Forschung und Lehre

Schwerpunkte in Forschung und Lehre

 

  • Wissenssoziologie
  • Kultursoziologie
  • Mediensoziologie
  • Körpersoziologie
  • Visuelle Soziologie
  • Politische Soziologie
  • Phänomenologie
  • Philosophische Anthropologie
  • Interpretative Methoden der qualitativen Sozial- und Medienforschung

 

Auszeichnungen

 

  • Landeslehrpreis des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Baden-Württemberg, 2004
  • Preis für hervorragende Lehre, Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Universität Luzern, 2008

 

Forschungskooperationen

 

 

Aktuelle Forschungsprojekte

 

KI in der Medizin – Die Bedeutung neuer Technologien für Wirklichkeitsdeutungen, Verantwortungen und Wissensbestände im Interaktionsdreieck von Patient*innen, Ärzt*innen und Entwickler*innen

Gefördert durch die VolkswagenStiftung (2020 bis 2021)

Mit der Förderlinie „Künstliche Intelligenz – Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen“ zielt die VW-Stiftung auf neuartige Projektkonstellationen und integrative Forschungsansätze der Gesellschafts- und Technikwissenschaften, die von sozialwissenschaftlichen Gegenwartsdiagnosen ausgehend neue Perspektiven, Einsichten und Lösungsansätze für die Gestaltung von Zukunft eröffnen. (vgl. https://www.volkswagenstiftung.de/unsere-foerderung/unser-foerderangebot-im-ueberblick/kuenstliche-intelligenz-ihre-auswirkungen-auf-die-gesellschaft-von-morgen).

Das Forschungsvorhaben „KI in der Medizin – Die Bedeutung neuer Technologien für Wirklichkeitsdeutungen, Verantwortungen und Wissensbestände im Interaktionsdreieck von Patient*innen, Ärzt*innen und Entwickler*innen“ gründet auf der Einsicht, dass mit jeder Entwicklung und Implementierung von neuen Technologien nicht nur tatsächliche und erhoffte Verbesserungen der individuellen Gesundheit und des gesellschaftlichen Gesundheitssystems einhergehen, sondern sich die technischen Veränderungen auch auf die Wahrnehmungen und Deutungen und auf das Verhalten und das soziale Handeln der beteiligten Akteure und Akteursgruppen auswirken. Sie stellen die Handelnden vor neue berufliche und persönliche Herausforderungen und verändern Kommunikationssituationen und Rollenverständnisse im Wissenschaftssystem wie auch im sozialen Alltag. Die zunehmende Implementierung von KI als essentiellem Bestandteil der Medizintechnik lässt dabei veränderte Problemwahrnehmungen, Deutungsoptionen und Erwartungshaltungen im Interaktionsdreieck von Patient*innen, Ärzt*innen und Entwickler*innen erwarten.

Während der  zunächst einjährigen Förderphase wird gemeinsam der Antrag auf einen Full Grant zur Realisierung eines mehrjährigen Forschungsprojekts erarbeitet. In dessen Rahmen sollen dann Wahrnehmungen, Deutungen und Erwartungshaltungen im Interaktionsdreieck von Patient*innen, Ärzt*innen und Entwickler*innen empirisch erhoben, analysiert und typologisch beschrieben werden. Dies soll aufbauend auf den Einsichten der wissenschaftssoziologischen Laborforschung sowie auf der Grundlage von empirischen Analysen im betrachteten Interaktionsdreieck geschehen. Über das Format des ‚Reallabors’ sollen innovative methodische Wege eingeschlagen und neue empirische Sichtweisen und analytische Einsichten gewonnen werden. Als Ergebnis wird die Entwicklung eines Kompendiums zur Handlungsorientierung der beteiligten Akteure und Akteursgruppen angestrebt.

Forschungsgruppe:

PD Dr. Frank Giordano, Dept. of Radiation Oncology and Radiation Therapy, University Medical Center Mannheim (UMM), Heidelberg University

M. Sc. Sabrina Golz, House of Competence, Karlsruhe Institute of Technology

Prof. Dr. Jürgen W. Hesser, Data Analysis and Modeling in Medicine, Mannheim Institute for Intelligent Systems in Medicine (MIISM), Interdisciplinary Center for Scientific Computing (IWR), Central Institute for Computer Engineering (ZITI), Heidelberg University

Dr. Alexa Maria Kunz, House of Competence, Karlsruhe Institute of Technology

Prof. Dr. Ines Langemeyer, Institute of Vocational Education & General Pedagogy, KIT

