Fallzahl Standort Koblenz: 0 (Warnstufe Grün) Maßnahmenkonzept

Aktuelle LV Sommer 2021

Platons Menon

»Menon: Sokrates, kannst Du mir sagen, ob man das Gutsein (die ἀρετή) lehren kann? Oder kann man es nicht lehren, sondern einüben? Oder kann man weder durch Übung noch durch Lernen gut werden, sondern man ist es von Natur aus oder auf sonst irgendeine Weise?« Mit diesen Fragen beginnt Platons Menon – ein Dialog, den man oft als Werbeschrift für die Akademie gelesen hat. Arete meint soviel wie Tugend, Tüchtigkeit oder Bestheit; seit Platon vor allem psychisch-moralische Bestheit, den optimalen Seelenzustand. Die Arete ist das Ziel aller klassischen Ethiken. Läßt sich aber diese optimale psychische Verfaßtheit ähnlich erlernen oder einüben wie etwa das Lesen und Schreiben? Was also bedeutet lernen? Und: Ist es möglich, etwas zu lernen, wenn man nicht weiß, was man lernen soll? Wie hängen Lernen, Wissen und Erinnern zusammen? Im Seminar wird Platons Menon vollständig gelesen und im Rekurs auf die wichtigen Deutungen von Oliver Hallich (2013) und Theodor Ebert (2019) diskutiert.

  

Senecas ethische Schriften

Der römische Denker Lucius Annaeus Seneca war der einflußreichste Vertreter der römischen Stoa. Seine ethischen Schriften, in denen er von Zorn, Aufregung und übertriebener Geschäftigkeit um einer ruhigen Seele wegen abrät, haben die Moralphilosophie seit der Spätrenaissance maßgeblich geprägt. Im Seminar werden die Kerngedanken der ethischen Werke in ihrer historischen Genese vorgestellt und diskutiert. Im Mittelpunkt stehen die Schriften De ira, De brevitate vitae, De constantia sapientis, De clementia, De vita beata, De tranquillitate animi und De otio.

  

Grundriss der griechischen Anthropologie

Der Ausdruck »Anthropologie« leitet sich her vom griechischen Wort anthropos (ἄνθρωπος) für »Mensch«. Schon das frühgriechische Epos enthält wichtige anthropologische Gedanken: Homer begreift den Menschen als Sterblichen. Hesiod versteht ihn als Rechtswesen. Im Corpus Hippocraticum findet sich erstmals die explizite Frage »Was ist der Mensch?«. Geht es den Ärzten v.a. um den menschlichen Körper, so fragt Platon allgemeiner nach der »Natur des Menschen«. Wer dieser Frage nicht nachgehe, sei kein echter Philosoph. Mit Platon also beginnt die philosophische Anthropologie. Aristoteles vertieft dieses Thema. In seinen biologischen Schriften begreift er den Menschen als Lebewesen und erforscht die Sonderrolle des Menschen im Tierreich. Die praktische Philosophie als »Wissenschaft vom Menschen« untersucht, welche individuellen und politischen Bedingungen erfüllt sein müssen, damit der Mensch ein seiner Natur adäquates (humanes) Leben führen kann. Die Stoiker begreifen den Menschen wesentlich von seiner »Vernunftnatur« her. Sie fordern, der Mensch müsse dieser Vernunftnatur im praktischen Lebensvollzug folgen, um glücklich zu sein. Die Vorlesung bietet einen historischen Überblick über die wichtigsten anthropologischen Texte und Positionen der griechischen Literatur und Philosophie.

  

Montaigne und die Skepsis

Mit seinen Essais schuf der französische Gelehrte Michel de Montaigne (1533-1592) eine neue stilbildende Literaturgattung und öffnete zugleich ein Tor zum philosophischen Denken der Neuzeit. Montaigne war an Jurisprudenz und antiken Texten geschult. In seinen oft assoziativ-unsystematischen, aber anspruchsvoll abwägenden Essais verbinden sich Gedanken des Renaissancehumanismus mit den neuentdeckten skeptischen und stoischen Traditionen. Montaigne läßt sich allerdings eher von eigenen Einsichten als vom Gewicht der Autoritäten leiten. Der Kurs behandelt zunächst die Wiederentdeckung der antiken Skepsis im 16. Jahrhundert, um dann an ausgesuchten Essais zu prüfen, wie Montaigne dieses Gedankengut verarbeitet. Die Essais sind nicht bloß philosophisch, sondern (wie die Essais Über die Schulmeisterei und Die Knabenerziehung bezeugen) auch pädagogisch brisant. Geplant ist die Lektüre der Essais Über die Menschenfresser, Über die Erfahrung, Philosophieren heißt sterben lernen, Über die Freundschaft, Von der Gleichheit, Von der Einsamkeit und Von der Reue.

 

 

Zusätzliche Information:

Falls Sie in Absprache mit Herrn Meyer ihre Hausarbeit im entsprechenden Owncloud-Ordner hochladen sollen, können Sie dies unter folgendem Link.

 

 

 

 

Informationen zu Zeiten, Räumen, Modulvorgaben, Leistungspunkten und studiengangspezifischen Anforderungen der genannten Lehrveranstaltungen entnehmen Sie bitte den internen Vorlesungsverzeichnissen der Universität Koblenz-Landau bzw. KLIPS.