Fallzahl Landau: 0 (Warnstufe Grün) Maßnahmenkonzept

Forschung

Laufende Vorstudien

Kinderschutzpraxis in der Corona Pandemie (KiSchCo)

Finanziert durch: Eigenmittel

Laufzeit: laufend

Projektleitung: Pascal Bastian

Das Forschungsvorhaben erbringt einen Beitrag zur Aufklärung der Bedingungen der Herstellung professioneller Urteile und Entscheidungen in der Kinderschutzarbeit der öffentlichen Jugendhilfe geleistet werden, indem der Umgang mit den durch die Covid-19-Pandemie hervorgerufenen Veränderungen, Einschränkungen und Herausforderungen untersucht wird. Überdies besteht weiterhin noch immer Forschungsbedarf hinsichtlich Urteils- und Entscheidungspraxen abseits der Covid-19-Pandemie. Das Forschungsvorhaben ist daher eingebettet in eine internationale Forschung zum Themenfeld Judgment and Decision-Making in Social Work

Grundlage der Analyse bildet die kontrastive Auswertung von Telefoninterviews mit Fachkräften dreier Jugendämter und zweier freier Träger. Aus den relationalen Perspektiven der Akteur-Netzwerk-Theorie und der Situationsanalyse, die den Blick nicht alleine auf den jeweiligen Akteur*innen sondern vielmehr auf deren Verbindungen und Vernetzungen untereinander richten, werden zunächst einmal Verschiebungen des Netzwerks, in dem die Fälle üblicherweise bearbeitet werden, sichtbar. In den analysierten Daten offenbaren sich ferner Praktiken, die sich als Bewältigungsstrategien der veränderten Praxis fassen lassen. Die Ergebnisse zeigen, dass die eigentliche Krise nicht in der abstrakten Vorstellung einer Viruspandemie, sondern vor allem im Wegbrechen der üblichen Handlungsroutinen zu finden ist. 

Laufende Forschungsprojekte

Sozialpädagogische Urteilsbildung: Qualitative Forschungsmethoden und Methodologische Herausforderungen (Judgment and Decision-Making in Social Work: Qualitative Research Methods and Methodological Issues) am 20. - 22.09.2021

Finanziert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Projektleitung: Pascal Bastian

Mitantragstellerin: Katharina Freres

National wie international findet sich zum Thema Entscheidungsfindung in der Sozialen Arbeit nur vereinzelt Forschung. Diese wird von quantitativen Modellen dominiert. Doch vor allem im Feld des Kinderschutzes existieren mittlerweile auch eine Reihe qualitativer Forschungen, in denen die praktische Umsetzung und Begründungen der Professionellen oder auch der konkrete Vollzug von Urteilen und Entscheidungen untersucht werden. Das Ziel der internationalen Konferenz ist die Auseinandersetzung mit Möglichkeiten und Grenzen qualitativer Methoden in der Urteils- und Entscheidungsforschung. Statt einer reinen Diskussion verschiedener Studien soll ein gezielter Austausch der methodologischen Prämissen und der methodischen Umsetzungsstrategien ermöglicht werden.

Es wurden Expert*innen eingeladen, die sich in qualitativen Studien methodisch mit (1) teilnehmenden Beobachtungen, (2) Interviews, (3) mit Konversations- und (4) Vingnettenanalysen nähern. 

Bedingungslose Jugendhilfe

Projektteam: Pascal Bastian, Katharina Freres, Jana Posmek, Mark Schrödter, Vinzenz Thalheim

Jugendhilfe ist bedingungslos, wenn alle Familien auf ihre Leistungen zurückgreifen können, unabhängig davon, ob sie ein psycho-soziales Defizit geltend machen oder nicht. Dies ist für große Teile des SGB VIII realisiert, bislang nicht jedoch in den erzieherischen Hilfen (SGBVIII, § 27 ff.). Der Anspruch auf erzieherische Hilfen ist an die Bedingung gekoppelt, dass »eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet« ist (Bedürftigkeitsprüfung). Das ist stigmatisierend und reproduziert soziale Ungleichheit. Es ist zu diskutieren, ob eine Jugendhilfe möglich ist, die Eltern bei der Ausübung in ihrer autonomen Elternschaft unterstützt, ohne sie zu stigmatisieren. LINK

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Fallkonstitutive Urteilsbildung am Beispiel von Kindeswohlgefährdungseinschätzungen bei unangemeldeten Hausbesuchen in der Sozialen Arbeit

Finanziert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 01.06.2016 – 31.05.2018

