Der Ezechieltext

„Der Ezechieltext in Papyrus 967“: Projektleitung: Prof. Dr. Karin Finsterbusch, Projektmitarbeiter: Dr. Dr. Norbert Jacoby, Projektbeginn: Mai 2017, gefördert durch die DFG.

 

Zusammenfassung:

Der Ende des 2. Jh. oder Anfang des 3. Jh. n. Chr. geschriebene Papyrus 967 enthält unter anderem die griechische Übersetzung des Buches Ezechiel (ab 11,25 ist der Text nahezu vollständig erhalten). Diese Textfassung unterscheidet sich von der masoretischen Textfassung wesentlich in Bezug auf den Textumfang (insofern sie mehrere größere Abschnitte nicht enthält), in Bezug auf die Textreihenfolge (insofern „Kapitel 37“ hinter „Kapitel 38–39“ steht) sowie in Bezug auf Details (insofern die Semantik auf eine hebräische Vorlage hindeutet, die nicht dem MT-Ez entsprach). Sie unterscheidet sich in Bezug auf Textumfang, Textreihenfolge und Semantik auch von den bekannten, von der Hexapla weniger beeinflussten antiken Fassungen der LXX-Ez (insbesondere der in Kodex B überlieferten Fassung).

Trotz der in der Forschung zunehmend erkannten Bedeutung des Papyrus 967 als eines der ältesten vorhexaplarischen Textzeugen der Septuaginta ist der in ihm überlieferte griechische Ezechieltext bislang nur in Teileditionen zugänglich, zudem wurde der Text noch nicht übersetzt und systematisch in Bezug auf Gliederung und sprachliche Qualität untersucht. Hier setzt das geplante Projekt an.

Zunächst soll eine vierspaltige Synopse erstellt werden (Spalte 1: MT-Ez; Spalte 2: Ezechieltext in Kodex B; Spalte 3: Ezechieltext in P967; Spalte 4: Deutsche Übersetzung des Ezechieltextes in P967). Der griechische Ezechieltext in Papyrus 967 soll mit Akzenten versehen wiedergegeben werden. Durch diese Edition und die deutsche Übersetzung soll der Text erstmalig als „lesbares“ Ganzes zugänglich gemacht werden. Der vertiefenden Texterschließung soll die Anordnung zusammen mit dem MT-Ez und der griechischen Ezechielübersetzung in Kodex B sowie ein Apparat mit philologischen und textkritischen Anmerkungen am Unterrand der Seiten dienen.

Edition und Übersetzung sollen durch Spezialstudien zu dem in Papyrus 967 überlieferten griechischen Text (Gliederung, Zeitstufen/Aspekte/Modi, Stil/Rhetorik, interpretierende Semantik) ergänzt werden. Hier sind Ergebnisse in Bezug auf die Qualität der Übersetzung zu erwarten (inwiefern nutzte der Übersetzer[kreis] Spielräume der griechischen Sprache aus?), in Bezug auf die umstrittene Frage nach dem Übersetzerwechsel (inwiefern sind Sinnabschnitte von der Sprache her inhomogen?), in Bezug auf das ungeklärte Verhältnis der beiden Ezechielübersetzungen in Papyrus 967 und Kodex B (inwiefern teilen beide Übersetzungen sprachliche Merkmale, handelt es sich um unterschiedliche Übersetzungen/Rezensionen/„variant literary editions“?) sowie in Bezug auf die Frage nach der hebräischen Vorlage (inwiefern bildete der Übersetzer[kreis] seine Vorlage in Bezug auf Wortfolge und Syntax durchgängig „strukturtreu“ ab?).

Die Ergebnisse dürften für die Ezechielforschung wie für die Septuaginta-Forschung gleichermaßen von Interesse sein.