Gastbeitrag: Staff Mobility – Norwegen – Deutschland

Staff Mobility-Programm im Rahmen von Erasmus+ zwischen der Universität Stavanger und und dem IPZ an der Universität Koblenz-Landau.

Zwischen der Universität Stavanger und der Universität Koblenz–Landau liegen 1.500 km – doch wie weit liegen Ausbildungssysteme, Arbeitsweisen oder kulturelle Prägungen zwischen Deutschland und Norwegen auseinander? Um das herauszufinden und um den Wissenstransfer zwischen Hochschulen zu fördern, ist das Staff Mobility-Programm im Rahmen von Erasmus+ gegründet worden, welches auch nicht-wissenschaftlichem Personal an Universitäten und Hochschulen einen Austausch ermöglicht. Solveig Röwekamp – Ph.d.-Koordinatorin an der Fakultät für Erziehungs- und Geisteswissenschaften der Universität Stavanger – besuchte im Rahmen dieses Programms Anfang Juli für zwei Wochen das Interdisziplinäre Promotionszentrum (IPZ) der Universität Koblenz-Landau.

Die Wahl fiel auf die Universität Koblenz-Landau, da diese eine ähnliche Geschichte vorzuweisen hat, wie die Universität im westnorwegischen Stavanger:  Stavanger ist ebenfalls eine junge Universität (gegründet 2005), die ihren Ursprung unter anderem in einer Lehrerhochschule hat. Darüber hinaus wirkte das Angebot, das das IPZ auf seiner Homepage ausschreibt, sehr ansprechend und vielseitig.

Der intensive persönliche Austausch mit den Mitarbeiterinnen des IPZ vor Ort hat gezeigt, dass sich die deutsche und norwegische Nachwuchsförderung stark unterscheiden. Norwegen fördert seinen wissenschaftlichen Nachwuchs deutlich strukturierter: Promovierende bewerben sich auf ausgeschriebene Promotionsstellen und werden für drei bis vier Jahre fest an der Universität angestellt. Hier sind sie einem Institut zugeordnet und bekommen zwei Betreuer*innen, die sich zuvor für diese Aufgabe mittels spezifischer Weiterbildungen qualifiziert haben müssen. Die Doktorand*innen sind verpflichtet, sich in eines der Ph.d.-Programm einzuschreiben, das an der Universität angeboten wird. Das Ph.d.-Studium beinhaltet Oberseminare/Kolloquien im Umfang von 30 ECTS-Punkten, einen Auslandsaufenthalt von drei Monaten sowie ein Mittelseminar mit zwei Gutachter*innen nach der Hälfte der Zeit. Während des gesamten Promotionszeitraumes müssen sowohl Doktorand*in, als auch Betreuer*in jährlich über den Fortschritt des Projektes berichten. Am Ende der Promotion wird die Dissertation von einem für diesen Zweck ernannten Komitee, bestehend aus drei Gutachter*innen, die keine direkte Verbindung zu Kandidat*in oder Betreuer*in aufweisen dürfen, bewertet. Aufgrund dieser Struktur gibt es an jeder norwegischen Universität, an der man promovieren kann, Ph.d.-Koordinator*innen, die als Bindeglied zwischen Verwaltung, Betreuer*innen, Kandidat*innen und den einzelnen Fachbereichen fungieren und sich um alle administrativen Aufgaben kümmern. 

Spannend war es ferner über die vielen verschiedenen Projekte wie NaWi, ment2, ZuGewinn, GGf und KSB-Projekte wie NeuStArt zu erfahren, die es an norwegischen Universitäten in dieser oder anderen Form (noch) nicht gibt. Zum einen, da durch die verschiedenen Studiensysteme manche Fragestellungen gar nicht auftreten, zum anderen, da bisher noch kein Bedarf gesehen wurde. Informationsveranstaltungen für Promotionsinteressierte wären hingegen ein Angebot, das sicherlich auch für norwegische Masterstudent*innen interessant wäre. 

Abschließend ist zu sagen, dass – auch wenn es sich um komplett unterschiedliche Systeme der Nachwuchsförderung handelt, die aufgrund dessen schlecht verglichen werden können – der Austausch viele neue Einblicke eröffnet hat und es sehr interessant werden wird diese Eindrücke mit den Kolleg*innen in Norwegen zu teilen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Mitarbeiterinnen im IPZ und KSB, die sich ausnahmslos Zeit genommen haben, ihre Projekte und Arbeitsbereiche vorzustellen und immer für Fragen zur Verfügung standen.

 

Solveig Röwekamp

Førstekonsulent / Higher Executive Officer

Forskerutdanning / PhD education

Fakultet for utdanningsvitenskap og humaniora / Faculty of Arts and Education

Universitetet i Stavanger / University of Stavanger


Datum der Meldung 13.12.2019 17:16
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