Forschung

Forschungsprofil des Fachbereichs Philologie/Kulturwissenschaften

Der Fachbereich 2 versammelt die geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächer der Universität: Philosophie, Katholische und Evangelische Theologie, Anglistik/Amerikanistik, Germanistik, Geschichtswissenschaft sowie Musik- und Kunstwissenschaft. In seinem Zentrum steht das 2007 gegründete Institut für Kulturwissenschaft (mit einer ethnologischen, einer medien- und einer politikwissenschaftlichen Professur), an dem sich auf verschiedene Weise sämtliche Institute des Fachbereichs und das Institut für Soziologie aus dem Fachbereich 1 beteiligen.

In der Lehre bedient der Fachbereich hauptsächlich die Lehramtsstudiengänge. Forschungs- und berufsorientiert sind die Studiengänge BA/MA Kulturwissenschaft, der Master Germanistik sowie die 2-Fach-BA-Studiengänge. Hinzu kommen die Kooperationsstudiengänge Darstellendes Spiel (fachbereichsübergreifendes Zentrum Fachbereich 1/Fachbereich 2 für zeitgenössisches Theater und Performance), Natur und Kultur (Kooperation mit dem Fachbereich 3) sowie Computervisualistik (Kooperation mit dem Fachbereich 4) und als individuelle Profilierungsmöglichkeit für angehende LehrerInnen die Zertifikatsprogramme Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sowie Content and Language Integrated Learning (Qualifikation für den bilingualen Sachfachunterricht). Zudem ist der Fachbereich beteiligt an der Graduiertenschule Genderforschung (GGf). In den Lehramtsstudiengängen bieten sämtliche Fächer (mit Ausnahme der Evangelischen Theologie, die dies anstrebt, sowie der Musikwissenschaft und -pädagogik) den promotionsqualifizierenden Master Gymnasium an. Neben den forschungsorientierten Studiengängen rekrutieren die Fächer hier einen großen Teil ihres wissenschaftlichen Nachwuchses.

Das Forschungsprofil des Fachbereichs weist vier (zwei methodische und zwei inhaltliche) Schwerpunkte auf:

  • Inter- und Transdisziplinarität,
  • kulturwissenschaftliche Ausrichtung,
  • Genese und Transformation von Wissen,
  • Formen, Medien und Prozesse der Vermittlung.

Der Fachbereich arbeitet schon länger inter- und transdisziplinär. Das heißt, die Forschungsergebnisse der verschiedenen Fächer werden nicht nur mit Blick auf übergreifende Themen zusammengetragen, sondern aus ihrer disziplinären Verortung durch gemeinsame Projekte, Kolloquien und Tagungen in einen dialogischen Prozess integrativer Forschung überführt, der innovative Ergebnisse und eine übergreifende Reflexion und Kritik wissenschaftlichen Arbeitens zeitigt. Daraus ist die Planung eines fachbereichsübergreifenden Forschungs- und Nachwuchsförderprojekts (Graduiertenkolleg, SFB o. Ä.) hervorgegangen, das derzeit unter dem Titel „Vermittlungskulturen/Mediating Cultures“ entwickelt wird. Es soll die Forschungsinteressen des Fachbereichs bündeln und zugleich auch die LehrerInnenbildung für alle Schulstufen enger ans Forschungsprofil des Fachbereichs binden.

Die kulturwissenschaftliche Ausrichtung des Fachbereichs ist zunächst der allgemeinen Einsicht geschuldet, dass Kultur im 21. Jahrhundert nicht mehr als eine Art Überbau der ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse betrachtet werden kann, sondern als Wahrnehmungsweise, Bedeutungszuschreibung, Sinnstiftung und Vermittlungsform, die aufs Engste mit Wirtschaft, Gesellschaft, Medien, Kunst und Politik verflochten ist. Aus dieser alle Disziplinen des Fachbereichs betreffenden Einsicht wurde 2007 das Kulturwissenschaftliche Institut gegründet, das in seiner Kombination ethnologischer, medien- und politikwissenschaftlicher Perspektiven ein spezifisches Profil kulturwissenschaftlicher Forschung ausgebildet hat. Damit korrespondiert wiederum die kulturwissenschaftliche Ausrichtung der anderen Fächer und ihrer Forschungsprofile, die alle die übergreifende Relevanz der von ihnen untersuchten Kulturphänomene für die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts in den Mittelpunkt stellen.

