Landauer Vorlesungsreihe: Gender in der Popkultur

Donnerstag, 18.15, Raum 005, Rote Kaserne, Marktstr. 40, Landau

Ken und Barbie, Germany's Next Topmodel, Der Bachelor, Frauentausch, Angela Merkels Dekolltée, Gerhard Schröders Haare, Prinzessin Lillifee, Baumeister Bob, Altweiberfasching, Ladies’ Night in der Disco,  Junggesellenabschied,   Superman, Catwoman, Queer as Folk, „Zehn Nackte Friseusen“, Men’s Health, Bild der Frau, blau für Jungs, rosa für Mädchen–

unser Alltag ist durch und durch geprägt von Gender, unserem sozialen Geschlecht. Daher besitzen wir alle auch Alltagswissen darüber. Wir wissen „wie Männer sind“, „wie Frauen sind“ und wie aus Mädchen und Jungs „ordentliche“ Frauen und Männer werden. Besonders gut beobachten lässt sich dieses Alltagswissen in der Populärkultur, der Kultur der Massen oder des Volkes, häufig auch definiert als „außerhalb der hohen Kultur“. Vorstellungen und Ideen, aber auch Ideale einer Gesellschaft spiegeln sich in der Popkultur. Somit ist es besonders lohnend, Phänomene der Popkultur zu analysieren, um herauszufinden, was in einer Kultur, in einer Gesellschaft, über das Thema Geschlecht gedacht wird, welche Wertvorstellungen und Normen es gibt und wie sich diese im Laufe der Geschichte ändern.

Diese Art des Erkenntnisgewinns ist denn auch das Anliegen der Vorlesungsreihe Gender in der Popkultur. Sie ist die Fortsetzung der im Wintersemester 2011/12 durchgeführten Reihe Gender, in der ReferentInnen der Unversität Koblenz-Landau sprachen. In der aktuellen Reihe werden WissenschaftlerInnen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Forschung präsentieren und unter Beweis stellen, dass universitäre Forschung durchaus mit unser aller Alltag zu tun hat.

Die Vorträge sind so konzipiert, dass sie sowohl für Studierende und die interessierte Öffentlichkeit als auch für Lehrende ansprechend und verständlich sind. Es sind alle herzlich eingeladen!

 

PROGRAMM:


19. April 2012, 17.30 im Foyer der Roten Kaserne:

AUFTAKTVERANSTALTUNG mit Sektempfang & Gewinnspiel.

Und aus Neustadt: Les Kamerades Maskentheater

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www.les-kamerades.de

►►Gewinnspiel: Gender-Quiz_zum_Selbstausdrucken

Anschließend: Vortrag von GREGOR SCHUHEN (Siegen):

Frau am Steuer Ungeheuer! Autofahren und Gender Trouble - Von Proust über Tarantino bis Madonna

Abstract : Der Vortrag möchte einen Beitrag leisten zur Literatur- und Mediengeschichte autofahrender Frauen. Das Automobil wird dabei verstanden als stereotypisches Statussymbol hegemonialer Männlichkeit, was zur Folge hat, dass der weibliche Griff ans Steuer als Bedrohung der heteronormativen Geschlechterordnung empfunden und gerade in der Populärkultur auch häufig so dargestellt wird. Ausgehend von Prousts geschlechtlich ambivalenten Kutschenfahrerinnen über Tarantinos rächende Frauen (Kill Bill & Death Proof) bis hin zu Madonnas motorisierter Gewaltorgie im Videoclip zu "What it feels like for a Girl" (2001, Regie: Guy Ritchie) soll das aus genderspezifischer Sicht subversive Potenzial weiblicher, autofahrender Actionheldinnen nachgezeichnet und diskutiert werden.

  

schuhen 

Bio: Schuhen, Gregor, Dr. phil., Juniorprofessor für Romanische und Allgemeine Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Men’s Studies an der Universität Siegen. Vorher wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Forschungsprojekt „Macht- und Körperinszenierungen. Modelle und Impulse der italienischen Avantgarde“ an der Universität Siegen, 2005 bis Okt. 2006 wiss. Mitarbeiter an der Universität Leipzig; Forschungsschwerpunkte: Französische Literatur vom 17. bis 20. Jh., Gender und Men’s Studies, Pop- und Jugendkultur, klassische Avantgarden, Intermedialität im aktuellen Film, Wissenschaftsgeschichte. Dissertation: Erotische Maskeraden. Sexualität und Geschlecht bei Proust (Heidelberg, 2007). Seit Sept. 2011 Leiter der Forschungsstelle für Literatur & Men’s Studies (LIMES) an der Universität Siegen.
 

