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Schulpastoral – der Dienst der Kirche an den Menschen im Handlungsfeld Schule

Mit über 100 Teilnehmern fand am Campus Koblenz der Kongress „Pluralitätssensible Schulpastoral angesichts religiöser und kultureller Diversität“ statt, den Prof. Dr. Angela Kaupp von der Universität Koblenz-Landau in Kooperation mit dem Institut für Lehrerfortbildung Mainz und Diözesanverantwortlichen für Schulpastoral organisierte. Finanziell gefördert wurde die Veranstaltung unter anderem durch das Zentrum für Lehrerbildung und den Forschungsfonds der Universität Koblenz-Landau.

Dr. Susanne Müller-Using, Universität Osnabrück. Bild: Tom Schneider, TMO-Bilderwelten

Dr. Susanne Müller-Using, Universität Osnabrück. Bild: Tom Schneider, TMO-Bilderwelten

Der Bogen war im Verlauf der Tagung weit gespannt worden: Aus schulpädagogischer Perspektive ging Dr. Susanne Müller-Using, Universität Osnabrück, auf die multikulturelle Situation von Schule ein und appellierte dafür, von den Kinder- und Menschenrechten her die pädagogischen Leitlinien in den Schulen auszurichten.

In seiner Response auf diesen Vortrag hob der Religionsdidaktiker Dr. Ulrich Kumher hervor, dass die Erklärung der Bischöfe immer noch aktuell sei, wenn es darum geht, empathiegeleitete Beziehungen zu gestalten und sich mutig der Auseinandersetzung mit fremden Religionen und Kulturen zu stellen. Wichtig sei es, sich in interkulturellen und interreligiösen Überlappungssituationen der Sensibilität für das Humanisierungspotenzial von Religionen und für ihre Ressourcen Lebenssinn und Gemeinschaftsförderung bewusst zu sein und diese situationsbezogen einzuspeisen.

Prof. Dr. Winfried Gebhardt, Universität Koblenz-Landau, ging auf die religiöse und kulturelle Pluralisierung ein, die sich aus Transformationsprozessen und darin befindlichen Binnendifferenzierungen ergeben und die Individuen sowie die Gesellschaft betreffen.

Dass schulpastorale Ansätze und Projekte in der Lage sein können, pluralitätssensibel konkrete Situationen zu gestalten, wurde am Abend deutlich: Aus der Fritz Philippi-Grundschule in Breit-scheid stellten sechs Schülerinnen und Schüler ihre Überlegungen, Initiativen und Erfahrungen vor, die sie beim Einüben des gegenseitigen „Wahrnehmens und Ansehens“ in einer multikul-turellen und vielfältig religiösen Schule gewonnen haben. Die sechs Jugendlichen stammen zum Teil aus einer sogenannten Flüchtlings- bzw. Integrationsklasse. Sie wurden begleitet von ihrer Religionslehrerin und Schulseelsorgerin Sabine Schüller.

Die Schulleiterin der katholischen Marienschule in Offenbach, Marie Luise Trocholepczy, berichtete von den eindrucksvollen Erfahrungen, die in der Schule gemacht wurden, seit die Entscheidung gefallen war, auch jüdische und muslimische Mädchen in die Schule aufzunehmen.

Ebenfalls erfahrungsbezogen referierte die Ordinariatsrätin der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Ute Augustyniak-Dürr. Sechs Jahre hatte sie mit ihrer Familie an der Grenze zu Israel in Palästina Erfahrungen in einer fremden Kultur gesammelt. Daraus hat die Leiterin der Hauptabteilung Schulen einen „interkulturellen Code“ entwickelt: Für das Gelingen der Begegnungen seien vor allem das gegenseitige Interesse und eine wechselseitige Wertschätzung, Respekt und eine Dankbarkeit von großer Bedeutung. Zu den zentralen Aufgaben der Schulpastoral zählt aus ihrer Perspektive das Bemühen, Menschen auf dem Hintergrund ihrer Lebenswelt zu verstehen und friedensstiftend zu wirken.

