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Praktische Gewissheit Artikulieren?

Praktische Gewissheit Artikulieren?


Zur (methodischen) Paradoxie eines rekonstruktiven Zugangs
zum praktischen, impliziten bzw. habituellen Wissen
(AK Theoretische Wisssenssoziologie)

Peter Isenböck & Joachim Renn

Session 1-1: Praktische Gewissheiten Artikulieren 1/2

E 113

Donnerstag, 11:00-13:00 Uhr

 

Joachim Renn &
Peter Isenböck
(beide Münster)

Einleitung

Ulrike T. Kissmann
(Kassel)

Implizites Wissen und Vergangenheit: 
Zur temporalen Asymmetrie 
bei Maurice Merleau-Ponty
 

Michael Nguyen
(Darmstadt)

Der verdoppelte Kontext situativer Fragmente: Zur parasitären Realität der Formen praktischer Gewissheit

 

Session 2-1: Praktische Gewissheit Artikulieren 2/2

E 113

Donnerstag, 14:00-16:00 Uhr

 

Michael 
Ernst- Heidenreich
(Koblenz)

Wissenssoziologie in der repräsentalistischen Falle? Nehmen wir die Dynamik situierter Praxis in unseren Beschreibungen ernst?

Christine Neubert (Hamburg)

Implizites Wissen implizit erforschen

Joachim Renn
(Münster)

Fazit

„Gewiss“ erscheinen – von „innen“ wie von „außen“ - vor allem die Arten von „Wissen“, die für bestimmte Formate des Handelns, für routinierte Praktiken, für habitualisierte Handlungsweisen, für situiere Interaktion etc. typisch wie auch konstitutiv ist. Unter der – gut begründeten – Voraussetzung, dass diese Art Hintergrundwissen im Modus praktischer Gewissheit „gegeben“ undnur in diesem Modus de facto wirksam ist, ergeben sich in methodologischer Hinsicht ernsthafte Komplikationen: wie ist der rekonstruktive (oder auch interpretierende, vielleicht sogar: „beobachtende“) Zugang der qualitativen Forschung zu bestimmten Formen des impliziten Wissens (der habituellen Gewissheiten, die z.B. Milieus, Gemeinschaften oder aber „Praktiken“, lokale Lebensformen etc. konstituieren) zu denken, zu verstehen oder auch zu legitimieren, wenn doch die praktische Gewissheit für den Modus eines Wissens steht, der gegenüber expliziten, propositionalen, theoretischen und generalisierten Formaten der Wissens-Repräsentation heterogenist und bleiben müsste? Anders formuliert: wie reagiert die qualitative Erforschung von soziologisch relevanten Formationen praktischer Gewissheit auf die Paradoxie, dass die Explikation des Impliziten dieses Implizite qua Explikation eben verzeichnen, verfehlen, verfremden muss?

Dabei variiert die Dramatik dieser Fragestellung natürlich erheblich mit dem Ausmaß der Bereitschaft, die Differenz zwischen explizitem und implizitem Wissen radikal auszulegen - in dieser Hinsicht besteht hinreichend Dissens im Fach und auch innerhalb des speziellen Segments einer Wissenssoziologie, die sich ansonsten über den hermeneutischen Charakter des methodischen Zugriffs auf „das Material“ weitgehend einig ist. Die Grundlagen theoretischer Art (was „ist“, wie wirkt, wie zeigt sich „implizites Wissen“) haben deshalb systematisch weitreichende Relevanz für die methodologische Frage, wie es die Sinn-rekonstruierende Hermeneutik mit dem Zugang zu den Arten von Sinnhorizont halten soll, die eben nicht begrifflich, nicht propositional oder gar überhaupt nicht (in irgendeinem vertretbaren Sinne) sprachlich verfasst sind? Diese Rückfrage betrifft sicher die mittlerweile weit entwickelten Bemühungen um Formen einer angemessenen Bildhermeneutik im Feld einer „visuellen Soziologie“, sie ist aber keineswegs auf entsprechende Materien beschränkt, sondern geht eine Reihe vergleichsweise unterschiedlicher empirischer Verfahrensweisen an: was folgt z.B. daraus, dass sich der „konjunktive Erfahrungsraum“ (Mannheim, Bohnsack) kaum adäquat in begrifflicher Diktion vermessen lässt, wenn die – laut Bohnsack – dezidiert praktisch gewissen Hintergrundgewissheiten, die ein Milieu oder eine Generation verbinden, mit expliziten Sätzen eben nicht repräsentiert werden können? Auf welche Weise und mit welchem Effekt nähert sich z.B. die von Harry Collins entwickelte Modifikation des Turing-Tests indirekt dem habituellen, impliziten Hintergrundwissen an, an dem

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sich die Milieuzugehörigkeit entsprechend getesteter Personen bemessen lassen soll? Wie und mit welchem möglichen Repräsentations-Anspruch nähern sich andere hermeneutische Verfahren im Umkreis einer eher phänomenologischen Wissenssoziologie dem praktisch gewissen Wissen an? Wie wird der Habitus artikuliert in methodischer Einstellung und im Zuge empirischer Erhebung, wenn doch der „Witz“ habituellen Wissens, „wie“ hier und jetzt zu handeln ist, darin besteht, durch den Modus einer prinzipiell vorprädikativen Vertrautheit mit einer jeweils Situations-angemessenen Praxis der Regelanwendung latent zu bleiben (die Frage nach der Explikation des Impliziten ist mithin – noch einmal neu, weil unter Rekurs auf eine schärfere Rekonstruktion der wissenstheoretischen Implikationen des Habitus-Begriffs – auch an die Adresse Bourdieus zu richten).

Der AK „Theoretische Wissenssoziologie“ möchte mit dieser Themenstellung, eine zentrale, nämlich die Methoden der qualitativen empirischen Forschung (in verschiedenen Varianten) betreffende Implikation des in seinen Veranstaltungen schon lange bearbeitetengrundlagentheoretischen Themas: „implizites Wissen“ ins Zentrum der Diskussion stellen und damit einen für den AK spezifischen Beitrag zum Rahmenthema „Gewissheit“ leisten. In zwei Abteilungen (Sessions a 2 Stunden) und insgesamt sechs Beiträgen wird der AK diese Fragen mit deutlicher Konzentration auf die methodische/methodologische Frage in Koblenz diskutieren.

Wir bitten um Vorschläge bis zum 31.3.2019:

Joachim Renn j.renn@uni-muenster.de
Peter Isenböck peter.isenboeck@uni-muenster.de