03. Mai 2012

KERSTIN BRONNER (St. Gallen):

Grenzenlos normal? Oder: (Un)doing gender und (un)doing heteronormativity an Fastnacht

Abstract: Fastnacht spielt mit Slogans wie „Verkehrte Welt“, „Ausseralltäglichkeit“ oder „Narrenfreiheit“. Gelten solche Öffnungen von Alltagsnormen auch für kulturelle Gender- und Heteronormativitätszuschreibungen – oder anders gefragt: bietet der fastnächtliche Rahmen Möglichkeiten des Experimentierens mit derartigen Zuschreibungen? Diese Fragen werden im Fokus des Vortrags stehen. Ebenso werden forschungspraktische Fragen hinsichtlich solcher sich höchst implizit vollziehender „doing-Prozessen“ diskutiert.
 
 

Bronner

Bio: Dr. Kerstin Bronner: Wiss. Mitarbeiterin an der FHS St. Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit in Lehre und Forschung. Schwerpunkte: Gender/ Intersektionalität, Biografie, Theorie- und Methodenentwicklung, Lebensweltorientierung, Professionelles Handeln, Qualitative Forschungsmethoden. Zuvor Wiss. Angestellte, Uni Tübingen, Institut für Erziehungswiss., Abt. Sozialpädagogik, 2009 Forschungsaufenthalt am Institut of Feminist Studies der University of California, Santa Barbara, USA.
 

10. Mai 2012

JANA NITTEL (Bremen):

“Die Hexe ist tot”–Männlichkeit und Emotionen in Bond 21: Casino Royale (2006)

Abstract: Die James-Bond-Serie des britischen Autoren Ian Fleming sowie deren filmische Adaptationen, die sich seit mehr als fünf Jahrzehnten stetig steigender Popularität erfreut, ist unumstritten ein kulturelles Phänomen und erweckt als popkulturelle Ausnahmeerscheinung immer wieder das Interesse für medien-und kulturwissenschaftliche Untersuchungen. Während die Dreharbeiten zum mittlerweile 23. Bond-Film derzeit in Istanbul für Unruhe sorgen, konzentriert sich dieser Vortrag auf den bereits 2006 in den Kinos erschienen 21. Bond-Film Casino Royale, in dem Daniel Craig, bis dahin nur einem britischen Film-und Theaterpublikum vertraut, die Rolle des James-Bond-Darstellers übernahm. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der vermuteten (Re)Konstruktion von tradierten Männlichkeitsbildern, auch wenn Szenen eines in Tränen aufgelösten königlichen Agenten zunächst das Gegenteil vermuten lassen.
 
 
Nittel
 
Bio: Dr. Jana Nittel: Seit April 2010 Universitätslektorin für Literatur- und Medienwissenschaften im Studiengang English-Speaking Cultures/Englisch an der Universität Bremen; promovierte 2007 an der Roehampton University London. Ihre Forschungsschwerpunkte konzentrieren sich auf Konstruktionen von Männlichkeitsbildern in der britischen Literatur des 20. Jahrhunderts, Geschlechterforschung, genrespezifische Entwicklungen in der Kriminalliteratur und im Kriminalfilm, Science Fiction unter kulturgeschichtlichen Aspekten sowie postkoloniale und transkulturelle Perspektiven in der Reiseliteratur der englischsprachigen Kulturen. 
 

24. Mai 2012

NINA DEGELE (Freiburg):

Fußball populär: Körper zwischen Kultisierung und Tabuisierung

Abstract: Fußball ist nicht nur hoffähig geworden, sondern auch sexy: David Beckham, Fatmire Bajramaj und Christiano Ronaldo inszenieren nicht nur ihr fußballerisches Können, sondern auch ihre Körper. Was dies mit Körperkult, aber auch mit damit verbundenen Tabuisierungen zu tun hat, ist Thema dieses Vortrages - im Fußball und darüber hinaus.

