KluKiBUm

1. Thema und Fragestellung: KluKiBUm: Kluge Kinder durch Bewegung in der Umwelt?

Wir wollen untersuchen, ob Waldkindergärten und Kindergärten mit dem Qualitätssiegel „Bewegungskindergarten Rheinland-Pfalz“ eine zusätzliche Förderung im Bereich Bewegung und Umwelt bieten.

2. Mitglieder der Forschungsgruppe

3. Themen für BA- und MA-Arbeiten

BA- und MA-Arbeiten können im Rahmen folgender Schwerpunkte erarbeitet werden:
  • Den Zusammenhang zwischen Bewegen und Experimentieren identifizieren
  • Qualitätsmerkmale kindlicher Bewegungen bestimmen
  • Den Bewegungsdrangs bei Kindern analysieren
  • Bewegungs- und experimentierfreundliche Umgebungen gestalten
Konkrete Themen für Abschlussarbeiten werden bei Interesse im direkten Gespräch mit den jeweiligen Betreuern (vgl. Mitglieder der Forschungsgruppe) individuell vereinbart.  

4. Forschungsstand und -visionen

In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, welch enormen gesundheitlich und bewegungspädagogisch relevanten Effekt eine motorisch aktive Lebensführung hat. Dies gilt in besonderer Weise für die kognitive, soziale und psychomotorische Entwicklung von Kindern. Würden deutsche Kinder sich mehr bewegen, wären sie klüger und hätten in der PISA-Studie besser abgeschnitten[1]. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass selbstbestimmte Bewegung im Einklang mit der Natur ebenso das Umweltbewusstsein und die naturwissenschaftliche Experimentierfreudigkeit fördert. Gerade die Zertifizierung der Kindergärten als bewegte Kindergärten sowie die Bezeichnung „bewegte Grundschule“ verweist bereits darauf, dass eine höhere motorische Aktivität der Persönlichkeitsentwicklung und der Intelligenz-entwicklung zuträglich ist. Inwieweit hier der Faktor „Umwelt“ als Bewegung im Freien eine besondere Rolle spielen kann, wurde bisher nur unzureichend evaluiert. Es besteht daher ein enormer Forschungsbedarf dahingehend, ob oder in welcher Form z.B. ein Waldkindergarten eine zusätzliche Förderung der Kleinkinder bieten kann. Dabei geht es nicht allein darum quantitative Körperdaten zu produzieren, sondern vor allem auch die Bewegungsqualität und die Art des Experimentierens in den Blick zu nehmen. Obwohl solche und ähnliche Hypothesen immer wieder zitiert werden, ist der Zusammenhang zwischen einer bewegungsaktiven Gestaltung des Kindergarten- und Schulalltags, ihrem Einklang mit der Umwelt und der Entwicklung des Forschergeists von Kindern noch nicht untersucht worden. Erste einschlägige Erkenntnisse in diesem Bereich könnten eine vertiefende Analyse dahingehend anstoßen, die Handlungsthemen zu identifiziert, die konkret positive Bildungsprozesse auslösen bzw. verstärken. Des Weiteren könnten vertiefende Forschungsarbeiten untersuchen, welche Aufgabenformen und methodischen Vorgehensweisen die Entwicklung optimal anregen.
Auf Basis dieser Vorarbeiten soll je ein Projektantrag im Rahmen des Programms „Sport und biologische Vielfalt“ (Aufruf des Deutschen Olympischen Sportbunds und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und bei der Volkswagenstiftung (Förderinitiative Offen – für Außergewöhnliches) vorbereitet und eingereicht werden.
 

