Übertragung von Mensch auf Tier? Reverse Zoonose!

Covid-19, eine Zoonose - aber auch eine "Reverse Zoonose"?

Hinweis: Updates werden auf dieser Seite fortlaufend eingearbeitet.

Was ist eine Zoonose, was eine Reverse Zoonose?

Es besteht grundsätzlich eine zunehmende Gefahr von nicht wirtsspezifischen Krankheitserregern, die von Tieren durch Nahrung, Wasser, Vektoren, durch Kontakt mit Haustieren, durch Kontakt mit einer kontaminierten Umgebung übertragen werden. Zahlreiche Veröffentlichungen (Übersichten, Fallberichte, Originalarbeiten) über Zoonose-Erkrankungen sind veröffentlicht.

Die Übertragung von Krankheitserregern vom Tier auf den Menschen ist im Bereich der Infektionskrankheiten von großer Bedeutung. Etwa 75% der sogenannten "emerging infectious diseases", die den Menschen betreffen, sind Zoonosen.

Der enge Kontakt des Menschen zu Tieren trägt neben zahlreichen anderen Faktoren zur Übertragung von Mikroorganismen von Tieren auf den Menschen bei, darunter pathogene Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten. Insbesondere die enorme Mobilität von Menschen, Nahrungsmitteln, Tieren, Pflanzen und sonstigen Gütern erleichtert die Ausbreitung solcher pathogenen Mikroorganismen über verschiedene Übertragungsketten.

Der Begriff „Zoonose“ wird üblicherweise verwendet, um eine Krankheit zu beschreiben, deren ätiologische Erreger von Tieren auf Menschen übertragen werden, bezieht sich aber auch auf die Übertragung von Mikroorganismen von Menschen auf Tiere. Während die Übertragung von Tieren auf Menschen als Anthropozoonose präzisiert wird, beschreibt der Wortlaut Zooanthroponose die Übertragung von Menschen auf Tiere. Diese Begriffe werden jedoch inkonsistent verwendet und sind nicht allgemein bekannt. In Bezug auf die breite Verwendung des Begriffs „Zoonose“ als Übertragung von Tieren auf Menschen beschreibt der Begriff „Reverse Zoonose“ klar seinen Inhalt (vom Mensch auf das Tier) und seine Bedeutung und vermeidet andere künstlich klingende Wortkombinationen.

Es gibt zahlreiche Beispiele (Fallberichte) für Mikroorganismen, die vom Menschen auf Tiere übertragen werden. Für Hepatitis A und E Viren, Masern, das humane Metapneumovirus, Influenzaviren, Rotaviren, Adenoviren, Astroviren, Enteroviren und Noroviren ist es bereits bekannt, dass sie vom Menschen auf Tiere übertragen werden können. Für Bakterien und Parasiten sind Reverse Zoonose - Fälle ebenfalls häufiger beschrieben (z.B. für Giardien, Kryptosporidien).

Zoonotischer Ursprung von SARS-CoV-2

Dass bei SARS-CoV-2 ein "Übergang" vom Tier auf den Menschen stattgefunden hat, wird allgemein als gesichert angenommen. Es handelt sich also um einen zoonotischen pathogenen Erreger. Über die Ursprünge des Virus (in China) und die in Frage kommenden Reservoirtiere findet sich in der Literatur einiges. Das SARS-CoV-2 weist eine hohe Ähnlichkeit zu einem in Fledertieren gefundenen SARS-CoV auf, mit diesem teilt es über 95% seines Genoms. Deswegen werden Fledertiere als ursprünglicher Wirt des SARS-CoV-2 angenommen. Fledertiere sind die Reservoire zahlreicher weiterer pathogener Mikroorganismen. Auch viele Viren, die für Menschen und Tiere pathogen sind, finden ihren Ursprung in Fledertieren (siehe Seite "Fledertiere als Reservoire von Viren"). Als weiterer Wirt vor dem "Übergang" auf den Menschen wird das Schuppentier (Pangolin; Ordnung: Pholidota) oder der Marderhund angenommen (Yan-Rong 2020). Grundsätzlich können zwischen der Entwicklung eines Virus` in Fledertieren und dem "Überspringen" auf den Menschen (über einen Zwischenwirt) jedoch Jahre bis Jahrzehnte liegen. 

