mit den Kindern kommunizieren. Sie können mit ihnen telefonieren oder aber mit Hilfe der Eltern auch schreiben. Die Eltern können sich als Sekretärin zur Verfügung stellen und sich die Antworten der Kinder an die pädagogische Fachkraft diktieren lassen. Es ist davon auszugehen, dass die Kinder dann genau beobachten, wie die Eltern ihre Nachricht schreiben. Dabei machen sie nebenbei auch wichtige Erfahrungen mit Schriftsprache, die für den Übergang in die Schule bedeutsam sind.

 

Eine Höhle oder wahlweise ein Zelt im eigenen Zimmer zu bauen kommt bei Kindern immer gut an (Foto: Colourbox)
Eine Höhle oder wahlweise ein Zelt im eigenen Zimmer zu bauen kommt bei Kindern immer gut an (Foto: Colourbox)

 

Ein weiteres Beispiel: Bei der Idee, zu Hause doch mal eine Höhle zu bauen, kann das Kind angeregt werden, ein Bild seiner Höhle zu schicken und zu beschreiben, was es in der Höhle alles macht. Die Kinder werden auch explizit angeregt, das Gespräch mit den Eltern zu initiieren, so können sie die Eltern danach fragen, welche Höhlen sie als Kind gebaut haben, was sie darin gemacht haben und welche Tiere in einer Höhle wohnen. Die pädagogischen Fachkräfte können sich auch an die Eltern wenden und ihnen Vorschläge machen, wie sie die Post aus der Kita für Gespräche mit dem Kind nutzen können.

Je länger die Kitas geschlossen sind, umso wichtiger ist es, die Erinnerungen an die Kita aufrechtzuerhalten, auch um den Übergang nach der Wiedereröffnung zu erleichtern. Die Schließzeit ist schon jetzt länger als die Kita-Pause durch einen Urlaub. In vielen Fällen werden wieder Eingewöhnungen notwendig werden, weil die Kita den Kindern fremd geworden ist.

 

Je länger die Kitas geschlossen sind, umso wichtiger ist es, die Erinnerungen an die Kita aufrechtzuerhalten.

 

Mit Hilfe des Kurses „Mit Kindern im Gespräch – auch zu Corona-Zeiten“ erhalten die pädagogischen Fachkräfte Ideen, wie die Kita auch in der Schließzeit für die Kinder präsent bleiben kann. Indem Kinder mit ihren Eltern zu Gesprächen ermutigt werden, werden sie auch kognitiv angeregt. Auch wenn es hoffentlich mit Hilfe des Online-Kurses zu häufigeren und länger anhaltenden Interaktionen mit den pädagogischen Fachkräften und den Eltern kommt, bleibt doch ein Wermutstropfen: Den Kindern fehlt die Interaktion mit den ihren Altersgenossen.

  

Zur Person:

Gisela Kammermeyer ist seit 2002 Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Koblenz-Landau. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Sprachbildung und Sprachförderung, Übergang Kita-Grundschule, anschlussfähige Bildungsprozesse.


Datum der Meldung 07.05.2020 00:00
abgelegt unter: