Aktuelle LV im Sommer 2020

Die Ethik der Epikureer und Stoiker

Die Epikureer und Stoiker bildeten die klassischen Glücksethiken weiter fort. Mit Platon und Aristoteles begriffen sie die Glückseligkeit als Ziel des menschlichen Lebens; Seelenruhe und geistige Unaufgeregtheit als Charakteristika des Glücks. Die Ethik war für sie eine »Therapie der Seele«. Sie sollte helfen, Gefährdungen der Seelenruhe zu erkennen und zu meiden. Die Epikureer und Stoiker waren überzeugt, daß Phobien, negative Affekte, falsche Begierden und Gelüste die innere Balance stören und die Fähigkeit mindern, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Als Heilmittel empfahlen sie die Einübung philosophischer Argumente und die stetige Gewöhnung an eine gerechte Lebenspraxis. Die epikureisch-stoische-Ethik basiert auf komplexen Einsichten in die Relevanz mentaler Zustände für die menschliche Praxis. Ihr großer historischer Einfluß beruht u.a. darauf, daß die ethische Therapie von jedem nachvollzogen und geprüft werden können.

 

Cicero. De officiis

Ciceros Spätschrift De officiis (Über die Pflichten) zählt zu den wirkungsmächtigsten Werken der antiken Ethik. Ihr Ausgangspunkt ist die Beobachtung, daß die soziale Anerkennung des Individuums von der Erfüllung jener Pflichten abhängt, die aus der Rolle in je spezifischen Sozialsystemen erwachsen. Pflichten sind Erwartungen, die andere an uns aufgrund jener Rolle stellen, die wir in einer Gemeinschaft spielen. Cicero unterscheidet differente Sozialsphären (Familie, Freunde, Staat, universale Gemeinschaft aller Menschen), die mit je besonderen Pflichten korrelieren. In De officiis I stützt er sich auf den Pflichtbegriff des griechischen Stoikers Panaitios. In den Büchern II & III untersucht er im Rekurs auf dessen Schüler Poseidonios das Verhältnis von Nutzen und sittlich Gutem.

 

Grundriss der griechischen Anthropologie

Der Ausdruck »Anthropologie« leitet sich ab vom griech. Ausdruck anthropos für »Mensch«. Schon die frühen Epen enthalten wichtige anthropologische Gedanken: Homer begreift den Menschen als Sterblichen. Hesiod versteht ihn als Rechtswesen. Im Corpus Hippocraticum findet sich zuerst die explizite Frage »Was ist der Mensch?«. Geht es den Ärzten v.a. um den menschlichen Körper, so fragt Platon ganz generell nach der »Natur des Menschen«. Wer dieser Frage nicht nachgehe, sei kein echter Philosoph. Die philosophische Anthropologie beginnt also mit Platon. Aristoteles knüpft hier an: In seinen biologischen Schriften begreift er den Menschen als Lebewesen und erforscht die Sonderrolle des Menschen im Tierreich. Die praktische Philosophie als »Wissenschaft vom Menschen« untersucht, welche individuellen und politischen Bedingungen erfüllt sein müssen, damit der Mensch ein seiner Natur adäquates (humanes) Leben führen kann. Die Stoiker begreifen den Menschen wesentlich von seiner »Vernunftnatur« her und fordern, der Mensch müsse dieser Vernunftnatur im praktischen Lebensvollzug folgen, um glücklich zu sein.

 

Klassiker der politischen Philosophie

Was ist Politik? Was ist ein Staat? Was ist ein Bürger? Was ist ein guter Staat? Was ist gerechte Politik? Wie läßt sich das Verhältnis von Staat und Individuum fassen? Wie unterscheiden sich Politik und Gesellschaft? Solche und ähnliche Fragen stehen seit Platon und Aristoteles im Zentrum der politischen Philosophie. Der Kurs ist als Einführung konzipiert und gibt einen historischen Überblick zu den Grundfragen der politischen Philosophie. Auf dem Programm stehen Texte von Platon, Aristoteles, Niccolò Machiavelli, Thomas Hobbes, John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Adam Smith, Immanuel Kant, Max Weber und Charles Taylor.

 

 

 Zusätzliche Information:

Falls Sie in Absprache mit Herrn Meyer ihre Hausarbeit im entsprechenden Owncloud-Ordner hochladen sollen, können Sie dies unter folgendem Link.

 

 

 

 

Informationen zu Zeiten, Räumen, Modulvorgaben, Leistungspunkten und studiengangspezifischen Anforderungen der genannten Lehrveranstaltungen entnehmen Sie bitte den internen Vorlesungsverzeichnissen der Universität Koblenz-Landau bzw. KLIPS.