Pangoline sind Ameisen-fressende Säugetiere aus der Ordnung Pholidota, Familie Manidae. Es gibt 8 Arten weltweit in drei Gattungen. Die Gattung Manis enthält 4 Arten, die in Asien beheimatet sind. Die Gattungen Phataginus und Smutsia bewohnen mit je zwei Arten Gebiete in Afrika. In Verdacht etwas mit COVID-19 zu tun zu haben, gerieten die Pangoline, als sie als Infektionsquelle für Menschen postuliert wurden, also als eine Art Brückenwirt für ein SARS-CoV-2-ähnliches Virus aus Fledertieren der Gattung Rhinolophus. Für einige Rhinolophus-Arten ist bekannt, dass sie sogar in Bauten, in denen sich auch Pangoline befinden, überwintern (beispielsweise Rhinolophus hipposideros: kleine Hufeisennase). Die Coronaviren des aktuellen Ausbruchs waren zu 99% ähnlich zu den Coronaviren, die in Pangolinen nachgewiesen wurden. Zudem zeigten diese Coronaviren eine deutliche Affinität zu den entsprechenden Rezeptoren in den Pangolinen. Nicht erst seit dem SARS-CoV-2 Ausbruch ist bekannt, dass der Handel (legal und illegal) mit Wildtieren für die Verbreitung zahlreicher Infektionserreger eine Rolle spielt. Diese Erreger wiederum bedrohen andere Tiere (auch Nutztiere) oder auch den Menschen. Wildtierhandel bzw. die entsprechenden Märkte werden auch im Zusammenhang mit der Ausbreitung von SARS-CoV-2 immer wieder genannt. SARS-CoV-2 ähnliche Viren wurden in Fledertieren und Pangolinen gefunden. Im Rahmen einer Studie wurde von 334 Sunda Pangolinen (Manis javanica; Malaiisches Schuppentier), die von 2009 bis 2019 in Malaysia und Sabbah konfisziert wurden, Abstriche (Gaumen und rektal) gewonnen. Mittels PCR wurden diese Probenmaterialien anschließend auf Coronaviren, Filoviren, Orthomyxoviren und Paramyxoviren (siehe auch: Fledertiere als Reservoire von Viren) untersucht. Es wurde kein positives Testergebnis gefunden. Stellt man diese Ergebnisse in Beziehung zu den Nachweisen von Coronaviren, die in Sunda-Pangolinen in China detektiert wurden, so die Macher der Studie, weist das Ausbleiben eines Nachweises darauf hin, dass die positiv getesteten Pangoline aus China eher von Menschen oder anderen infizierten Tieren angesteckt wurden. Daher, so schlussfolgern die Autoren, seien Pangoline lediglich akzidentielle Wirte für SARS-CoV-2.  Nichtsdestotrotz kommen die Autoren zu dem Schluss, dass es wichtig ist, diesen globalen Wildtier-Handel zu beenden (siehe: Lee et al. 2020). Eine weitere Studie zur Einschätzung des Potenzials von Pangolinen bei der SARS-CoV-2 Verbreitung wurde in Afrika durchgeführt. In Zentralgabun, in Lopé, wurde beobachtet, dass Fledertiere und Pangoline sympatrisch in den gleichen Höhlenbauten leben. Bei den Pangolinen, die hierbei untersucht wurde, handelt es sich um die große Art Smutsia gigantea (Riesenschuppentier). Mindesten drei verschiedene Fledertierarten (hier: Microchiroptera = Fledermäuse) leben in den untersuchten Pangolinbauten. Zudem gibt es in Gabun gleich mehrere Pangolinarten, die mit verschiedenen Fledermausarten assoziiert sind. Diese sind aufgrund der Nutzung der gleichen Biozönosen den Fledermausviren (durch Kontakt mit dem Kot etc.) ausgesetzt. Auch in Gabun findet man übrigens die Pangoline auf Wildtiermärkten. Aufgrund der sympatrischen Lebensweise von Pangolinen und Fledertieren, so fordern auch die Autoren dieser Studie, dass Gabun Schritte unternehmen solle, um das Fangen, in den Handel bringen oder Verspeisen von Fledertieren oder Pangolinen zu untersagen (siehe: Lehmann et al. 2020).

Können Tiere (bzw. Haustiere) überhaupt infiziert sein? Können infizierte Menschen Tiere anstecken? Können infizierte Tiere Menschen anstecken?

Wie aber sieht es mit der Übertragbarkeit von SARS-CoV-2 von infizierten Menschen auf Tiere - und im Besonderen auf unsere Haustiere aus? Sind die Haustiere ebenfalls Träger oder erkranken sie sogar?

Die Berichte dazu mehren sich mittlerweile. Die Übertragung von SARS-CoV-2 von infizierten Menschen auf Tiere ist möglich (und vice versa).

SARS-CoV-2 bei Hunden

Ein Spitz und ein Deutscher Schäferhund wurden Anfang März 2020 in Hong-Kong positiv getestet, nachdem ihr Halter an COVID-19 erkrankt war. Symptome wurden bei diesen Hunden nicht nachgewiesen. Ende April 2020 erkrankte in North Carolina (USA) der Mops "Winston" an COVID-19. In Holland wurden bei einem Hund ebenfalls Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Es handelte sich um eine 8-jährige amerikanische Bulldogge. Es gibt jedoch keine Verbindung zu den Infektionen in den holländischen Nerzfarmen (siehe unten). Der Hundehalter war an COVID-19 erkrankt. Der Hund hatte respiratorische Probleme und wurde am 30. April 2020 eingeschläfert, weil die Symptomatik sich zusehends verschlechterte.. Am 02. Juni folgte die Meldung aus New York (Staten Island), dass ein Deutscher Schäferhund positiv getestet wurde. Das Tier zeigte respiratorische Symptome, hatte wohl aber auch ein Lymphom. Der Schäferhund verstarb Ende Juli 2020. In Dänemark wurde eine COVID-19 Infektion bei einem Hund im Juni 2020 diagnostiziert. Diese Entdeckung der Infektion erfolgte im Zusammenhang mit der Surveillance auf den Nerzfarmen (siehe unten). Auch in Dänemark werden Hundehalter sowie Halter von anderen Haustieren aufgefordert für ihre vierbeinige Schützlinge ähnliche Präventionsmaßnahmen einzuhalten, wie sie auch für Menschen gelten (siehe unten). In Georgia (USA) wurde Anfang Juli 2020 ein Hund positiv für COVID-19 getestet, ohne jedoch respiratorische Symptome zu zeigen. Es zeigten sich jedoch plötzlich auftretende neurologische Symptome bei dem Tier. Die Symptomatik verstärkte sich im Laufe von einigen Tagen zunehmend. Der Hund wurde eingeschläfert. Die progressive neurologische Erkrankung soll jedoch eine andere Ursache gehabt haben. Die Halter des 6 Jahre alten Mischlings wurden ebenfalls positiv getestet. In der gleichen Meldung ist von einem zweiten SARS-CoV-2 positive Hund in Georgia die Rede. In Charleston County (South Carolina, USA) wurde ein Hund positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Die Meldung erreichte uns am 16.07.2020. Es handelt sich um einen 8-9 Jahre alten Schäferhund-Mischling. Der Halter war zuvor an COVID-19 erkrankt. Der Hund litt bereits an chronischen Krankheiten und wurde aufgrund dieser Erkrankung auch eingeschläfert. Am 04. August 2020 meldete Louisina (USA) den ersten Fall eines infizierten Hundes in diesem US-Bundesstaat. In North Carolina (USA) ist am 11.08.2020 ein Hund an COVID-19 gestorben. Der Halter hatte ihn aufgrund einer respiratorischen Symptomatik noch zum Tierarzt gebracht. Er teilte dort mit, dass der Hund wohl schon vorher positiv getestet wurde, sich aber wieder völlig erholt hatte. Nun fiel der Test erneut positiv aus.

