Fallzahl Standort Koblenz: 1 (Warnstufe Gelb bis 02.12.2020) Maßnahmenkonzept

Würdigung des Dekans

zur Verleihung der Ehrendoktorwürde
der Universität Koblenz-Landau am 31. Oktober 2003 an
Herrn Prof. Dr. Volker Claus

Prof. Dr. Volker Claus

Verleihung der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs 4: Informatik an Prof. Dr. Volker Claus

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Faches Informatik an der Universität Koblenz-Landau verleiht der Fachbereich 4: Informatik Herrn Prof. Dr. Volker Claus von der Universität Stuttgart den Grad eines Doktors der Naturwissenschaften ehrenhalber ( �Doctor rerum naturalium honoris causa�) aufgrund seiner wissenschaftlicher Leistungen und seines prägenden Einflusses auf das Fach Informatik. Die Ehrung erfolgt durch einstimmigen Beschlusses des Fachbereichsrats. Vorab wurde dem Senat der Universität Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Der Senat hat die Ehrung begrüßt.

Volker Claus hat in der deutschen Informatik als ein Vertreter der damals jüngeren Generation der Informatik-Hochschullehrer das Selbstverständnis und die Strukturierung des Faches in Deutschland prägend mitgestaltet. Den Prozess der Entwicklung der Informatik als eigenes Fach aus der Mathematik heraus aufgrund der Anforderungen der Informations- und Kommunikationstechnologie wurde erheblich durch ihn beeinflusst. Dieses Bild des Faches Informatik, wie wir es heute hier in Deutschland haben, hat in Volker Claus einen seiner profiliertesten Vertreter.

Volker Claus wurde im Jahre 1944 in der Nähe von Berlin geboren. Nach dem Abitur 1963 in Oldenburg i.O. studierte er an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Nach einem Studienbeginn in Mathematik, Chemie und Physik schloss er dort 1967 mit dem Diplom in Mathematik ab. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Günter Hotz promovierte er 1970 zum Dr. rer. nat. mit einer Dissertation zum Thema "Ebene Realisierung von Schaltkreisen". 1972 (mit nur 28 Jahren) wurde er während seines laufenden Habilitationsverfahrens bereits zum ordentlichen Professor an die Universität Dortmund berufen. Als Hochschullehrer ist Volker Claus eine Persönlichkeit, die den Aufbau von Organisations-strukturen für Forschung, Lehre und Verwaltung beherrscht. Seine Tätigkeit als Hochschullehrer ist geprägt von Aufbauarbeit, Gestaltung und Schaffen von beständigen operativen Strukturen. Er bekleidete Professuren an insgesamt drei Universitäten. Sowohl in Dortmund (1972-1985) als auch in Oldenburg (1985-1992) war er Gründungsdekan der Informatik-Fakultäten. Seit 1992 ist er Professor an der Universität Stuttgart, wo er am Aufbau des ersten und bisher einzigen Software-technik-Studiengangs in Deutschland maßgeblich mitbeteiligt war. An den Institutionen, an denen er tätig war, hat er durch weitere Aufbau- und Leitungsarbeiten auch zu einer Abrundung des Angebots beigetragen. Hier sind zu erwähnen: das OFFIS in Oldenburg (1987-1992), das Softwarelabor in Stuttgart (1995-1998) und das Informatik-Forum Stuttgart e.V. (1996-2000)

Fachlich ist Volker Claus ein Vertreter der theoretischen Informatik. Die Professuren, die er im Rahmen seiner Laufbahn bekleidete, trugen die Bezeichnungen Formale Sprachen, Theoretische Informatik bzw. Formale Konzepte. Seine Bedeutung als Fachvertreter wird auch durch die Wahl zum Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Bereich der Theoretischen Informatik dokumentiert. Seine ersten Veröffentlichungen entstammen dem Bereich der Automatentheorie und der formalen Sprachen. Dazu gehören auch Lehrbücher zu stochastischen Automaten und formalen Sprachen. Seine neueren Facharbeiten befassen sich mit genetischen und evolutionären Algorithmen, Transportoptimierung und Bestimmung von Fahrgemeinschaften oder der Visualisierung von Algorithmen

Besonders prägend für die deutsche Informatik sind seine Arbeiten zu den allgemeinen Grundlagen der Informatik. Mit seiner 1975 erschienenen " Einführung in die Informatik" im Teubner-Verlag legte er zeitgleich mit Wirths "Algorithmen und Datenstrukturen" das erste deutsche Lehrbuch für die Informatik-Grundausbildung vor. Durch Arbeiten zu Themen wie "Was ist Informatik und Abgrenzungen zur Mathematik", "Wechselwirkungen zwischen Informatik und Mathematik" oder "Stellenwert der Theorie" hat er mitgeholfen, das Selbstverständnis des Faches so zu schaffen, wie man es heute an Universitäten vorfindet. Den Gründern unserer Koblenzer Informatik stand Volker Claus dann auch vor 25 Jahren hilfreich zur Seite, als das in Deutschland damals noch sehr ungewöhnliche Konzept eines Studiengangs mit integrierten Anwendungsgebieten entwickelt wurde. Hier entstanden auch die ersten Kontakte zwischen ihm und unserer Universität.

