Nutzenpotentiale semantischer Technologien im eBusiness

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Andreas Abdecker, FZI Karlsruhe

Semantische Technologien gewinnen in den vergangenen Jahren zunehmendes Interesse in der Forschung, haben aber auch schon die ersten marktgängigen Produkte und produktiven Anwendungen in der Praxis hervorgebracht. Die Idee semantischer Technologien ist es, die begrifflichen und konzeptionellen Strukturen, mit denen Menschen über gewisse Anwendungsbereiche reden bzw. die Computerysteme für Anwendungen in solchen Anwendungsbereichen teilweise durch Datenstrukturen abbilden, sehr umfassend und tiefgreifend mit formalen Modellen zu beschreiben. Solche Modelle, die sogenannten Ontologien, werden in mathematisch wohlfundierten Sprachen formuliert, die das internationale Koordinationsgremium für das World Wide Web (World Wide Web Consortium - W3C) standardisiert. Diese Sprachen basieren auf der mathematischen Logik und ermöglichen beispielsweise logische Schlussfolgerungen über Hintergrundwissen, um Software-Anwendungen intelligenter, effektiver oder effizienter machen zu können.

Typische Aufgabenstellungen, die durch semantikbasierte Ansätze besser gelöst werden können, sind insbesondere die Informationssuche, die Software-Interoperabilität (inner- und zwischenbetrieblich: EAI, B2B) und Ratgebersysteme (z.B. in Call Centers und im Customer Support allgemein).

Typische Anwendungsgebiete sind heute z.B. solche mit einer sehr großen Zahl von Parteien, die in Geschäftsprozessen miteinander interagieren müssen und bei denen eine "gemeinschaftliche Sicht auf die Welt" aus der Sache heraus existiert, durch gewisse organisatorische Rahmenbedingungen gut erreicht werden bzw. durch gesetzliche Rahmenbedingungen "erzwungen" werden kann - beispielsweise das Gesundheitswesen (eHealth) oder die öffentliche Verwaltung (eGovernment, Umweltdaten). Im Bereich der Informationssuche kann Semantik in komplexen Anwendungsfeldern hilfreich sein (z.B. in der Bioinformatik), bei anfangs unklar spezifizierten Anfragen (bspw. auf einer eBusiness-Plattform) oder auch beim Suchen komplexer Artefakte oder Sachverhalte - das kann konkret sehr vieles bedeuten, bspw. technische Zeichnungen, Versicherungsdienstleistungen, elektronische Schaltungsentwürfe oder auch Mitarbeiter-Kompetenzprofile. Anwendungsgebiete für Ratgebersysteme sind typischerweise durch eine hohe technische Komplexität der zu wartenden Produkte/ Anlagen und kritische Zeitanforderungen für die Anfragebearbeitung gekennzeichnet, wie z.B. bei der Fehlerdiagnose von roboterbasierten Produktionsstraßen.

Der Vortrag stellt die wesentlichen Grundideen des Semantic Web vor, skizziert heute verfügbare Werkzeuge und Grundlagen semantischer Technologien und diskutiert - grundsätzlich und anhand konkreter Anwendungsbeispiele - Nutzenpotentiale im betrieblichen Kontext und im eBusiness.

Biographie

Andreas Abecker studierte Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der TU Kaiserslautern. Am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI GmbH) arbeitete er acht Jahre lang als Forscher und Projektleiter an anwendungsorientierter Forschung und Technologietransfer in den Bereichen Technische Expertensysteme, Data Mining und Text Mining, Organisationsgedächtnis und Wissensmanagement. Seit 2003 leitet er am Karlsruher Forschungszentrum Informatik (FZI) zusammen mit Prof. Rudi Studer das Team "WIM - Wissensmanagement und Semantische Technologien" und promovierte auch an der Universität Karlsruhe (TH) über das Thema "Geschäftsprozessorientiertes Wissensmanagement". Das WIM-Team arbeitet einerseits eng mit den Forschern der Universität Karlsruhe am Institut AIFB zusammen und andererseits mit den Produkt- und Projektteams der Karlsruher Ontoprise GmbH, dem deutschen Marktführer in semantischen Technologien. Außer Verbundforschungsprojekten in Programmen des Forschungs- und des Wirtschaftsministeriums (BMBF, BMWi), des Landes Baden-Württemberg oder der Europäischen Union bearbeitet das WIM-Team Auftragsforschung (Pilotprojekte, Marktstudien, technische Machbarkeitsanalysen, Schulungen, Technologieworkshops, etc.) für private (z.B. SAP, Siemens, IBM, Daimler, EnBW,Bosch Rexrodt, Seburger AG, Group Technologies) und öffentliche (z.B. Landesamt für Umwelt Baden-Württemberg) Auftraggeber. Arbeitsthemen vom WIM umfassen semantische Technologien für intelligente Such- und Portalanwendungen oder auch Ratgebersysteme im Customer Support, intelligente SOA-Ansätze, Informationsintegration, Data und Text Mining, Wissensmanagement-Einführungsstrategien, Lösungen für die Digitale Fabrik, Semantik und Wissensmanagement im Software Engineering, Web 2.0 und Social Software u.a.m. A. Abecker gibt Vorlesungen zu "Wissensbasierten Systemen", "Semantischen Technologien" oder auch "Wissensentdeckung in Datenbanken" an der Universität Karlsruhe (TH) und an den Berufsakademien Mosnbach und Karlsruhe.

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  • Kolloquium WI-Forum
When Jan 25, 2007
from 04:00 PM to 06:00 PM
Where A 120
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