SARS-CoV-2 bei Katzen

Es lagen bereits Anfang April 2020 zwei Fallbeschreibungen von infizierten Katzen vor, eine aus Belgien (mit typischer Symptomatik; gemeldet bereits am 27.03.2020), eine aus Hong-Kong. Die in Belgien infizierte Katze zeigte gastro-intestinale Symptome mit Erbrechen und Durchfall sowie eine erschwerte Atmung. Im Fall der in Hong Kong nachweislich infizierten Katze (mehrere Abstriche, nasal, oral und rektal; untersucht mit PCR) zeigte die Katze keinerlei Symptomatik. Sie wurde dennoch unter Quarantäne gestellt, da der Halter bestätigt an COVID-19 erkrankt war. Zudem wurden die Hygienemaßnahmen nochmal verstärkt. Nachdem beide (also Halter und Katze) negativ getestet wurden, sind sie mittlerweile wieder vereint. Über ProMed-mail erreichte uns am 17.04.2020 die Nachricht, dass zwei Katzen mit entsprechender Symptomatik in verschiedenen Bezirken von New York (USA) positiv auf COVID-19 getestet wurden. In einem Fall hatte der Halter eine bestätigte COVID-19-Erkrankung, im zweiten Fall war die Katze ein Freigänger und es bestanden COVID-19 Infektionen bei Menschen in der Nachbarschaft. Die Symptomatik bei den Katzen war mild (Augenausfluss, Niesen), beide Katzen erholten sich. Am 02. Mai wurde auch in Paris, Frankreich, eine Katze positiv getestet, die von Ihrem Besitzer angesteckt wurde. Sie zeigte lediglich milde respiratorische und gastro-intestinale Symptome. Am 08. Mai wurde bestätigt, dass in Spanien (Katalonien; Barcelona) eine Katze positiv getestet wurde, nachdem ihr Halter ebenfalls ein positives PCR-Ergebnis auf SARS-CoV-2 erhalten hatte. Negrito, so der Name der Hauskatze, starb zwar gem. Autopsie-Bericht aufgrund einer Vorerkrankung, SARS-CoV-2 wurde jedoch ebenfalls nachgewiesen. Ab Mai begannen v.a. in den Niederlanden Studien zur Untersuchung der Rolle von Katzen als Reservoire von SARS-CoV-2. Bereits jetzt ist aus Studienergebnissen bekannt, dass Katzen das Virus an Artgenossen weiterverbreiten können. In einer chinesischen Studie in Wuhan wurden Antikörper bei Katzen im Serum untersucht. Etwa 10% der Seren zeigten sich positiv für SARS-CoV-2 Antikörper in ELISA-Untersuchungen (Enzyme-linked immunosorbent assay). Am 13. Mai wurde auch eine Katze in Deutschland (Bayern) positiv für SARS-CoV-2 getestet. Der Halter, der in einem Altersheim lebte, war zuvor an COVID-19 verstorben. Die Katze zeigte keinerlei Symptomatik. Ebenfalls am 13 Mai wurde aus Frankreich eine Katze als positiv gemeldet, die mutmaßlich von ihrem Halter angesteckt wurde und respiratorische Probleme entwickelte. Dies ist somit der zweite Bericht aus Frankreich, diesmal aus Bordeaux. In Holland wurden Mitte Mai 2020 drei Katzen mit Antikörpern bestätigt, die sich in den Nerzfarmen mit den bestätigten Fällen aufhielten (siehe unten). In einer experimentellen Studie an der Veterinärmedizinischen Institut der Universität von Wisconsin in Madison, veröffentlicht im New England Journal of Medicine, wurde herausgefunden, dass Katzen leicht mit dem Virus infiziert werden können, sie das Virus auch an andere Katzen weitergeben, es jedoch nur über wenige Tage ausscheiden. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Katzen damit ein „stummer“ intermediärer Wirt für SARS-CoV-2 sein können. Ob sie als Überträger an der derzeitigen Pandemie beteiligt sind, ist unklar. Möglicherweise wird dies durch die kurze Dauer der Infektion verhindert. Am 27.05.2020 wurde auch aus Russland eine infizierte Katze gemeldet. Sie wurde unter Quarantäne gestellt. Ebenfalls Ende Mai wurde ein Fall einer (asymptomatischen) positiv getesteten Katze aus Spanien publiziert (siehe Ruiz-Arrondo et al.). Aus den USA (Minnesota) wurde am 03.06.2020 eine Fall gemeldet, bei dem eine Katze von ihrem Halter angesteckt wurde, kurzzeitig Symptome im oberen Respirationstrakt zeigte, aber sich schnell wieder erholte. In Großbritannien wurde am 21.07.2020 ein Katze COVID-19 positiv gemeldet. Es ist der erste Fall, der in Großbritannien bei einem Tier festgestellt wurde. Die Katze wurde von ihrem Halter angesteckt und zeigte leichte respiratorische Symptome. Beide, das Tier wie sein Halter sind bereits wieder wohlauf. Eine zweite Katze im gleichen Haushalt wurde übrigens negativ getestet. Am 24. Juli wurde erneut aus Hong Kong eine positiv getestete Katze gemeldet, deren Halter an COVID 19 erkrankt war. Die Katze zeigte keinerlei Symptomatik. In Texas (USA) wurden am 06.08.2020 zwei Katzen SARS-CoV-2 positiv getestet.

 

SARS-CoV- 2 bei sonstigen Tieren

 Im New Yorker Zoo (Bronx Zoo) ist Anfang April 2020 ein Tiger (Panthera tigris jacksoni) positiv getestet worden, der auch typische COVID-19 Symptome zeigte. "Nadia", so der Name des 4 Jahre alten Tigerweibchens, ist wohl von einem der Tierpfleger angesteckt worden (noch in der präsymptomatischen bzw. asymptomatischen Phase). Es wurde bereits initial angenommen, dass auch weitere Zootiere (Löwen, Tiger) infiziert wurden, da bei ihnen ähnliche Symptome beobachtet wurden. Einer der Löwen (Panthera leo) wurde am 17.04.2020 ebenfalls positiv getestet. Als Symptome wurden trockener Husten und schwergängiges Atmen angegeben. Etwa drei Wochen nach der ersten Meldung eines infizierten Tigers (genau am 22.04.2020) wurden vier weitere Tiger und drei Löwen im gleichen Zoo COVID-19 positiv getestet. Allen Zootieren geht es wieder gut.