Dazu gehören vor allem Forschungen zu Genese, Transformation, Status und Vermittlung von Wissen. Das umfasst sowohl – als solche kategorisierte – geistes- wie naturwissenschaftliche Formen des Wissens als auch Glaubenssysteme, Formen des kulturellen Gedächtnisses, mediale Wissensbestände und domänenspezifisches Wissen, Tradierungs- und Historisierungsprozesse, populäres Wissen, Wissen über ästhetische Gegenstände (Literatur, Musik, Kunst) oder die begrifflich-sprachliche Erzeugung z. B. politisch-ideologischen Wissens in gesellschaftlichen Diskursen. Was die Forschungen des Fachbereichs zu diesen Wissensformen auszeichnet, ist der Fokus auf ihre Genese, ihren Transfer, ihre Konflikte und ihre Korrespondenz. Statt eines Panoramas von Wissensformen steht ihr Zusammenhang jenseits der hergebrachten Unterscheidungen zwischen Natur und Kultur, Sprache und Wirklichkeit, Fakt und Fiktion, Medien und Politik, Kunst und Gesellschaft oder auch Geschichte und Gegenwart im Zentrum. Die Genese und Transformation von Wissen wird hier als ein Kulturphänomen untersucht, das unsere Lebenswelt unterhalb und jenseits fachlicher und institutioneller Zuständigkeiten prägt und gerade angesichts der in jeder Hinsicht grenzüberschreitenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dringend der Aufarbeitung bedarf, auch in demokratietheoretischer Perspektive.

Daraus ergibt sich der zweite inhaltliche Forschungsschwerpunkt des Fachbereichs: die Formen, Medien und Prozesse, also die Möglichkeiten und Grenzen der Vermittlung. Insofern die inter- und transdisziplinäre sowie die kulturwissenschaftliche Ausrichtung an sich bereits ein hohes Maß an Vermittlungsleistung mit sich bringt und durch die LehrerInnenbildung die Reflexion und Anbahnung von Vermittlungskompetenzen zur Kernexpertise der meisten Fächer gehört, kann dieses Potenzial auch in der Forschung ausgeschöpft werden. Zudem ist eine Erforschung des genannten Zusammenhangs verschiedener Wissensformen ohne eine Erforschung der dabei beteiligten Strukturen, Medien und Formen der Vermittlung kaum denkbar. Daher konzentrieren sich die allermeisten Forschungsprojekte des Fachbereichs beim Blick auf die von ihnen untersuchten sprachlichen, politischen, historischen, philosophischen, religiösen, literarischen, (sozial-)medialen oder ästhetischen Kulturphänomene auf die Art und Weise, in der sie vermittelt werden, in der sie Vermittlungen stiften oder verhindern, in der sie tradiert, weitergegeben und verbreitet werden oder in der sie sich der Vermittelbarkeit entziehen – gerade in Zeiten einer tiefgreifenden Mediatisierung und Digitalisierung und einer zunehmend heterogenen Gesellschaft.

Es sind diese übergreifenden Forschungsinteressen sowie die inter- und transdisziplinäre Ausrichtung des Fachbereichs 2, aus denen unter Beteiligung aller Fächer das genannte Forschungsprogramm „Kulturen der Vermittlung/Mediating Cultures“ hervorgegangen ist, mit dem erklärten Ziel, langfristig ein großes drittmittelgefördertes Forschungsprojekt am Fachbereich zu installieren.

Forschungsdatenbank SciPort

Über die individuellen Forschungsaktivitäten der im Fachbereich 2 tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler informiert die Forschungsdatenbank des Landes Rheinland-Pfalz, SciPort. Dort wie auch auf den Homepages der einzelnen Institute und den dort verlinkten persönlichen Seiten der Forscherinnen und Forscher finden Sie umfangreiche Informationen über Projekte und Publikationen an unserem Fachbereich.