Dr. Simone-Nadine Löffler, House of Competence, Karlsruhe Institute of Technology

Prof. Dr. Werner Nahm, Institute of Biomedical Engineering, Karlsruhe Institute of Technology

Prof. Dr. Jürgen Raab, Institute for Cultural and Social Sciences, Dep. of Sociology, University of Koblenz-Landau

Dr. Marija Stanisavljevic, Institute for Cultural and Social Sciences, Department of Sociology, University of Koblenz-Landau

 

Dokumente – Erinnerungen – Geschichtsschreibung. Der zweite Theresienstadtfilm, seine Dokumentation und Rekonstruktion aus Perspektive der Überlebenden

Gefördert durch die VolkswagenStiftung (2018 bis 2020)

Gegenstand des Forschungsprojektes ist der nur noch in Fragmenten erhaltene NS-Propaganda- und SS-Schulungsfilm Theresienstadt. Eine Dokumentation aus dem jüdischen Siedlungsgebiet (auch bekannt unter dem zynischen Titel Der Führer schenkt den Juden eine Stadt). Der 1944 gedrehte Film stellt ein Dokument der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden während des zweiten Weltkrieges sowie der gesellschaftlichen Realisierung des Holocaust innerhalb der damaligen institutionellen, machtpolitischen und weltanschaulichen Strukturen und Handlungszusammenhänge dar. Die Bedeutung und Funktion dieses Films, der ein Konzentrationslager als soziales Idyll und ‚Mustersiedlung’ inszeniert, ist historisch bislang nur in Einzelaspekten geklärt: Propagandistisch scheint er an die jüdische Bevölkerung im Reichsgebiet (und damit an die potenziellen Opfer selbst) adressiert gewesen zu sein, ebenso an das Internationale Rote Kreuz und weitere europäische staatliche und nichtstaatliche Akteure. Möglich ist darüber hinaus, dass er für Schulungszwecke der SS produziert wurde.

Das Projekt setzt sich ein doppeltes Ziel: Die vorliegenden Filmfragmente werden historisch, soziologisch und medienwissenschaftlich ausgewertet und für die zukünftige Forschungen gesichert und aufbereitet. Hierzu werden (1) im Rahmen von Filminterpretationen die überlieferten Filmfragmente zusammengeführt, in ihrer Abfolge rekonstruiert und sodann unter Berücksichtigung von Bildsprache und Filmästhetik analysiert und mit anderen historischen Filmdokumenten systematisch verglichen. (2) Im Rahmen von qualitativen Interviews mit Zeitzeugen (‚oral history’) kommentieren Überlebende des Konzentrationslagers Theresienstadt die Fragmente des Filmes auf der Grundlage eigener Erinnerungen. Die Gespräche werden einerseits durch ARTE professionell audiovisuell aufgezeichnet und in eine (auch für Aufklärungs- und Lehrzwecke bestimmte) filmische Gesamtdarstellung eingearbeitet, die historische Filmsequenzen und Interviewpassagen kontrastierend zusammenstellt. Andererseits werden die Gespräche transkribiert und analysiert. Das Projekt leisten damit einen Beitrag a) zur Rekonstruktion der Geschichte des Konzentrationslagers Theresienstadt, b) zur Soziologie der medialen Darstellung und gesellschaftlichen Realisierung des Völkermords sowie c) zur Bereitstellung und Sicherung weiteren historischen Datenmaterials für zukünftige Forschungen.

Forschungsgruppe:

Prof. Dr. Ofer Ashkenazi, Hebrew University Jerusalem, Direktor des Koebner-Minerva Centers for German History

Dr. Ehrhardt Cremers, TU Dresden

Prof. Dr. Michael R. Müller, TU Chemnitz

Prof. Dr. Jürgen Raab, Universität Koblenz-Landau

Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner, Forum Internationale Wissenschaft der Universität Bonn / KWI Essen

Prof. Dr. Yfaat Weiss, Hebrew University Jerusalem, Direktorin des Rosenzweig Instituts

Prof. Dr. Moshe Zimmermann, Hebrew University Jerusalem

Kooperierende Institutionen:

Gedenkstätte Terezin

Vereinigung der Überlebenden von Theresienstadt

Jüdisches Museum Prag

National Film Archiv Prag

Yad Vashem, The Holocaust Martyrs' and Heroes' Remembrance Authority