In Indien ist Ende April 2020 ein Tiger in einem Reservat (Madhya Pradesh und Maharashtra) gestorben, bei dem SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde. Ob es die Todesursache war, ist nicht geklärt. Die dort arbeitenden Ranger sind unter Quarantäne gestellt worden. Folgemeldungen relativieren, ob der Tiger "an" oder "mit" SARS-CoV-2 gestorben ist.

Am 12 Aug 2020 erreichte uns die Nachricht aus dem Zoo in Johannesburg, Südafrika, dass ein Puma (Puma convolor) positiv getestet wurde, nachdem ein Kontakt mit einem infizierten Menschen bekannt wurde.

SARS-CoV-2 und Nerz-Farmen

In China wurden Anfang 2020 Tiere in Pelzfarmen auf SARS-CoV-2 mittels PCR untersucht. Alle untersuchten Tiere (Nerze, Füchse, Waschbären und Hunde) waren negativ.

Nerze (Neovision vison) von zwei Nerzfarmen in den Niederlanden sind jedoch Ende April 2020 positiv auf Covid-19 getestet worden. Die infizierten Tiere zeigten respiratorische Symptome. Mitarbeiter der beiden Farmen hätten zuvor Symptome der Krankheit gezeigt (gastrointestinale und respiratorische Symptomatik), teilte das niederländische Landwirtschaftsministerium mit. Die Farmen wurden großräumig abgesperrt. Selbst im Staub in der Nähe der Tiere konnten SARS-CoV-2 Viren im Rahmen einer Umgebungsuntersuchung nachgewiesen werden. Aufgrund des Infektionsgeschehens wird angenommen, dass nicht nur eine Mensch zu Nerz - Infektion stattgefunden hatte, sondern anschließend auch eine Weiterverbreitung von Tier zu Tier. Die Tiere können offensichtlich eine Pneumonie entwickeln und daran versterben. Am 07. Mai wurden Tiere von gleich zwei weiteren Nerzfarmen positiv getestet, nachdem Mitarbeiter an COVID-19 erkrankt waren. Auch diese Farmen wurden abgeriegelt und die Hygienemaßnamen verschärft. Die Farmen wurden in einem Radius von 400 Metern gesperrt. Ein Transport von Nerzen aus den betroffenen Farmen wurde untersagt. Zudem wurden verstärkte Tests und Hygienemaßnahmen in benachbarten Kaninchenfarmen eingeführt. Auch in Schweinefarmen wird gescreent. Auch Katzen und andere Tiere in der Nähe der Farmen werden mit untersucht. 24 freilaufende Katzen aus der Umgebung von zwei betroffenen Farmen wurden auf SARS-CoV-2 untersucht (Serum und oropharyngeale Proben). 7 Katzen hatten Antikörper (Nachweis mittels Neutralisationstest), eine Katze wurde auch in der PCR positiv getestet (wobei eine niedrige Viruslast festgestellt wurde; Stand 01.07.2020: siehe https://www.eurosurveillance.org/content/10.2807/1560-7917.ES.2020.25.23.2001005#html_fulltext). Zusätzlich wurden und werden Staubproben in der Umgebung auf das Vorhandensein von SARS-CoV-2 Virionen untersucht. Nerze besitzen in ihren Lungen ebenfalls die ACE-2 Rezeptoren, an die das Virus bindet. Dies ist sicherlich einer der Gründe, warum gerade Nerze (bzw. Vertreter der Familie der Marder: Mustelidae) offensichtlich sensitiv für SARS-CoV-2 sind. Bei drei Katzen auf der Nerzfarm, in der der erste Nachweis erfolgt war, wurden Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Ein aktives Virus konnte nicht mehr detektiert werden. Man geht davon aus, dass die Katzen von den Nerzen angesteckt wurden. Am 19.05.2020 meldete das holländische Gesundheitsministerium, dass davon auszugehen ist, dass einer der Arbeiter auf dieser Nerz-Farm sich bei den Tieren auch angesteckt hat (siehe: Zoonose; https://www.government.nl/latest/news/2020/05/19/new-results-from-research-into-covid-19-on-mink-farms). Er ist wieder genesen. COVID-19 wurde in Holland daraufhin am gleichen Tag offiziell als infektiöse Tierkrankheit deklariert. Am 26.05.2020 wurde ein weiterer Fall eines Farmarbeiters gemeldet, der sich mutmaßlich bei den infizierten Nerzen angesteckt hat. Ebenso wurde mittlerweile festgestellt, dass Nerze (wie Menschen und andere Tiere) die Infektion symptomfrei überstehen können. Am 02.06.2020 wurden aus drei weitern holländischen Nerzfarmen positive Fälle bei den Tieren gemeldet. Am 05.06.2020 waren es schon 7 Betriebe an 9 Orten in Holland mit infizierten Tieren. Nun wurde die Entscheidung getroffen die Tiere auf diesen Farmen zu keulen. Das Virus kann wohl länger in diesen Farmen (bzw. in den Tieren dort) persistieren und zirkulieren und stellt daher ein Public-Health-Risiko dar. Seit Mitte April 2020 wurden (Stand 24.06.2020) nunmehr in 17 Nerzfarmen COVID-19 Fälle bei den Tieren festgestellt (siehe auch: https://www.wur.nl/nl/nieuws-wur/Show/COVID-19-geconstateerd-op-twee-nertsenbedrijven.htm). Die Symptome variierten von Schnupfen-ähnlich bis zu schweren respiratorischen Symptomen. Initial wurden die Viren vom Menschen auf die Tiere übertragen. Sobald ein Fall bei den Nerzen bestätigt war, wurden alle Tiere gekeult, mit Stand Mitte Juni 2020 bereits mehr als 500.000. Transportverbote und Besuchsverbote folgten für alle Farmen. Die holländische Regierung hat nunmehr das Ende für Nerzfarmen in den Niederlanden bereits zum Ende 2020 beschlossen (nicht, wie bereits festgelegt 2024). Da auch 2 Fälle bestätigt wurden, bei denen SARS-CoV-2 von den Nerzen auf Menschen übertragen wurde, stellten diese eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit (Public Health) dar. Diese beiden Fälle stellen damit die einzigen bestätigten Transmissionen von Tieren auf Menschen dar, ausgeschlossen natürlich die Übertragung auf den ersten Infizierten (Indexpatient; Patient Zero). Anfang Juli 2020 wurde die 18. Nerzfarm in Niederlanden (genauer in Landhorst) mit positiven SARS-CoV-2 getesteten Tieren gemeldet. Diese Farm umfasst 4300 Tiere. Am 15. Juli 2020 wurde von einer weiteren niederländischen Nerz-Farm (in Nordbrabant) mit SARS-CoV-2 positiven Tieren berichtet. Auf der Farm befinden sich 4500 Tiere. Somit ist Mitte Juli die Zahl der betroffenen Mink-Farmen auf 24 geklettert. Auf den anderen Farmen wurden alle Tiere gekeult, die 24. Farm wurde nun erst mal geschlossen. In den etwa zwei Dutzend Farmen in den Niederlanden wurden bis Mitte Juli 2020 etwa 2 Millionen Tiere gekeult. An dem Vorhaben, die 127 Nerz-Farmen (mit 2,32 Millionen Tieren) schon vor dem designierten Termin in 2024 zu schließen, wird seitens der niederländischen Regierung festgehalten. Bislang werden diese vorgezogenen Schließungen jedoch auf freiwilliger Basis erfolgen. Am 17. Juli 2020 wurde die 25. Nerz-Farm in den Niederlanden mit positiven Ergebnisse bei den Tieren gemeldet. Die Farm befindet sich in Westerbeek, wieder in der Region Nordbrabant. Alle 1100 Tiere, die sich derzeit auf der Farm befinden, werden gekeult. Bei den Tieren aus 8 dieser 25 Farmen wurde eine Symptomatik erkannt. In 17 Farmen jedoch wurde an den positiv getesteten Tieren keinerlei Symptome von den Verantwortlichen wahrgenommen bzw. gemeldet. Am 27.07.2020 wurde von einer weiteren betroffenen Nerz-Farm berichtet. Die 26. Niederländische Farm befindet sich in Oploo. Die Gemeinde in Sint Antonis (in Nord Brabant) wird als Nerz-Hauptstadt bezeichnet. Bislang fanden sich die betroffenen Farmen in Ledeacker, Landhorst und Westerbeek. Die 27. betroffene niederländische Nerz-Farm wurde am 30. Juli 2020 bestätigt. Die Farm mit 12500 Tieren befindet sich in Boxmeer. Das Schicksal aller Tiere ist auch hier bereits gem. Angaben der offiziellen Stellen besiegelt.