5. Interdisziplinarität und Kooperationen

Ziel der Forschungsgruppe KluKiBUm ist es, die Auswirkungen einer bewegungsaktiven Gestaltung des Kindergarten- und Schulalltags im Einklang mit der Umwelt auf die Gesundheit und den naturwissenschaftlichen Forschergeist von Kinder im Vergleich mit konventionellen Lernorten zu untersuchen. Erster Schritt ist die Identifikation von Schulen und Kindergärten mit besonderen Akzenten im Bereich Bewegung sowie die Erfassung der jeweiligen Umweltbedingungen, um anschließend die Auswirkungen hiervon auf die o.g. Eigenschaften überprüfen und analysieren zu können (Sinning, Gießing, Schaumann).
Am Institut für Sportwissenschaft werden seit mehreren Jahren Studien über die physiologischen und kognitiven Auswirkungen eines bewegungsaktiven vs. bewegungsarmen Sportunterrichts durchgeführt. Dabei zeigte sich eine nachweislich positive Auswirkung körperlicher Aktivität in einem Umfang wie er von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird. Des Weiteren wurde in verschiedenen Studien die Gleichgewichtsfähigkeit von Kindern getestet. Hier zeigt sich u.a., dass die Gleichgewichtsfähigkeit bei Kindern mit zunehmenden Alter und Gewicht eher abnehmend ist und sie insbesondere mit der Bewegungsaktivität und -qualität der Kinder/Jugendlichen in engem Zusammenhang steht.
Osterroth, A./Spang, F./Gießing, J. (2012): Die kurzfristigen physiologischen Auswirkungen einer täglichen Sportstunde. Ergebnisse einer Pilotstudie mit Schülerinnen und Schülern einer vierten Klasse, in: Sportunterricht 1/2012, S. 14-19.
Giese, M./Gießing, J./Eichmann, B. (2013): Besondere Kinder brauchen besonderen Sportunterricht, in: Sportpädagogik 5/2013, S. 38-41.
Um den Zusammenhang zwischen Bewegung, Experimentieren und Forschergeist zu untersuchen, werden Experimentierrucksäcke entwickelt und mit einer themenbezogenen Experimentierausrüstung versehen (Schaumann). Die Ausrüstung ist so konzipiert, dass die Kinder je nach Experimentiergeist Experimente variabler Komplexität durchführen können. Es soll untersucht werden, wie Bewegung und Experimentieren in einer natur- und kulturnahen Umgebung verzahnt sind (Sinning, Gießing, Schaumann). Der Zusammenhang zwischen freier aktiver Bewegung in der Umwelt und dem Experimentiergeist von SchülerInnen wurde exemplarisch in den Projekten „Universität in die Grundschule“ (Schaumann, Liebert, Schaumann) und „Chemie zum Anfassen“ (Schaumann und Risch) in Zusammenarbeit mit einer freien aktiven Waldschule und einer Realschule Plus gezeigt.
Aktuell besteht eine Interdisziplinarität auf inhaltlicher Basis vor allem aus der Kooperation zwischen dem Institut für Sportwissenschaft und dem Institut für Umweltwissenschaften. Weitere Kooperationen sind sowohl innerhalb des Fachbereichs (Biologie, Chemie, ...) als auch zu anderen Fachwissenschaften selbstverständlich denkbar (Psychologie, Soziologie, ...)
Auf Basis der ersten Ergebnisse soll auch die strukturelle Einbindung des Projekts gefördert werden. Hierzu sollen weitere Kooperationspartner in der Region gewonnen werden (LSB, Pfälzer Sportbund, Unfallkasse Rheinland-Pfalz), um statistisch belastbarere Daten zu erhalten.
 

6. Langfristige Etablierung und Visionen

Langfristiges Ziel ist ein größeres fachbereichsübergreifendes Forschungsprojekt an der Schnittstelle Bildung – Mensch – Umwelt. Während im Rahmen des Einstiegsprojektes ausgewählte Institutionen evaluiert werden sollen, kann über eine Ausweitung und damit grundlegenden Evaluation weiterer Kindergärten und Grundschulen der Zusammenhang zwischen Bewegung und Umwelt konkretisiert und die Weiterentwicklung der Bewegungsangebote in den Institutionen forciert werden. Damit könnten u.a. bewegungs- und umweltbezogene Fördermaßnahmen ausgearbeitet, das aktuelle Zertifizierungs- und Qualitätssiegelsystem spezifiziert sowie Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung angestoßen werden. Eine Ausweitung des Projekts auf ältere Kinder oder Jugendliche könnte zusätzlich aufzeigen, inwieweit ein Zusammenhang zwischen der Bewegungsgestaltung in einer je spezifischen Umwelt besteht und wie diese die Bewegungsqualität und die Persönlichkeitsentwicklung langfristig beeinflusst.