Historie
Das Institut für Kunstwissenschaft blickt auf eine mehr als 100jährige Tradition zurück, die in der Gründung des Königlich-Preußischen Lehrerinnenseminars 1903 in Koblenz wurzelt und der Erforschung und der Vermittlung des Mediums Kunst verpflichtet ist.
Nachdem 1794 französische Revolutionstruppen bis zum Rhein vorgedrungen waren und die ehemals kurfürstliche Residenzstadt Koblenz 1798 Hauptstadt des Departement Rhein-Mosel geworden war, hielten im Rheinland die Errungenschaften der Aufklärung und der Revolution Einzug. Während östlich des Rheins die alte Ordnung von Monarchie und ständischer Sozialordnung fortbestand, erlebten die Gebiete westlich des Stroms den Eintritt in die Moderne. Basierend auf den Prinzipien bürgerlicher Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und liberaler Wirtschaftsordnung vollzog sich eine politisch-soziale Neuordnung, in der sich Wertvorstellungen und Rechtsnormen durchsetzten, die bis in die Gegenwart wirken.
Obwohl die Neuordnung des Schulwesens Vorrang hatte, wurden Lehrerbildungsstätten und Hochschulen anfänglich noch vernachlässigt. Die alten Universitäten im Rheinland waren 1798 aufgelöst und stattdessen durch das Schulgesetz 1802 Spezialschulen vorschrieben worden. 1806 wurde in Koblenz eine Rechtsschule gegründet, die 1809 zur Juristischen Fakultät erhoben, jedoch 1816, nachdem die Preußen Bonn zur Universitätsstadt der Rheinprovinz bestimmt hatten, wieder geschlossen. Und auch die Lehrerbildungsstätte, deren Einrichtung in Koblenz 1807 Präfekt Lezay-Marnésia veranlasst hatte, überdauerte die französische Regierungszeit nicht. Sie schloss bereits während der Kriegswirren 1813.
Seit 1815 herrschten die Preußen an Rhein, Mosel, Saar und im Gebiet Eupen-Malmedy. Hauptstadt der daraus entstandenen preußischen Rheinprovinz (1824-1945) war Koblenz. 1825 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt, wobei die Aufsicht über das Schulwesen in den Händen der Geistlichkeit lag, die sich in alter Tradition kraft ihres kirchlichen Amtes für diese Aufgabe vorgesehen sah. Erst durch die Kulturkampfgesetze wurde 1872 dem Staat die Aufsicht über die Schulen zugewiesen; Geistliche waren für diese Aufgabe künftig nur noch im Auftrag des Staates zugelassen. Folge war nicht nur die Notwendigkeit zu einer Neuordnung der Lehrerbildung. Verstärkt durch den Bevölkerungszuwachs seit dem späteren 19. Jahrhundert in der Rheinprovinz (Einw. 1849 rd. 2,82 Mio; 1905 rd. 6,43 Mio; 1910 rd. 7,12 Mio) ergab sich auch ein größerer Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern. Um die benötigten Kräfte ausbilden zu können, wurde 1903 das Königlich-Preußische Lehrerinnenseminar in Koblenz gegründet. 1909 wurde das neue Gebäude auf der Halbinsel Oberwerth bezogen.

Die Gründung des Seminargebäudes auf der Anfang des 20. Jahrhunderts noch nahezu unbewohnten Halbinsel Oberwerth war für die Stadt, die sich nach der Mitte des 19. Jahrhunderts weiter nach Süden auszudehnen begonnen hatte, urbanistisch von großer Bedeutung. Das stattliche Gebäude am Rheinufer stand am Beginn der späteren Bebauung auf dem Oberwerth, das heute zu den vornehmeren Wohngegenden der Stadt zählt.
Nach dem Ende der Monarchie stieß die Konzeption der Königlich- Preußischen Bildungseinrichtung nur noch auf wenig Verständnis. Die Idee der einfachen Volksschullehrerbildung stand nicht im Einklang mit den höheren Bildungsvorstellungen in der Weimarer Republik. 1925 wurde das Lehrerinnenseminar in Koblenz geschlossen und die Gebäude vorübergehend einer anderen Nutzung zugeführt.
1937 richteten die Nationalsozialisten in dem Gebäude auf dem Oberwerth die Hochschule für Lehrerinnenbildung ein, die 1942 kriegsbedingt in eine Lehrerinnenbildungsanstalt mit niedrigerem Ausbildungsniveau umgewandelt wurde: Abiturientinnen konnten in einem Jahr, Mittelschülerinnen in drei und Volkschülerinnen in fünf Jahren zu Volkschullehrerinnen ausgebildet werden.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ordnete die französische Militärregierung die Einrichtung Pädagogischer Akademien an. Die durch Kriegseinwirkung beschädigten Seminargebäude in Koblenz wurden wiederhergestellt und 1950 wieder dem ursprünglichen Zweck zugeführt. Als 1960 die Umwandlung der Pädagogischen Akademie in eine Pädagogische Hochschule folgte, hatte dies u.a. eine verstärkt auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen basierende Lehre zur Folge. Als 1968 durch das Gesetz über die Grund-, Haupt- und Sonderschule eine Neubestimmung dieser Bildungseinrichtungen folgte, die über das Bildungsziel der früheren Volksschule hinausging, stellte dies fachlich und didaktisch neue Anforderungen an die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. In der Folge einer Neuordnung, zu der auch die Abschaffung der konfessionellen Lehrerbildung gehörte, wurden die sechs bestehenden Pädagogischen Hochschulen in Rheinland-Pfalz aufgelöst und stattdessen 1969 die Erziehungswissenschaftliche Hochschule (EWH) Rheinland-Pfalz mit den Abteilungen in Koblenz, Landau und Worms eingerichtet. Da die EWH den Status einer wissenschaftlichen Hochschule mit dem Recht zur Promotion und zur Habilitation besaß und im Laufe der folgenden Jahre das Studienangebot weit über den Bedarf der Lehrerbildung hinaus ausdehnte, erhob sich immer häufiger die Forderung nach der Gründung einer Universität.
1990 war es soweit: Die EWH Rheinland-Pfalz wurde aufgelöst. Im selben Jahr wurde die Universität Koblenz-Landau gegründet. Sie gehört zu den jüngsten, mit rd. 13.000 Studierenden aber bereits zu den mittelgroßen Universitäten in Deutschland. 2003 ist in Koblenz der neue Campus oberhalb des Moselufers bezogen worden.

Während der Weg vom königlich-preußischen Lehrerinnenseminar (1903) bis zur EWH (1969-1990) eine konsequente Entwicklung der Lehrerbildung in Rheinland-Pfalz darstellte, bewirkte die Gründung der Universität (1990) einen tiefgreifenden Wandel. Zwar befand sich die Einrichtung in Koblenz bereits seit längerem auf dem Weg hin zu einer wissenschaftlichen Hochschule. Jedoch begegnet an der Universität intensiver als vorher geschehen der praxisorientierten Ausbildung von Studierenden für das Lehramt und anderer anwendungsbezogener Studienfächer die Herausforderung wissenschaftlicher Forschung.
Seit Beginn der Lehrerbildung nahm das Unterrichtsfach Bildende Kunst in Koblenz eine wichtige Rolle ein. Nachdem im Königlich-Preußischen Lehrerinnenseminar anfänglich Zeichenunterricht stattgefunden hatte, folgte später eine umfassendere künstlerisch-praktische Ausbildung. Seit Gründung der Universität (1990) entwickelte sich daraus eine moderne fachwissenschaftliche, kunstdidaktische und künstlerisch-praktische Ausbildung für das Unterrichtsfach Bildende Kunst an Grundschulen, Realschulen und Gymnasien.
Den anderen Ausbildungsschwerpunkt des Instituts bildete der Magister-Studiengang Kunstwissenschaft. Die Besonderheit dieses Studienganges in Koblenz bestand in der Anforderung, neben den fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen auch solche aus den fachdidaktischen sowie künstlerisch-praktischen Bereichen zu besuchen. Dies erweiterte die Einsatzmöglichkeiten der Absolventinnen und Absolventen, deren fachliche Fähigkeiten im Kern aus dem Bereich der klassischen Inhalte der Kunstgeschichte stammen, darüber hinaus aber auch über Kenntnisse aus Nachbarbereichen verfügten. Mit der Einrichtung von Bachelor/Masterstudiengängen läuft der Studiengang seit 2006 aus.
Seit 2000 übernimmt das Institut einen Teil der Ausbildung im interdisziplinären Studiengang Computervisualistik mit der in Deutschland bislang einzigartigen Kombination von Informatik, Kunstwissenschaft und anderen Studienfächern, der mit dem Bachelor/Master of Science (BSc/MSc) abgeschlossen wird.
Den anderen Ausbildungsschwerpunkt des Instituts bildete der Magister-Studiengang Kunstwissenschaft. Die Besonderheit dieses Studienganges in Koblenz bestand in der Anforderung, neben den fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen auch solche aus den fachdidaktischen sowie künstlerisch-praktischen Bereichen zu besuchen. Dies erweiterte die Einsatzmöglichkeiten der Absolventinnen und Absolventen, deren fachliche Fähigkeiten im Kern aus dem Bereich der klassischen Inhalte der Kunstgeschichte stammen, darüber hinaus aber auch über Kenntnisse aus Nachbarbereichen verfügten. Mit der Einrichtung von Bachelor/Masterstudiengängen läuft der Studiengang seit 2006 aus.
Seit 2000 übernimmt das Institut einen Teil der Ausbildung im interdisziplinären Studiengang Computervisualistik mit der in Deutschland bislang einzigartigen Kombination von Informatik, Kunstwissenschaft und anderen Studienfächern, der mit dem Bachelor/Master of Science (BSc/MSc) abgeschlossen wird.
Seit 2008 ist das Institut für Kunstwissenschaft an dem Studiengang Kulturwissenschaft beteiligt, der für den Bachelor/Master of Arts (BA/MA) qualifiziert.
Ebenfalls seit 2008 führt das Institut für Kunstwissenschaft Bachelor-/Masterstudiengänge für das Lehramt Bildende Kunst für Realschule und Gymnasium durch, die mit dem Bachelor/Master of Education abschließen. Jedoch sollen diese Studiengänge aus Kostengründen ab Sommersemester 2013 wieder eingestellt werden.
Durch die Beteiligung an den nicht lehramtsbezogenen, forschungsorientierten Bachelor-/Masterstudiengängen Kulturwissenschaft und Computervisualistik wird die Erforschung der kulturellen Funktion des Mediums Kunst und seiner Vermittlung gestärkt. Um der daraus folgenden Unterschiedlichkeit in den Zielen und der Struktur der fachwissenschaftlichen Lehre und Forschung einerseits und dem Unterricht für die künstlerische und die kunstpädagogische Praxis andererseits zu entsprechen, wurde das Institut für Kunstwissenschaft 2011 in das Seminar für Kunstgeschichte, das Seminar für Kunstpädagogik und den Arbeitsbereich Digitale Medien geteilt.
Ludwig Tavernier
last modified
Apr 26, 2012 08:42 PM
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