Fazit (Stand 02.08.2020): Vor den zahlreichen SARS-CoV-2 Fällen gab es 127 Nerz-Farmen in den Niederlanden (andere Quellen sprechen von 120). Die Größe reichte von 500 bis zu 120.000 Tieren pro Farm. 2,32 Millionen Tiere lebten auf diesen Farmen. Das bedeutet, dass (mit Stand Anfang August 2020 in etwa 21% der Farmen infizierte Tiere gefunden wurden. Die meisten infizierten Nerze zeigten keinerlei Symptome. 

Am 31.08.2020 erreichte uns die Meldung, dass 100 Nerz-Farmen in den Niederlanden bis März 2021 geschlossen werden (beabsichtigt war die Schließung für 2024; siehe oben). Die Regierung stellt 180 Millionen Euro für die Farmen bereit.

Am 17. August 2020 wurden Fälle von infizierten Nerzen von nunmehr 33 verschiedenen Nerz-Farmen gemeldet. (Nordbrabant und Limburg). Die beiden neuen Farmen mit positiv getesteten Tieren finden sich in De Mortel (Nordbrabant) und Ottersum (Limburg). Bislang (Stand 18.08.2020) wurden in den Niederlanden etwa 1,5 Millionen Nerze aufgrund der Infektionen mit SARS-CoV-2 gekeult, was etwa 30% der Tiere entspricht, die in den 128 Nerz-Farmen des Landes gehalten werden. In den Niederlanden werden im Zuge der Infektionen auf den Nerz-Farmen auch streunende Katzen, Ratten und Vögel getestet. Die möglicherweise zu einer Verbreitung des Virus beitragen könnten. Außer zwei infizierten Katzen zu Beginn der Surveillance wurden bislang jedoch keine anderen infizierten Tiere im Umfeld der Nerz-Farmen gefunden (Stand 18.08.2020). In der Zusammenschau wurden (mit Stand 18.08.2020) auf 33 Nerz-Farmen in den Niederlanden positive Befunde bei Nerzen erhoben: dabei waren 33 Farmen in Nordbrabant und Limburg betroffen (11 in Gemert-Bakel, 9 in Sint Anthonis, 4 in Venray, 2 in Laarbeek, 1 in Deurne, 1 in Uden, 1 in Nederweert, 1 in Boxmeer, 2 in Gennep und 1 in West Maas und Waal). Ende August war die Zahl der gemeldeten Farmen in den Niederlanden mit infizierten Tieren bei 40 (38% der niederländischen Nerz- Farmen). Am 26.08.2020 wurde schließlich Farm Nummer 41 mit SARS-CoV-2 positiven Tieren aus den Niederlanden gemeldet. Die 42. betroffene Nerz-Farm mit 400 Muttertieren befindet sich in Ottersum (Gennep). Die in dieser Farm positiv getesteten Tiere zeigten auch eine entsprechende Symptomatik. Am 02. September 2020 wurde nunmehr die 44. Nerzfarm von den niederländischen Behörden SARS-CoV-2 positiv gemeldet (in Gemert-Bakel, Nordbrabant). Die dort gehaltenen 5000 Tiere werden ebenfalls gekeult. Am 07. September 2020 wurden Fälle auf Nerz-Farmen in Deurne und Wilbertoord (Mill bzw. Sint Hubert) gemeldet. Auf beiden Farmen finden sich etwa 3000 adulte Tiere. Das bringt die Zahl der betroffenen Nerz-Farmen in den Niederlanden auf 50. Am 14.September 2020 fand sich auf der offiziellen niederländischen website die Bestätigung, dass die Zahl der betroffenen Nerz-Farmen auf 52 gestiegen ist. Diesmal ist eine Farm in Wilbertoord (Mill en Sint Hubert, Nordbrabant) mit etwa 1250 Muttertieren betroffen. Eine weitere Infektion bei diesen Tieren wurde aus Overloon (Boxmeer, Nordbrabant) bestätigt. Dort finden sich etwa 7500 Muttertiere.