Für die Ausbildung in der Informatik hat Volker Claus in vielfältiger Funktion gewirkt. Er gehörte schon ab 1974 dem GI-Fachausschuss für Ausbildung an, dessen Sprecher er dann wurde. Im Jahre 1979 entwickelte er die bundesdeutschen Wettbewerbe für "Computer-programmierung", die später (1985) in den Bundeswettbewerb Informatik übergingen, den er auch viele Jahre leitete. Mit diesem Wettbewerb, der bis heute jährlich stattfindet, werden Schüler auf moderne Weise an die Informatik herangeführt. Durch diese Aktivität hat er erheblich zur Wahrnehmung des Faches in der Gesellschaft, zur Förderung des Nachwuchses und zur Erhöhung der Attraktivität des Studiums beigetragen. Zu diesem Engagement in der Ausbildung gehört auch sein Bemühen, die Allgemeinbildung in der Informatik zu fördern. So erstellte Volker Claus schon 1986 zusammen mit Andreas Schwill (heute Professor für Didaktik der Informatik and der Universität Potsdam) den Schülerduden und dann anschließend den Duden Informatik, der jetzt in der dritten Auflage vorliegt und das Grundwissen der Informatik in ausführlich erläuterten Stichworten zusammenfasst. Er ist Erfinder der ganzjährigen Projektgruppen an der Universität in Dortmund, die durch Integration von praktischer Arbeit und Vorlesungs- und Seminaranteilen zu sehr produktiven und weithin wahrgenommen Ergebnissen geführt haben und bis heute in der Ausbildungsdiskussion in Deutschland eine Vorbildfunktion haben. Volker Claus hat auch die ersten Curricula für das Schulfach Informatik entwickelt. Sein Fernstudienkurs zur Lehrerfort- und �weiterbildung in Informatik wurde in den 80er Jahren vielfach von Lehrern verwendet, um einen Einstieg in das neue Fach Informatik zu gewinnen. Mit 18 Promotionen und rund 200 Diplomand(inn)en, aus denen bisher 5 Universitätsprofessoren und mehrere Fachhochschulprofessor(inn)en hervorgegangen sind, hat er auch als Hochschullehrer eine hohe Nachwirkung gezeitigt. Die Qualität seiner Lehre wurde 1995 mit dem Landeslehrpreis des Landes Baden-Württemberg (1995) ausgezeichnet.

Volker Claus hat über die fachlichen Aspekte hinaus stets auch die hochschulpolitischen Randbedingungen im Auge behalten. Bereits als Student war er als studentischer Sprecher seiner Fakultät in der Selbstverwaltung tätig. Dann engagierte er sich als erster Dekan in Dortmund und ebenfalls erster Dekan in Oldenburg für Neugründung und Aufbau von Fachbereichen. Hier, als Dekan auch in Stuttgart und als Mitglied und häufig Vorsitzender zahlloser Gremien hat er viel für die Wirksamkeit der Fakultäten getan, denen er angehörte. Volker Claus war in den Fachgesellschaften stets engagiert. Er war im Vorstandsrat der GAMM (1971-1973) und im Präsidium der GI (1982-1985), im Bewilligungsausschuss der DFG für Graduiertenkollegs (1990-1994) und jetzt ist er Vorsitzender des Fakultätentags Informatik. Seine präzisen Situationsanalysen verbunden mit konkreten und konstruktiven Vorschlägen haben diese Einrichtungen deutlich vorangebracht. Die Gesellschaft für Informatik hat seine engagierte Tätigkeit 2002 mit der Auszeichnung als Fellow der Gesellschaft für Informatik gewürdigt.

Sein Wissen über die Bedeutung der Ausbildung und seine Fähigkeit, Gesamtsysteme zu analysieren, Positives zu erkennen und zu fördern, aber auch Kritisches zu verdeutlichen, haben ihn zum wichtigsten Evaluator der deutschen Informatik werden lassen. An mittlerweile sechs verschiedenen Peer-Evaluationsverfahren von mehreren Universitäten hat Volker Claus zwischenzeitlich teilgenommen und somit die Qualität der Ausbildung im universitären Bereich stark mit beeinflusst.

Volker Claus ist als Hochschullehrer in außergewöhnlicher Weise sowohl in der fachlichen Arbeit als theoretischer Informatiker, als auch als Hochschullehrer in der Gemeinschaft des Faches Informatik aktiv und prägend wirksam geworden. Mit der Überreichung der Urkunde zur Ehrenpromotion würdigt der Fachbereich seine besonderen Verdienste.

(Prof. Dr. Jürgen Ebert, Dekan)