 

Degele

Bio: Nina Degele, geb. 1963, seit 2000 Professorin für Soziologie und Gender Studies an der Uni Freiburg. Forschungsschwerpunkte: Soziologie der Geschlechterverhältnisse, Modernisierung, Körper, Sport, qualitative Methoden.

 


14. Juni 2012

KATHRIN MÜLLER (Lüneburg):

Warum Frauen Brigitte lesen: Alltagskulturelles Handeln und Doing Gender bei der Frauenzeitschriftenlektüre

Abstract: Warum lesen Frauen Frauenzeitschriften? Diese Frage bewegt die feministische Forschung seit den 1970er Jahren. Der Vortrag gibt neue und vor allem erstmals empirisch fundierte Antworten: Im Zentrum stehen Ergebnisse einer Studie, in der Leserinnen der klassischen Frauenzeitschrift "Brigitte" befragt wurden. Sie erlauben eine Neubewertung des Frauenzeitschriftenlesens als alltagskulturelles Medienhandeln. Thematisiert wird unter anderem, wie bei der Lektüre Gender (de-)konstruiert wird.

 

Müller

Bio: Dr. Kathrin Friederike Müller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienkultur der Leuphana Universität Lüneburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die kommunikationswissenschaftlichen Gender Studies, Theorien und Methoden der Rezeptionsforschung, Cultural Media Studies sowie die Frauenzeitschriftenforschung.
 

21. Juni 2012

NATASCHA HAAS (Landau): 

Zwischen “schwer erträglicher Mütterlichkeit” und “schrill, tough, ein bisschen too much”? Ermittlerinnen im Tatort

Abstract: Die Fernsehkrimireihe Tatort wird oft als Spiegel der Gesellschaft bezeichnet. Wie steht es da um Frauenbilder? In der Vorlesung werden die zurzeit aktiven Ermittlerinnen unter die Lupe genommen. Wie werden sie dargestellt, welche Rollen nehmen sie ein – sowohl funktional in der jeweiligen Handlung als auch im Vergleich zu ihren männlichen Pendants – und warum gibt es eigentlich noch kein Team aus zwei Kommissarinnen? 

  

Haas

Bio: Nach dem Studium der Anglistik und Theologie für das Lehramt an Gymnasien an der Universität Heidelberg und einem einjährigen Auslandsaufenthalt in Edinburgh begann ich 2008 meine Promotion in anglistischer Literatur- und Kulturwissenschaft (betreut von Prof. Schnierer, Heidelberg) zum Thema „Darstellung nationaler Identität im zeitgenössischen schottischen Kriminalroman“. Bis 2011 unterrichtete ich daneben an der Universität Heidelberg (Anglistik und Zentrales Sprachlabor), seit Oktober bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Starck in Landau.
 

5. Juli 2012

EVA FLICKER (Wien):

Fashionable Power: Politik-Mode-Geschlecht

“Hillary´s hair clip brings out critics“, “Angela Merkel bei den Salzburger Festpsielen im selben Outfit wie schon 2008”  – Medienzitate wie diese machen deutlich, welchen täglichen Seiltanz Politikerinnen in der Ausübung ihrer Funktion absolvieren. Auf den großen Bühnen der Politik sind Frauen immer noch Ausnahmefiguren, die wenigen sind Repräsentantinnen aufbrechender Geschlechterordnungen  und gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Medien verfolgen sie nicht nur in ihren beruflichen Rollen sondern in ihrer gesamten persönlichen Erscheinung auf Schritt und Tritt. In der medialen Bildergesellschaft werden dabei besonders visuelle Aspekte hervorgehoben: Körper, Kleidung, Frisur, Körpersprache, Mimik uvm stehen unter kritischer Beobachtung. Der Vortrag skizziert anhand aktueller Beispiele eine soziologische Analyse von visuellen Kodierungen politischer Macht, vergeschlechtlichten Inszenierungen und medialen Praktiken der Herstellung von Geschlechter(un)ordnung.
 

Flicker

Bio: Eva Flicker, Jg. 1963, Professorin für Soziologie, Institut für Soziologie der Universität Wien. Arbeitsschwerpunkte: Film-, Medien- und Kommunikationssoziologie, Visual Studies, Gender Studies, Gruppendynamik und Organisationsforschung. Studienprogrammleiterin für MA-Studium Gender Studies der Universität Wien. 
 