Am 31.08.2020 erreichte uns die Meldung, dass 100 Nerz-Farmen in den Niederlanden bis März 2021 geschlossen werden (beabsichtigt war die Schließung für 2024; siehe oben). Die Regierung stellt 180 Millionen Euro für die Farmen bereit. 

Fazit (15.09.2020): Die Behörden in den Niederlanden schaffen es seit Monaten nicht, die Ausbreitung von Farm zu Farm zu stoppen, die Verbreitungsmechanismen bleiben unaufgeklärt.

 

Auch in Dänemark kam es Mitte Juni 2020 zu einem COVID19 Ausbruch bei Nerzen in einer Nerzfarm. In der Folge wurde die Farm unter Quarantäne gestellt und die 11.000 Tiere getötet. Es wird angenommen, dass die Infektion der Tiere auch in diesem Fall durch Mitarbeiter des Betriebes erfolgte. Ähnlich wie in den Niederlanden hat die dänische Regierung Screening-Maßnahmen angewiesen, um im „One Health“ – Ansatz zu (re-) agieren. Bislang wurden weitere Nerze in zwei dänischen Farmen positiv getestet (Nord-Jütland). Derzeit (Stand 25.06.2020) werden Untersuchungen in 120 Nerzfarmen durchgeführt. Die getroffenen Schutzmaßnahmen (Zugang, Handel etc.) entsprechen denen, die auch in den Niederlanden getroffen wurden. Anfang Juli 2020 waren dann bereits drei Nerzfarmen in Dänemark betroffen. Etwa die Hälfte der Nerze in der dritten Farm (die etwa 5000 Tiere umfasst) war SARS-CoV-2 positiv. Die Regierung hat die Entscheidung getroffen, dass alle Tiere gekeult werden müssen. Zudem wurden am 30.06.2020 von den dänischen Gesundheitsbehörden Präventivmaßnahmen im Zusammenhang mit den Nerzfarmen angeordnet. Am 14. August 2020 traten auf der 4. dänischen Nerz-Farm (in Hjorring, Region Nordjylland) positive COVID-19 Fälle bei den Tieren auf. Die Testungen sind im Rahmen eines Screenings eines Teils der Nerz-Farmen in Dänemark erfolgt. Am 11. September 2020 wurde in Dänemark die 6. Farm gemeldet, in der positiv getestete Nerze gefunden wurden.

In Spanien wurden im Juli 2020 knapp 93 000 Nerze gekeult, nachdem auch hier die Tiere auf einer Nerz-Farm positiv getestet wurden. Die Farm befindet sich in Aragon (La Puebla de Valverde) in Galizien. Die Frau eines der Farmarbeiter wurde im Mai 2020 positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Daraufhin folgten weitere Untersuchungen, die auch zur Nerz-Farm führten. Mittlerweile waren nämlich 7 Farmarbeiter positiv getestet worden. Initial wurden die Tiere auf der Farm isoliert. Dann folgten Untersuchungen der Tiere; als etwa 80% der Tests (Stichprobe von 90 Tieren) positiv ausfielen, wurde die Entscheidung getroffen, alle Tiere zu keulen. Die Tiere zeigten durchweg keinerlei Symptomatik.

Aus den USA wurde am 17.08.2020 der erste bestätigte COVID-19 Fall bei Tieren in zwei Nerz-Farmen in Utah gemeldet. Auslöser war eine unüblich große Zahl an Todesfällen bei den Tieren. In den daraufhin eingeleiteten Untersuchungen konnte SARS-CoV-2 bei 5 Tieren nachgewiesen werden. Die Farmen wurden unverzüglich unter Quarantäne gestellt. Mitarbeiter in diesen Farmen waren bereits positiv getestet worden.

Nerzfarmen befinden sich neben den USA, den Niederlanden, Spanien und Dänemark vor allem auch in China, Polen, Finnland und Griechenland. Von hier liegen jedoch derzeit keine Informationen über Fälle, Surveillance-Ergebnisse etc. vor.

Die Zahlen in den Nerz-Farmen in den Niederlanden, in Dänemark, den USA und Spanien belegen, dass insbesondere Nerze sehr suszeptibel für SARS-CoV-2 sind. Auch als „missing link“ für die SARS-CoV-2 Viren (bzw. deren Verwandte) zwischen den Fledertieren und dem Menschen werden sie bereits gehandelt.

Studien zur Übertragung auf/von Tieren  -  Surveillance

In experimentellen Studien wurde Anfang 2020 eine leichte Übertragung (Tröpfcheninfektion) insbesondere auf Frettchen (Mustela putorius) und Katzen gefunden. Es konnte gezeigt werden, dass die SARS-CoV-2 Virenstämme, die getestet wurden, gerade bei jungen Katzen replizieren können und leicht übertragbar sind. Eine weitere Studie (diesmal aus den USA), die Ende Mai 2020 publiziert wurde, ergab, dass insbesondere Katzen suszeptibel für SARS-CoV-2 sind, jedoch ganz selten Symptome zeigen (Bosco-Lauth et al. 2020). Zudem zeigen sich protektive Antikörper. Hunde scheinen ebenfalls Antikörper aufzubauen, eine Virusausscheidung nach Infektion wurde in dieser Studie jedoch nicht nachgewiesen.

In chinesischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass das Virus sich in Hunden, Schweinen, Hühnervögeln und Enten kaum repliziert, wogegen sich Katzen, Frettchen und Goldhamster sehr suszeptibel zeigten. Frettchen (Mustela putorius), Goldhamster und Katzen können SARS-CoV-2 auch an nicht infizierte Tiere (der gleichen Art) weitergeben. 

