Forschungsschwerpunkt E-Democracy zu Social Bots und Echo Chambers auf dem Demokratietag Rheinland-Pfalz

Social Bots versuchen, uns in unserer Meinungsbildung im Internet zu beeinflussen. Aber auch wir selbst stehen uns bei einer objektiven Informationssammlung manchmal im Weg. Darüber, wie diese Prozesse ablaufen und was wir dagegen tun können, diskutierten der Landtagspräsident Hendrik Hering, Prof. Maria Wimmer und JProf. Tobias Rothmund aus dem Forschungsschwerpunkt E-Democracy am 6. November gemeinsam mit dem Publikum des Demokratietags Rheinland-Pfalz.

Landtagspräsident Hering betonte auf dem 12. Demokratietag Rheinland-Pfalz im Podiumsinterview mit dem Moderator Ulrich Wechselberger, dass Meinungsbeeinflussung durch Falschmeldungen und Social Bots keine Bagatellen sind, sondern zu einer echten Gefahr für die Demokratie werden können. Auf Dauer seien sie in der Lage, die politischen Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger zu manipulieren und so das gesellschaftliche Miteinander zu gefährden. Von Zensur und Regulierung hält Hering nichts - vielmehr sei es Aufgabe der Gesellschaft und Politik, die Medienkompetenz der Menschen zu fördern, damit diese Falschmeldungen und Social Bots selbst entlarven können. 

Professorin Maria Wimmer zeigte in Ihrem Impulsvortrag, dass Social Bots kein Randphänomen und bereits für 28% des Internet-Datenverkehrs verantwortlich sind. Die Computerprogramme sind zu typisch menschlichen Tageszeiten aktiv und simulieren menschliche Reaktionszeiten. "Damit verbergen sie ihren automatisierten Charakter und täuschen eine menschliche Präsenz im Web vor, die es in dieser Form gar nicht gibt", erklärte die Verwaltungsinformatikerin. Über künstliche Intelligenz sowie Text- und Data-Mining-Verfahren sind Social Bots in der Lage, psychologische Profile von Internetnutzern anzufertigen und ihnen jene Falschmeldungen unterzuschieben, für die sie besonders anfällig sind. 

Tobias Rothmund, Juniorprofessor für politische Psychologie, griff diese Anfälligkeit auf. "Menschen wollen manche Informationen eher glauben als andere, vor allem dann, wenn sie starke Vorannahmen haben", erklärte er. "Davor ist keiner von uns gefeit." Problematisch wird es, wenn Falschmeldungen im Einklang mit persönlichen Ziele, Werten, Wünschen oder Ängsten stehen, denn dann werden sie gar nicht mehr hinterfragt. Auch finden sich Menschen mit ähnlichen Haltungen, Zielen oder Ängsten online oft zu Interessensgruppen zusammen und bestätigen sich dann in so genannten Echo Chambers gegenseitig. 

In Kleingruppen diskutierten Hering, Wimmer und Rothmund mit dem Publikum, wie man mit diesen Problemen umgehen kann. Was kann die soll die Politik hierbei leisten? Welche technischen Schutzmaßnahmen können Internetnutzer treffen? Und wie können Menschen offen für andere Standpunkte bleiben? Die Ergebnisse dieser Diskussionen wurden gesammelt und einander vorgestellt.  

Die Ergebnisse dieser Diskussion fließen in die Arbeiten im universitären Forschungsschwerpunkt E-Democracy zurück. Gemeinsam mit Prof. Steffen Staab (Web Science) und Prof. Jürgen Maier (Politikwissenschaft) untersuchen Prof. Wimmer und JProf. Rothmund dort, wie man mit Big Data und Digitalisierung die Demokratie von morgen gestalten kann und entwickeln ein interdisziplinäres Verständnis der Wirkmechanismen unserer Demokratie in Zeiten der Digitalisierung. 


Datum der Meldung 06.11.2017 00:00
zuletzt verändert: 30.11.2017 12:23

Kontakt