Neue Veröffentlichung: Wie Facebook-Diskussionen die Meinungsbildung verändern

Eine neue Studie aus der Arbeitsgruppe Medienpsychologie zeigt, wie die Erwartung von Meinungsäußerungen in sozialen Netzwerken zu einer Vernachlässigung der Qualität von Argumenten führen kann.

Der Artikel „Do anticipated Facebook discussions diminish the importance of argument quality? An experimental investigation of attitude formation in social media“ von Stephan Winter wurde in der Fachzeitschrift „Media Psychology“ veröffentlicht. Vor dem Hintergrund, dass soziale Medien sich zu Kanälen entwickelt haben, in denen User auch mit Nachrichten und gesellschaftlichen Debatten in Berührung kommen, sollte untersucht werden, wie sich dieses neue Umfeld auf die Nachrichtenrezeption auswirkt (z.B. im Vergleich zum klassischen Zeitunglesen). Die zentrale Ausgangsthese lautete, dass die hohe Bedeutung von Selbstdarstellung und sozialen Kontakten bei Facebook & Co. einen Modus der Informationsverarbeitung auslösen könnte, in dem Personen vor allem daran interessiert sind, sich eine sozial akzeptierte (und weniger eine gut begründete) Meinung zu bilden, und daher weniger auf die Qualität von Argumenten achten.

Um dies zu prüfen, wurde ein Experiment durchgeführt, in dem die Teilnehmenden einen Nachrichtenartikel von hoher oder niedriger Argumentqualität entweder bei Facebook, auf einer Online-Nachrichtenseite oder als Print-Artikel gelesen haben. Zusätzlich wurde variiert, ob die Teilnehmenden anschließend eine Diskussion (offline oder auf Facebook) zum Thema erwarteten. Die Ergebnisse zeigten, dass das reine Eingeloggt-Sein bei Facebook keinen Einfluss auf die Beachtung der Argumentqualität hatte. Allerdings ergab sich das vorhergesagte Muster bei der Erwartung einer späteren Diskussion im Netzwerk: Diejenigen, die erwarteten, dass sie später ein Facebook-Posting zum Thema verfassen würden, wurden in ihrer Meinung zum Thema weniger von der Stärke der Argumentqualität beeinflusst. Daraus kann gefolgert werden, dass nicht schon der Social-Media-Kontext per se für eine oberflächliche Verarbeitung sorgt – allerdings zeigt die Studie Situationen auf, in denen User aufgrund von erwarteten Diskussionen weniger auf Argumente achten.

Der Link zur Studie: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15213269.2019.1572521


Datum der Meldung 19.09.2019 07:06