Weitere Studien in Deutschland (Friedrich-Loeffler-Institut) ergaben, dass Schweine und Hühnervögel nicht suszeptibel für eine intranasale Infektion sind. Die intranasale Inokulation von SARS-CoV-2 bei Fledertieren der Art Rousettus aegyptiacus (Nilflughund, Familie Pteropodidae, "Megabats") führte zu einer Infektion. Die so infizierten Flughunde konnten auch andere Flughunde infizieren. Hier ist jedoch anzumerken, dass die experimentell infizierten Flughunde (Rousettus aegyptiacus) phylogenetisch recht weit entfernt zu den Fledertier-Reservoiren der SARS-ähnlichen Viren (Rhinolophus spp.; Familie Rhinolophidae) gestellt werden. Die in Deutschland endemischen Fledertierarten scheinen nach derzeitigem Kenntnisstand keine Rolle bei der aktuellen Pandemie zu spielen. In der gleichen Studie konnte bei Frettchen eine hohe Virusreplikation beobachtet werden.

In einer chinesischen Studie aus dem Juni 2020 wurden verschiedene Tiere auf die "Lungen-Zielzellen" für SARS-CoV-2 untersucht (siehe Chen et al. 2020). Hierbei handelt es sich um die ACE-2 Rezeptoren und die TMPRSS2 Zielzellen. Insbesondere in Katzen finden sich diese gehäuft und in verschiedenen Organsystemen. Vor allem junge Katzen scheinen daher recht suszeptibel zu sein. Zudem ist die Übertragung von Katze zu Katze beschrieben. Im Pangolin (Schuppentier) fanden sich die Zielzellen ebenfalls (siehe "Die Rolle des Pangolin"), jedoch in geringerer Ausprägung im Vergleich zu Katzen. Auch in Hunden ließen sich die Zielzellen nachweisen, auch hier in geringerem Ausmaß. Ähnliches gilt für Geflügel. Auch in Schweinen wurden sie detektiert, weswegen die Autoren auch gerade bei Schweinen eine Überwachung (Surveillance) anraten, um ihre mögliche Beteiligung als Zwischenwirte zu eruieren.

In Studien konnte bereits belegt werden, dass SARS-CoV-2 sich in Katzen replizieren kann und an andere Katzen weitergegeben werden kann (siehe: Halfmann P, Hatta M, Chiba S, et al.: Transmission of SARS-CoV-2 in domestic cats. N Engl J Med.; https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2013400 sowie Shi J, Wen Z, Zhong G, et al. Susceptibility of ferrets, cats, dogs, and other domesticated animals to SARS-coronavirus 2. Science. 2020; https://science.sciencemag.org/content/368/6494/1016/tab-pdf)

Im August 2020 ist eine weitere Studie mit Katzen als Versuchstieren publiziert worden, die weitergehende Untersuchungen dazu präsentiert (Intranasale und orale Infektionen). SARS-CoV-2 konnte mittels Nasen- und Rektalabstrichen nachgewiesen werden. Auch in dieser Studie zeigte sich erneut, dass die Katzen asymptomatisch blieben (siehe: Gaudreault N, Trujillo J, Carossino M, et al.: SARS-CoV-2 infection, disease and transmission in domestic cats.; https://doi.org/10.1101/2020.08.04.235002).

Die Autoren einer kürzlich (August 2020) veröffentlichten Studie vom März 2020 kommen zu dem Schluss, dass Frettchen nicht suszeptibel für SARS-CoV-2 sind. Selbst bei direkter Exposition schienen sich die 29 eingesetzten Versuchstiere nicht zu infizieren. Ergebnisse aus anderen experimentellen Studien ergaben anderslautende Ergebnisse, insbesondere für Frettchen als Versuchstiere. Möglicherweise liegt die Erklärung darin, dass es einen signifikanten Unterschied zwischen experimentellen Studien und natürlichen Infektionen (bzw. auch Expositionsstudien) gibt. Hier besteht noch Forschungsbedarf…

In den Niederlanden werden Surveillance-Studien bei Katzen und Mardern (wilden Nerz-Verwandten) durchgeführt. Derartige Studien sind auch wichtig, da bekannt ist, dass das Virus auch in den Tieren vorkommen kann und möglicherweise eine Variante entstehen kann, die dann in der Folge wieder auf den Menschen (oder Haus-, Nutz- sowie Wildtiere) übertragen werden kann.

In den USA wurden Ende Juni 2020 Studien initiiert, um bei Katzen, Hunden, Frettchen und Hamstern, die in Haushalten von COVID-19 Patienten leben, die Risikofaktoren der Transmission zu eruieren. Studien in Kanada inkludieren Fledertiere, SchweinePferdeHunde und Katzen.

In einer weiteren Studie wurde (erneut) festgestellt, dass infizierte Katzen andere Katzen infizieren können. Die Tiere zeigten jedoch keinerlei Symptomatik, obwohl die ausgeschiedene Virusmenge der beim Menschen entsprach. Theoretisch ist also auch eine Übertragung von der Katze auf den Menschen möglich. Diese Übertragungswege habe jedoch wohl lediglich eine Relevanz für Tierheime, die viele Katzen beherbergen.

Ein Team der Universität Glasgow hat Ende Juli damit begonnen, Katzen zu screenen.

Ab 03.07.2020 sind positive Corona-Tests bei Haustieren bei den Behörden in Deutschland meldepflichtig. Damit soll die Forschung Erkenntnisse über Vorkommen, Übertragung und Ausbreitung des Virus erlangen. Eine Pflicht, das Tier testen zu lassen, besteht allerdings nicht. Ein Screening soll es nicht geben.

Ende August 2020 wurde publiziert, dass auch Kaninchen experimentell mit SARS-CoV-2 infiziert werden können und zwar suszeptibel sind. Die Versuchstiere (hier: Weiße Neuseeländer) zeigten jedoch keinerlei Symptomatik. Die Virusverbreitung ist jedoch deutlich geringer einzuschätzen als etwa bei Nerzen oder Hamstern.

In einer Studie der Universität von Utrecht wurden Hunde und Katzen auf Antikörper untersucht, um die Rolle von Tieren bei der Übertragung besser einschätzen zu können. 1000 Blutproben wurden untersucht (500 von Katzen, 500 von Hunden). In einer Blutprobe eines Hundes (0,2%) und in zwei Blutproben von Katzen (0,4%) wurden Antikörper nachgewiesen. Auch serologische Tests bei Kaninchen ergaben keinen Nachweis von Antikörpern.

