Projekte

Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung im Arbeitsleben

Zusammenfassung des Forschungsvorhabens:

Einstellungsentscheidungen werden häufig nicht ausschließlich auf Basis des Qualifikationsniveaus der Bewerber/-innen getroffen − vielmehr werden sie auch durch soziale Gruppenzugehörigkeiten bestimmt. Diskriminierung aufgrund einer sozialen Gruppenzugehörigkeit, im Projekt aufgrund der sexuellen Orientierung, ist zum einen aus juristischer Perspektive problematisch und zudem aufgrund des in Deutschland etablierten Antidiskriminierungsgesetzes (2006) verboten. Aus einer individuellen Perspektive kann die Erfahrung von Chancenungleichheit psychosomatische Folgen haben und zu einer geringeren Lebens- und Arbeitszufriedenheit führen. Werden nicht die am besten qualifizierten Bewerber/-innen eingestellt, so ist dies aus einer ökonomischen Perspektive für das Unternehmen selbst ebenso problematisch.

In unserem Forschungsprojekt beschäftigen wir uns mit Prozessen, die der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung im Arbeitsleben zugrunde liegen. Uns interessiert, ob heterosexuellen und lesbischen/schwulen Personen mit gleichen Qualifikationen auch gleiche Chancen zugeschrieben werden, eine ausgeschriebene Stelle zu erhalten und beruflich aufzusteigen. Wir wählen einen experimentellen Untersuchungsansatz, um die Fragestellung zu beantworten. Dazu legen wir Versuchsteilnehmenden beispielsweise die Unterlagen fiktiver Bewerber/-innen vor, und bitten sie, deren Fach- und Sozialkompetenz sowie Einstellungschancen für eine ausgeschriebene Stelle einzuschätzen. Da sich die Bewerber/-innen ausschließlich in ihrer sexuellen Orientierung, jedoch nicht in ihrer Qualifikationen unterscheiden, können wir daraus schließen, dass Unterschiede in den Einschätzungen aus der Information über die sexuelle Orientierung der Bewerber/-innen resultieren.

Diese Urteile stehen in Wechselwirkungen mit Vorstellungen von traditioneller Weiblichkeit und Männlichkeit, und beeinflussen, wie Personen wahrgenommen werden. Da sich diese Ansichten in einem permanenten Wandel befinden, untersuchen wir die Veränderungen in den Einstellungen gegenüber Lesben und Schwulen.

Weiterhin interessiert uns, wie Diskriminierungsprozesse aufgrund der Gruppenzugehörigkeit der sexuellen Orientierung mit anderen Gruppenzugehörigkeiten zusammenwirken: Wir beschäftigen uns im Rahmen eines intersektionalen Forschungsschwerpunktes mit der Frage, wie sich Prozesse von Diskriminierung auswirken, wenn eine Person mehreren stigmatisierten Identitäten angehört. Dieser Forschungsansatz geht davon aus, dass sich Erfahrungen von Diskriminierung in diesem Fall nicht addieren, sondern dass zwischen ihnen eine komplexe Wechselwirkung besteht. Hierzu variieren wir in einigen Experimenten zusätzlich die Nationalität der Bewerber/-innen und untersuchen, wie beispielsweise Personen mit Namen deutscher und türkischer Herkunft und unterschiedlicher sexueller Orientierung eingeschätzt werden.

Mitarbeiter/innen:

Claudia Niedlich

Projektleitung:

Melanie Steffens