Strukturwandel des Privaten

Beteiligte Personen

Dauer

3 Jahre, voraussichtliches Ende März 2021

Kurzbeschreibung

Der öffentliche Diskurs um Privatheit stellt sich gegenwärtig über weite Strecken als ein „Gefährdungsdiskurs“ dar: Staatliche und wirtschaftliche Akteure, aber auch Einzelpersonen, so die Diagnose, sammeln auf immer exzessivere Weise private Lebensdaten, und Personen geben diese Informationen immer offener Preis. Das Private gilt im Wesentlichen als bedrohte Sphäre, die es gegen allerlei zerstörerische Angriffe zu verteidigen gilt. Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in der Informationstechnologie wächst die Aufgabe, dem erhöhten Schutzbedarf Rechnung zu tragen. Momentan mangelt es jedoch an einer adäquaten theoretischen Grundlegung, die als Leitlinie für politisches Handeln, pädagogische Initiativen und juristische Entscheidungen dienen könnte.

Grenzen und Wert des Privaten sind historisch und kulturell bedingt und durch technische Entwicklungen beeinflusst. Gegenwärtig ist offen, wie sich Struktur und Verständnis des Privaten im digitalen Zeitalter wandeln. In Frage steht, was private und öffentliche Kommunikationsräume in diesem Zusammenhang unterscheidet, und ob die Nutzer diese Grenzen zunehmend selbst bestimmen können. Die Informationsgesellschaft scheint durch widersprüchliche Ansprüche gekennzeichnet: Auf der einen Seite steht ein gesteigertes Bedürfnis nach Transparenz und freiem Fluss von Informationen. Auf der anderen Seite steht die Sorge um unkontrollierte Weitergabe, der Wunsch Persönliches zu verbergen und eine neuartige Garantie von Privatheit einzufordern.

Ziel des Projekts ist es, vier zentrale Disziplinen, die mit der Reflexion um Bedeutung, Wert und Grenzen des Privaten befasst sind – die Politikwissenschaft, die Rechtswissenschaft, die Informatik und die Kommunikationswissenschaft – zusammenzuführen, gemeinsame Fragestellungen zu identifizieren, aus den fachspezifischen Diskursen Hypothesen zu bilden und zu untersuchen.

Die an dem Projekt beteiligten Einzelwissenschaften sind durch drei Kooperationsfelder miteinander verzahnt:

  • Kooperationsfeld I: Privatheit und Freiheit,
  • Kooperationsfeld II: Privatheit und Demokratie,
  • Kooperationsfeld III: Privatheit und Informationsgesellschaft.

Jedes dieser Kooperationsfelder beinhaltet einen rekonstruktiven, konstruktiven und handlungspraktischen Anteil.

Aus informatischer Sicht ergeben sich somit die folgenden drei Aufgabenstellungen:

  • Rekonstruktion: Untersuchung des Aufkommens von Daten in bestehenden Anwendungen des Netzes, Beschreibung bestehender „Privatsphären“, ihrer funktionalen Unterstützung bzw. Lücken in Partizipationsportalen, sozialen Netzwerken und C2C-E-Commerce.

  • Konstruktion: Ableitung der unausgeschöpften Potentiale und Bedrohungen zur funktionalen Nutzung mit Bezug zur Privatheit, Vorschläge zum Schutz der Integrität von Kommunikationsräumen, Definieren und Implementieren von „Privatsphären“. Identifikation von Selbstbeobachtungstools auf der Grundlage des Privacy Tunings (Erkenntnisse aus vorherigem Arbeitspaket).

  • Handlungsorientierung: Erprobung und Auswertung verschiedene Sicherheitsmaßnahmen, Reflexion technologischer Grenzen, Konturierung von Aufklärungs- und Bildungsaufgaben, handlungspraktische Vorschläge zum Umgang mit persönlichen Daten in der Informationsgesellschaft.

 

Geldgeber

Volkswagen-Stiftung

Partner

Prof. Dr. Sandra Seubert (Universität Frankfurt am Main, Politikwissenschaften)
Prof. Dr. Christoph Gusy (Universität Bielefeld, Rechtswissenschaften)
Prof. Dr. Sabine Trepte (Universität Hohenheim, Kommunikationswissenschaften)