In einer großangelegten Studie (mittels Vollgenomsequenzierung) aus den Niederlanden wurden die Ausbrüche in 16 der betroffenen Nerz-Farmen untersucht (siehe: https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.09.01.277152v1.full.pdf). Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass SARS-CoV-2 initial von dort arbeitenden oder die Farmen besuchenden Menschen eingeführt wurde. Möglicherweise haben auch streunende Katzen eine Rolle gespielt. Dann hat es sich innerhalb der Nerzpopulation ausgebreitet. Es folgte die Ausbreitung zwischen den Nerz-Farmen mit drei großen Übertragungs-Clustern, und das trotz Surveillance und Präventivmaßnahmen. Während dieses Ausbruchsgeschehens wurde auch der erste Fall einer Übertragung vom Tier (Nerz) auf den Menschen (Farmarbeiter) in zwei der niederländischen Nerzfarmen bestätigt. Im Rahmen der Sequenzierungen wurde eine hohe Diversität im Vergleich der verschiedenen Farmen festgestellt. Basierend auf den gewonnenen Daten sprechen die Wissenschaftler von etwa einer Mutation alle 2 Wochen. Auffällig war, dass im Rahmen der Ausbruchsuntersuchung eine hohe genetische Diversität der Viren in der jeweiligen Nerzfarm festgestellt werden konnte – und das bei Farmen, bei denen die Tiere nur eine Woche vorher noch negativ getestet wurden. Das Virus scheint sich daher in den Nerzen entweder sehr gut zu replizieren oder es ist zu Mutationen gekommen, die es virulenter machen. Mutationen, die auf ein solches generelles Ereignis hindeuten, sind jedoch nicht gefunden worden. Spezifische Mutationen im Spike-Protein (D614G), die in vitro mit einer Virulenzsteigerung assoziiert waren, wurden zwar bei den Nerzen gefunden, Auswirkungen auf die Population (Mortalitätsrate; Ausbreitungsgeschwindigkeit o.ä.) konnten jedoch nicht gefunden werden.

 

Derzeitiges Fazit: Die Experten gehen davon aus, dass also tatsächlich SARS-CoV-2 vom infizierten Menschen auf Tiere übertragen werden kann. Bislang wurden SARS-CoV-2 Infektionen vor allem in Karnivoren aus drei Familien nachgewiesen: Canidae (Hunde), Felidae (Katzen) und Mustelidae (Marder, Frettchen, Nerze). Die Surveillance von deutlich mehr Tierarten bezüglich ihrer Suszeptibilität für SARS-CoV-2 ist nötig. Bislang wurden zu wenige Studien bzw. Test durchgeführt, um ein tierisches Reservoir gänzlich auszuschließen. Dies umfasst auch Haustiere, Nutztiere und Wildtiere. Bei einem größeren Ausbruch bei Tieren wäre nicht nur die Tiergesundheit, sondern auch die öffentliche Gesundheit in Gefahr.

Es wird derzeit nicht angenommen, dass Hunde oder Katzen eine Rolle im Rahmen der Ausbreitung des Erregers (etwa als Reservoire) beim Infektionsgeschehen des Menschen spielen. Die Übertragung von SARS-CoV-2 erfolgt von Mensch zu Mensch via Tröpfcheninfektion und Aerosole.

 

Empfehlungen für Tierhalterinnen und Tierhalter

Dennoch wird empfohlen, dass infizierte Besitzer von Haustieren den allzu engen Kontakt mit ihren Haustieren (und anderen Tieren) vermeiden. Ist ein Haustierbesitzer an COVID-19 erkrankt, sollte die Pflege des Haustiers von einer anderen Person im Haushalt wahrgenommen werden. Ist das nicht möglich, sind die gleichen Vorsichtsmaßnahmen, wie sie bereits für den Mensch zu Mensch Kontakt vorgegeben sind, einzuhalten: Möglichst im Haus bleiben, Schutzmasken verwenden, persönliche Hygienemaßnahmen. Obwohl derzeit noch wenige (experimentelle) „Tier zu Tier“ Übertragungen bestätigt sind, ist ein nachweislich an COVID-19 erkranktes Haustier von anderen Haustieren fernzuhalten. Ähnliches gilt für den Kontakt von infizierten Haustieren und Nutztieren. Die Rolle von Haustieren als Reservoire von Infektionserregern, die auch Nutztieren gefährlich werden können, ist vor allem bei Hunden bekannt. Daher wird es wichtig sein, zu monitoren, ob infizierte Haustiere als (permanente) Reservoire von SARS-CoV-2 für Nutztiere oder Menschen dienen können (McNamara et al. 2020). 

Entsprechende Hygienemaßnahmen (Händewaschen!) sind auch beim sonstigen Umgang mit oder der Pflege von Tieren nötig.

Die Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta (CDC) empfehlen, 

  • dass der Kontakt von Haustieren und Menschen außerhalb des Haushalts minimiert werden sollte
  • dass Katzen zur Kontaktvermeidung mit anderen Menschen oder Tieren im Haus bleiben sollen (wenn möglich)
  • dass Hunde strikt an der Leine zu führen sind, um Abstand zu anderen Menschen und Tieren zu gewährleisten
  • dass Hundewiesen oder Parks zu meiden sind, wo viele Hunde und Menschen zusammenkommen

 

Siehe auch:

https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/daily-life-coping/animals.html.

sowie 

https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/animals/interim-guidance-managing-people-in-home-care-and-isolation-who-have-pets.html

sowie

https://www.oie.int/en/scientific-expertise/specific-information-and-recommendations/questions-and-answers-on-2019novel-coronavirus/events-in-animals/

Informationen aus/für Deutschland:

https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00029177/Empfehlung-Umgang-mit-empfaenglichen-Haustieren_23-04-2020.pdf

Für den Umgang mit Wildtieren:

http://www.iucn-whsg.org/COVID-19GuidelinesForWildlifeResearchers

 

McNamara-et-al

Shi-et-al

Halfmann-et-al

Ruiz-Arrondo et al. 

Bosco-Lauth-et-al