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Gewissheit in Zeiten der (Post-)Demokratie?

Gewissheit in Zeiten der (Post-)Demokratie?


(AK Diskursforschung)

Organisation:
Sasa Bosancic (Augsburg/Frankfurt am Main), 
Reiner Keller (Augsburg),
Werner Schneider (Augsburg), Willy Viehöver (Aachen)

Session 4-4: Gewissheiten in Zeiten der (Post-)Demokratie? 1/2 

E 314

Freitag, 09:00-11:00 Uhr 

 

Reiner Keller
(Augsburg)

Ungewissheit. Überlegungen zur Umordnung der Diskurse

Miira Hill 
(Berlin)

Alles nur Fake-Science? Über die schwindenden Gewissheiten in der Wissenschaftskommunikation

Christoph Haker
(Oldenburg) & 

Lukas Otterspeer
(Dortmund)
 

Neurechte Gewissheiten durch Adaptionen erziehungswissenschaftlichen Wissens

 

Session 5-4: Gewissheiten in Zeiten der (Post-)Demokratie? 2/2

E 314

Freitag, 11:00-13:00 Uhr

 

Willy Viehöver 

(Aachen)

Im Reich techno-emotionaler (Un-)Gewissheiten. Transformationen emotionaler Regime dies- und jenseits „realer Virtualitäten“ 

Debora Frommeld (Augsburg)

Who knows best? Evidenzbasierte Medizin und (bio-)soziale Vergemeinschaftungen im Deutungskampf um das richtige Körpergewicht  

Lilli Braunisch 

(Berlin)

Innovation als Gewissheitskonstruktion der deutschen Politik. Zur diskursiven Konstruktion einer Innovationsgesellschaft im Deutschen Bundestag

Boris Traue 

(Berlin)

Gewissheitspolitische Dynamiken in der Kommunikationsgesellschaft: Algorithmische Autoritätsgeneratoren und Selbstautorisierung

 

In Phasen des gesellschaftlichen Umbruchs florieren Diskurse, die ein spannungsreiches Bild von (globaler) Unsicherheit und Ungewissheit einerseits und neuen Gewissheitsversprechen andererseits zeichnen. Problematisierungen des bislang Fraglosen und in Deutungskämpfen erhobene konkurrierende Gewissheitsansprüche bilden ein genuines Arbeitsfeld der Diskursforschung. Gerade die Rekonstruktion der (sich verschiebenden?) Bauprinzipien vonGewissheiten in öffentlichen, institutionellen sowie wissenschaftlichen Kontexten - etwa mediale Formate des "Faktenchecks", "evidenzbasierte" Methoden der Kindererziehung oder Bildungspolitik, "big data" Analysen, bildliche Repräsentationen u.a. mehr - zählt zu ihren Kernanliegen. Die Praxisfelder und Erscheinungsformen, in denen sich aktuell Transformationen der "Gewissheitspolitiken" andeuten oder begründet vermuten lassen, sind vielzählig. Wir möchten mit unserem Call zwei davon adressieren:

(1) Ein erstes Themenfeld deutet sich in den Transformationen des Politischen an, die unter anderem Colin Crouch mit der Diagnose der Postdemokratie beschreibt. Nun ist diese Diagnose selbst wiederum in Bezug auf ihre Plausibilität, ihren Geltungsbereich und den empirischen Gehalt umstritten. Die laufenden Transformationen scheinen jedenfalls derart tiefgreifend, dass die Institution Demokratie selbst der Garantien ihrer Fraglosigkeit beraubt scheint. Der mutmaßlich fehlenden Mobilisierungskraft schwächerer ökonomischer Gruppen, der Transformation der Parteien und der Entkernung des Politischen sowie der Dominanz globaler wirtschaftlicher Konzerne und Eliten stehen vermehrt die neuen Populismen (und Euroskeptizismen), gesteigerte (zivilgesellschaftliche) Partizipationsansprüche und die Ausweitung des Politischen jenseits staatlicher Institutionen und territorialer Grenzen gegenüber. Schon immer war dabei das Politische ein Feld, in dem (etwa unter den Stichworten der Propaganda oder der Geschichtsverfälschung, aber auch der "unumgänglichen Tatsachen, auf die zu reagieren sei", etwa in Bezug auf den Irakkrieg, Steuerpolitiken usw.) ganz unterschiedliche Gewissheitspolitiken zum Einsatz kamen. Im

Rahmen dieses Themenfeldes wäre deswegen danach zu fragen, ob und ggf. welche veränderten Formen der Gewissheit hier beobachtbar sind, welche Bedingungen ihre Überzeugungskraft herstellen, und welche Effekte davon für gesellschaftliche Partizipation und demokratische Regierungsformen ausgehen.

(2) Die alltägliche Rede von Fake News und alternativen Fakten verweist auf eine zunehmende Selbstthematisierung massenmedialer Kommunikation, die vor dem Hintergrund der (schon nicht mehr ganz) neuen Kommunikationsmedien und den damit einhergehenden Verschiebungen in den Nutzungspraktiken zu verstehen ist. Gerade unter Bedingungen der digital ermöglichten neuen "Blasenbildungen" entsteht ein Archipel fragmentierter "Diskursgemeinschaften", die auf bekannten Bauprinzipien der Verschwörungstheorien aufbauen, jedoch in ungleich wirksamerer Form in Erscheinung treten. Gleichwohl ist der Kampf um die Durchsetzung von Deutungen sowie die In- und Exklusion (ir)relevanter Fakten und/oder Akteure als (il)legitime Sprechende per se für die Diskursforschung nichts Neues - weder im medialen noch im wissenschaftlichen Kontext. So ist bspw. die Selektionslogik der Nachrichtenproduktion seit langem Gegenstand ganz unterschiedlicher Medienkritik, die sich am Maßstab "objektiver Berichterstattung" orientiert. Für Irritationen kann jedoch sorgen, dass diese politische und wissenschaftliche Kritik an der Realität massenmedialer Kommunikation und Konstruktionsleistungen nunmehr um eine Kritik erweitert wird, die aus den Medien selbst stammt und Wahrheitsansprüche formuliert, die der etablierten Logik des ausdifferenzierten massenmedialen Feldes im Grunde widersprechen. Was bedeutet es mit Blick auf das Thema Gewissheit und Massenmedien wenn sich die Medien und die medialisierte Öffentlichkeit über den Topos fake news nun selbstthematisieren? Welche Gewissheitsprinzipien liegen den neuen verschworenen Diskursgemeinschaften zugrunde, die beanspruchen, ein (parrhesiastisches) Risiko auf sich zu nehmen, um die "tatsächliche Wahrheit" ans Tageslicht zu befördern - gegen alle Widerstände?

Themenvorschläge (Titel und Abstract von max. 500 Wörtern) senden Sie bitte unter Angabe des Vor- und Nachnamen sowie der institutionellen Anbindung bis zum 31. März 2019 an folgende E-Mail Adresse: sasa.bosancic@phil.uni-augsburg.de