MehrSprachen

MehrSprachen: Eine Interventionsstudie zur Förderung von Sprachkomeptenzen und Sprachbewusstheit in der Grundschule

 

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Projektvorstellung

 

Die Ausbildung von Sprachbewusstheit ist sowohl ein implizites als auch ein explizites Ziel des schulischen Sprach(en)unterrichts. Bislang ist das Entstehen von Sprachbewusstheit empirisch nur wenig erforscht, ebenso die Frage, welche Rolle die lebensweltliche Mehrsprachigkeit dabei spielt. Sprachbewusstheit wird jedoch als relevant angesehen, um die Struktur und Funktion von Sprache und Sprachen zu erfassen und für das eigene sprachliche Handeln zu nutzen.

Das Vorläufer-Projekt „Sprachkompetenzen und Sprachbewusstheit“ hat anhand einer Stichprobe von 400 Grundschüler(inne)n die Zusammenhänge zwischen Sprachkompetenzen in den Erst- und Zweitsprachen und Sprachbewusstheit sowie zwischen dem Rückgriff auf vorhandenes mehrsprachiges Können und Dimensionen von Sprachbewusstheit eruiert (vgl. Akbulut et al. 2015). Es konnte qualitativ und quantitativ belegt werden, dass mehrsprachige Lerner(innen) unter Kontrolle von Alter, Grundintelligenz und Sprachkompetenzen in elizitierten Sprachinteraktionen häufiger über Sprache(n) reflektieren und dies auch auf einer hierarchiehöheren Ebene tun (Wildemann et.al i. D.). Diese Resultate und weitere Erkenntnisse aus einem derzeit laufenden Projekt, in dem die „Professionelle Kompetenz von Deutsch-, Fremdsprachen- und Herkunftssprachenlehrkräften (ProKo)“ erfasst wird, dienen als Grundlage für das praxisbezogene Transferprojekt «MehrSprachen im Deutschunterricht – eine Interventionsstudie zur Förderung von Sprachkompetenzen und Sprachbewusstheit in der Grundschule» (Akronym: MehrSprachen).


Wie und was wird untersucht

 

Untersucht werden in der Studie Auswirkungen eines sprachreflexiven Deutschunterrichts, in dem explizit Sprachthematisierungen herbeigeführt werden, auf die allgemein- und metasprachlichen Kompetenzen mono- und multilingualer Schüler(innen) am Ende der Primarstufe. In Anlehnung an Studien aus dem anglo-amerikanischen Raum (z.B. Abu Rawdan 2005; Ellis 2005; Norris, Ortega 2001; Toth 2006), die jedoch vorwiegend den Fremdsprachenunterricht fokussieren, ist in dem Transferprojekt die zentrale Fragestellung, ob Schüler(innen) von einem Deutschunterricht, in dem sprachliche Phänomene explizit und durch Einbeziehung mehrerer Sprachen thematisiert werden, profitieren.

In einem Experimental- und Kontrollgruppendesign wird dazu eine Teilstichprobe von Lehrkräften (N=30) mithilfe eines auf Grundlage der Erkenntnisse aus dem Projekt „Sprachkompetenzen und Sprachbewusstheit“ entwickelten didaktischen Konzepts zur Nutzung von Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht fortgebildet, während die andere Hälfte (N=30) ihren Unterricht ohne zusätzliche Fortbildung durchführt. Neben dem domänenspezifischen fachdidaktischen Wissen, den Einstellungen und Motivationen aller teilnehmenden Lehrkräfte (N=60), wird Sprachbewusstheit der SchülerInnen in Klasse 3/4 als abhängige Variable sowie ihre Sprachkompetenzen, kognitive Fähigkeiten und Leistungen im Fach Deutsch als Hintergrundvariablen ihre in einem Prä-Post-Follow up-Design erfasst, um mögliche Zusammenhänge zwischen Intervention, Unterricht und Schülerleistung – mediiert durch Wissen, Einstellungen und Motivationen von Lehrkräften – zu analysieren.

Von Beginn an findet eine enge Wissenschafts-Praxis-Verzahnung statt, indem die Lehrkräfte als Expertinnen und Experten einbezogen werden. Dazu werden in einem ersten Schritt mittels eines systematischen zweistufigen Befragungsverfahrens mit Rückkopplung (Delphie-Studie) aktueller Wissensstand und Bedarfe der Lehrkräfte erfasst, um die Intervention auf Lehrkraftebene im Sinne des Reflexiven Erfahrungslernens zu gestalten (Esteve et al. 2010; Wildemann et al. 2014).


Geplante Ergebnisse

 

Die Projektergebnisse sollen zum einen Aufschluss darüber geben, wie sich ein explizit an Mehrsprachigkeit orientierter Deutschunterricht auf Sprachbewusstheit von SchülerInnen auswirkt und zum anderen einen Beitrag zur Entwicklung und Evaluation eines solchen Unterrichtskonzepts leisten.


Informationen für Eltern

Informationen für Lehrkräfte



Literatur:

  • Abu Radwan, A. (2005): The Effectiveness of Explicit Attention to Form in Language Learning. In: System: An International Journal of Educational Technology and Applied Linguistics, Vol. 33, No.1, S. 69-87.
  • Akbulut, M., Bien, L., Reich, H. H., Wildemann, A. (2015): Metasprachliche Interaktionen in mehrsprachigen Lernsettings – ein Projekt zur Sprachbewusstheit im Grundschulalter. In: ide, Heft 4, S. 119-128.
  • Ellis, N. C. (2005): At the Interface: Dynamic Interactions of Explicit and Implicit Language Knowledge. In: Studies in Second Language Acquisition 27, 2, S. 305–352.
  • Esteve, O.; Melief, K.; Alsina, Á. (Hrsg.) (2010): Creando mi profesión. Una propuesta para el desarrollo profesional del profesorado. Barcelona: Editorial Octaedro.
  • Norris, J. M. & L. Ortega (2001): Does type of Instruction Make a Difference? Substantive Findings from a Meta-Analytic Review. In: Language Learning, 51, 1, S. 157–213.
  • Toth, B. (2006): Processing Instruction and a Role for Output in Second Language Acquisition. In: Language Learning, 56, S. 319-385.
  • Wildemann, A., Esteve, O., Hoodgarzadeh, M. & Walter, R. (2014): Ein Beitrag zur Sensibilisierung für eine Mehrsprachigkeitsdidaktik in der Lehrerbildung. In: Abendroth-Timmer, D. & Henning, E.-M. (Ed.): Plurilingualism and Multiliteracies: International Research on Identity Construction in Language Education. Frankfurt a. M., S. 229-244.
  • Wildemann, A.; Bien, L.; Akbulut, M. (2016): Mehrsprachige Sprachbewusstheit zum Ende der Grundschulzeit –Vorstellung und Diskussion eines Elizitationsverfahrens. In: Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht.
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