Projektleitung: Pascal Bastian, Mark Schrödter

Mit dem vorliegenden Forschungsvorhaben soll ein Beitrag zur Aufklärung der Bedingungen der Herstellung professioneller Urteile bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung geleistet werden. Sozialpädagog_innen müssen gerade im Kinderschutz oftmals komplexe Sachverhalte beurteilen und folgenreiche Entscheidungen treffen. So sind auch die Anforderungen des § 8a SGB VIII ein Gefährdungsrisiko einzuschätzen und falls erforderlich, sich einen unmittelbaren Eindruck durch einen Hausbesuch zu verschaffen als komplexe Leistungen von Professionellen zu werten, bei denen zwischen verschiedenen, teilweise widersprüchlichen, adressatenorientierten, staatlichen, fachlichen und organisatorischen Zielvorstellungen zu vermitteln ist. Darüber, wie Fachkräfte diese Anforderungen immer wieder meistern, wie sie also konkret in der Praxis Urteile fällen, ist empirisch wenig bekannt. Bisherige Studien legen ihren Fokus auf Urteilsfehler oder auf externe Beeinflussungen, die die fachliche Urteilsbildung erschweren. Wie es aber Fachkräften gelingt, trotz dieser Anforderungen und Einflüsse ihren Job zu machen, ist bislang kaum erforscht. Ziel dieser Studie ist deshalb die ethnografische Untersuchung der Urteils- und Entscheidungspraxis im professionellen Alltag.

Veröffentlichungen:

    • Bastian, P., Freres, K., & Schrödter, M. (2017). Risiko und Sicherheit als Orientierung im Kinderschutz. Deutschland und USA im Vergleich. Soziale Passagen22(11–12), 1–17. LINK
    • Freres, K., Bastian, P. & Schrödter, M. (2019). Jenseits von Fallverstehen und Prognose – wie Fachkräfte mit einer einfachen Heuristik verantwortbaren Kinderschutz betreiben. neue praxis, 49(2), 140–164.


Sozialpädagogische Bedarfe und Orientierungsmuster minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge in sozialpädagogischen Institutionen

Finanziert durch: Eigenmittel

Laufzeit: 01.05.2016 – 30.09.2016

Projektleitung: Pascal Bastian

Die sozialpädagogische Arbeit mit geflüchteten Jugendlichen stellt ein besonders herausforderndes Feld professioneller Praxis dar. Der Forschungsstand zeigt, dass die Bedarfslagen dieser jungen Geflüchteten vor allem im Bezug auf die psychischen Aspekte wie etwa Traumatisierung erforscht wurden. Hingegen gibt es in der wissenschaftlichen Literatur kaum empirisches Wissen zu den sozialpädagogischen Bedarfen. Ziel des Forschungsprojektes ist die Untersuchung der bislang wenig erforschten Adressat_innenensicht anhand von Interviews mit den sogenannten Betroffenen. Dabei sind folgende Fragen besonderer Bedeutung:

  • Welche Bedarfe jenseits therapeutischer Hilfen ergeben sich aus den biografischen Erfahrungen junger Flüchtlinge vor allem im Hinblick auf sozialpädagogisches Handeln?
  • Lassen sich bei den jungen Flüchtlingen gemeinsame Orientierungsmuster, z.B. aufgrund ähnlicher Erlebnisse oder biografischer Hintergründe rekonstruieren, die für sozialpädagogisches Handeln relevant sind?

Der Fokus liegt nicht auf psychischen Problemen (Traumatisierung), sondern auf alltagsweltlichen Problemlagen im pädagogischen Feld.


International conference on Judgment and Decision-Making in Social Work

September 22-24 2016, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Finanziert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Eigenmittel

Social Work as a professional practice is a field where people continually have to make professional judgments and decisions. It is striking that in social work theory judgment and decision-making is hardly or superficially addressed, even though the importance of professional judgment is highlighted in theoretical debates. Therefore the conference will offer an occasion to discuss the issue in the context of different and even controversial positions, as well as to contextualize them in the light of empirical research. The goal is to give more consideration to professional judgment in social work theory and research and establishing a network between future possible projects on judgment and decision-making in social work 


Weitere Projekte und wissenschaftliche Tätigkeiten

  • 2016-2018: Leitung der Forschungs- und Dokumentationsstelle für Verbraucherinsolvenz und Schuldnerberatung – Schuldnerfachberatungszentrum (SFZ). Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie des Landes Rheinland-Pfalz 
  • 2013: Bastian, P. Statistische Urteilsbildung im Kinderschutz – Eine ethnografische Studie zur Nutzung aktuarialer Instrumente im US-amerikanischen Kinderschutzsystem. Postdoc-Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes – DAAD
    • Bastian, P. (2017). Negotiations with a risk assessment tool: Standardized decision-making in the United States and the deprofessionalization thesis. Transnational Social Review, doi:10.1080/21931674.2017.1313509 LINK
    • Johnson, W., Clancy, T. & Bastian, P. (2015). Child abuse/neglect risk assessment under field practice conditions: Tests of external and temporal validity and comparison with heart disease prediction. Children and Youth Services Review56, 76–85. doi:10.1016/j.childyouth.2015.06.013 LINK
  • 2013 – 2014: Bastian, P. & Schrödter, S. Fachliche Einschätzung bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung – Auswertung der Falleingangsbögen der Kinderschutzfachstelle eines Jugendamtes. Eigenmittel
    • Bastian, P. & Schrödter, M. (2015). Fachliche Einschätzung bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. neue praxis, 45 (3), 224–242. LINK