12. Juli 2012

MAJA FIGGE (Oldenburg):

Bewegungen und Beziehungen: Männlichkeit und Weißsein im bundesdeutschen Kino der 1950er Jahre

Abstract: Anhand der verschiedenen, teils widersprüchlichen filmischen und diskursiven Bewegungen und Beziehungen in und zwischen ausgesuchten Filmen des Jahrzehnts analysiert der Vortrag die Figurationen von Weißsein und Männlichkeit im bundesdeutschen Kino der 1950er Jahre. Vor dem Hintergrund Schwarzer Präsenzen in der frühen Bundesrepublik lassen sich ausgehend von den Einblendungen von Schwarzsein die verschiedenen historischen und medialen Schichtungen nachvollziehen, in denen sich koloniale Imaginationen, Hollywoodbildrepertoire, Dis/Kontinuitäten zum rassistischen Menschenbild des Nationalsozialismus und den Versuchen, diese auszublenden und zu überblenden nachvollziehen. Dabei wird deutlich, dass die Schichtungen jedoch stets im Kontext der Bemühungen der Abgrenzung vom Nationalsozialismus und dem Bemühen um Entschuldung, Heilung und Integration zu betrachten sind. In der Analyse von Die große Versuchung (BRD 1952, R: Rolf Hansen), Der Stern von Afrika (BRD 1956/57, R: Alfred Weidenmann) und Alle lieben Peter (BRD 1959, R: Wolfgang Becker) lässt sich zeigen, dass die Figurationen weißer Männlichkeit als Selbstentwürfe zu verstehen sind, die Deutschsein als Weißsein herstellen, und als Ausdruck des Bemühens zu werten sind, moralische Integrität oder Unschuld (wieder) zu erlangen.
 
Bio: Maja Figge, M.A. ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin. Studium Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte, Neuere und Neueste Geschichte in Bremen und Berlin, promoviert am Institut für Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation „Ausblendungen, Einblendungen, Überblendungen. (Wieder-) Herstellungsprozesse von Deutschsein im bundesdeutschen Kino der 1950er Jahre“. Dort von 2007–2010 assoziiert am DFG-Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“. Lehraufträge an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Ruhr-Universität Bochum. Seit November 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunst und visuelle Kultur der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Zuletzt erschienen: „Scham und Schuld. Geschlechter(sub)texte der Shoah“ (transcript 2010, herausgegeben mit Konstanze Hanitzsch und Nadine Teuber) und „‘Der Konsum hilft!‘ Rassismus und Heilung durch Integration in Toxi“, in Klaus Krüger et al. (Hg.): Um/Ordnungen. Fotografische Menschenbilder zwischen Konstruktion und Destruktion (Fink 2010). 
 

19. Juli 2012

INES DETMERS (Konstanz):

Männer satt?! Überdruss und Männlichkeit im neodekadenten Roman: Christian Krachts “Faserland” und Salman Rushdies “Fury”

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Bio: Dr. Ines Detmers (Konstanz), Studium Anglistik /Amerikanistik und Romanistik (spanische Literatur) an den Universitäten Duisburg, Oxford und Barcelona. Seit 1998 wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Bereichen englische Literaturwissenschaft und British Cultural Studies an den Universitäten Dresden, Jena, Chemnitz und Konstanz. Promotion an der TU Dresden im Jahr 2007 mit einer Arbeit zur Gegenwartslyrik von Frauen in Großbritannien. Von Okt. 2011 bis Sept. 2011 Fellow am Exzellenzkolleg der Universität Konstanz. Zur Zeit tätig als freie Dozentin am Lehrstuhl von Aleida Assmann in Konstanz.Forschungsinteressen: zeitgenössische britische Lyrik; britischer Roman vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart mit Schwerpunkt Geschlechter- und Gattungstheorie sowie Intertextualitäts- und Gedächtnisforschung.
 


 

Kontakt bei Fragen zur Vorlesungsreihe:

Prof. Dr. Kathleen Starck

Universität Koblenz-Landau, Campus Landau

FB 6 - Anglistik

Marktstraße 40

76829 Landau/Pfalz

Tel.: 06341/280-33208

starck@uni-landau.de

 


MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON:

Weingut KranzKranz

UNIVERSUM kinocenter Landau

UNISHOP Universität Koblenz-Landau

 

zuletzt verändert: 20.06.2012 17:43

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