Lokale Friedenspotenziale

Nonwar Communities, oder: die Vernachlässigung des Friedenspotenzials des Lokalen


Das Friedenspotenzial des Lokalen wird, obwohl in der Forschung nicht völlig unbekannt, in der Fachliteratur zur Krisenprävention und ziviler Konfliktbearbeitung zumeist nur am Rande thematisiert. Auch in politischen Strategiepapieren und Handlungskonzepten wird ein lokales Friedenspotenzial zumeist eher eindimensional dargestellt. Das heißt, lokale (zivile) Akteure werden als AdressatInnen einer, wie auch immer gearteten, (inter-)nationalen „Friedenspolitik“ begriffen und nicht als autonome ProtagonistInnen von Friedensinitiativen. In gewaltsamen Konflikten oder im Zuge von Prozessen der Friedenskonsolidierung in Post-Konfliktphasen, gehe es darum, das Friedenspotenzial des Lokalen durch Dritte nachhaltig aufzubauen – oder bestenfalls zu revitalisieren und nachhaltig zu stärken. Die oftmals propagierte Notwendigkeit der Schaffung von lokalen Friedenspotenzialen (z. B. Bundesregierung, 2014) wird in diesem Sinne als ein Politikziel bzw. Resultat von politischen Maßnahmen definiert. Übersehen wird hierbei häufig, dass es einzelnen lokalen Gemeinschaften in Konfliktregionen weltweit gelingt, sich eigenständig der Komplexität von Gewaltkonflikten zu entziehen und sich darüber hinaus einer Vereinnahmung durch Konfliktparteien zu verweigern.


Das Forschungsprojekt betrachtet das Phänomen eines autonomen Friedenspotenzials des Lokalen näher. Dabei gehen wir von einem breiten Verständnis von Zivilgesellschaft und ziviler Konfliktbearbeitung aus. Den Fokus unserer Betrachtungen bildet nicht die organisierte Zivilgesellschaft in Konfliktregionen, z. B. kirchliche oder politische Organisationen, lokale Vereine, Nichtregierungsorganisationen oder soziale Bewegungen. Vielmehr stehen von Konflikten betroffene oder gefährdete Gruppen selbst im Mittelpunkt, in ihrer Funktion als eigenständige, wahrhaft lokale Akteure der zivilen Konfliktbearbeitung. Unsere Forschung setzt somit dort an, wo sich die Grenzen des zivilgesellschaftlichen Engagements in der internationalen und nationalen Konfliktbearbeitung aufzeigen.


Einen besonderen Schwerpunkt legen wir hierbei auf sogenannte Nonwar Communities . Diese Nonwar Communities bestehen weder aus einer Ansammlung von pazifistischen Einzelnen noch gehen sie aus internationalen Friedensbemühungen hervor. Zu beachten ist außerdem, dass Nonwar Communities nicht per se friedfertiger als die sie umgebenden Gemeinschaften sind. Sie sind keine (pazifistischen) Kollektive sui generis, sondern es handelt sich um ein zum Teil zeitlich befristetes Phänomen, das aus einem gemeinschaftlichen Entscheidungsprozess hervorgeht.