Bereits der Titel „Religionensensible Schulpastoral als Beitrag zu einer humanen Schulkultur“, den der Wiener Religionspädagoge Prof. Dr. Martin Jäggle seinem Vortrag gegeben hatte, weist darauf hin, dass neben der Pluralitätssensibilität als soziologischem Zugang, in Schulen die Frage nach der Religionen- und Religionssensibilität zu stellen ist. Er plädierte nicht nur dafür, dass Humanität sich in einer Offenheit für die Welt, die Zukunft und die Transzendenz zeige, sondern auch das Fragmentarische berücksichtige, vor allem, wenn Leid, Trauer und Schuld im Schulalltag vorkommen. In seinem Vortrag setzte er sich überzeugend für einen Ansatz der Differenzsensibilität ein. Nicht die Pluralität stelle das Problem dar, sondern der Kontext, in dem Menschenrechte be- oder missachtet werden.

„Es ist ungewöhnlich, das zwanzigste Jubiläum einer Bischöflichen Erklärung zu feiern. Es ist jedoch richtig, die Wirkungsgeschichte an diesem Nachmittag in den Blick zu nehmen und festzustellen, dass die Schulpastoral einen wichtigen Dienst der Kirche bei den Menschen in der Schule leistet und gerade deshalb stark nachgefragt ist“, betonte der Vorsitzende der Konferenz der Leitungen der bundesweiten kirchlichen Schulabteilungen, Dr. Jörg Dieter Wächter, die Jubiläumsfeier.

In seinem Grußwort wies der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters darauf hin, sowohl die Erklärung der Deutschen Bischöfe als auch das 2015 erschienene Handbuch Schulpastoral hätten dazu beigetragen, dass in vielen Bistümern die Bedeutung und die Möglichkeiten der Schulpastoral erkannt werden. Er halte den Perspektivwechsel für notwendig, der in der Schulpastoral dazu führe, sich an konkreten Situationen und Charismen zu orientieren. Als bemerkenswert wertete der Weihbischof, dass die Jubiläumsfeier in Verbindung mit dem Kongress „Pluralitätssensible Schulpastoral“ auf dem Campus der Universität in Koblenz stattfinde. Eine Begegnung mit der Kirche sei eben auch in öffentlichen Räumen möglich.

Im Festvortrag begrüßte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in Deutschland, Prof. Dr. Thomas Sternberg, die Freude und Bereitschaft, in den Schulen Verantwortung zu übernehmen und an der Gestaltung des Lebensraumes Schule mitzuwirken. Gerade angesichts der Ausweitung in den Ganztagesbereich seien die Aussagen der Deutschen Bischofkonferenz vor zwanzig Jahren immer noch aktuell.  Auf dem Hintergrund des Kongresses stelle sich zukunftsorientiert die Frage, wie Fortbildungen gestaltet sein müssen, damit es immer mehr möglich wird, kultursensibel schulpastoral zu handeln.

Die modernen lebensfrohen Lieder des Jugendkammerchors Koblenz unter der Leitung von Manfred Faig gaben der Jubiläumsfeier, zu der zahlreiche Vertreter aus Kirche, Schulen und staatlichen Institutionen gekommen waren, eine festliche Umrahmung.

Dr. Winfried Verburg , Abteilungsleiter „Schule Hochschule“ in der Diözese Osnabrück und Dr. Beate Thalheimer , Referentin für Schulpastoral in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, schlugen den Bogen zur schulpastoralen Praxis in den Bistümern. Dabei wurde deutlich, dass die Kommunikation mit evangelischen und mit staatlichen Kooperationspartnern verbessert werden solle. Verstärkt müsse in den anderen Religionen nach geeigneten Kooperationspartnern gesucht werden. Außerdem bestehe mit Blick auf öffentliche Schulen und auf Schulen in kirchlicher Trägerschaft ein Entwicklungsbedarf, der der Klärung der differenzierten Profile schulpastoralen Handelns dienen solle. Die Schulpastoral als pastorales Handeln bei den Menschen am Ort Schule finde in der wissenschaftlichen Forschung und in der innerkirchlichen Öffentlichkeit bislang zu wenig Beachtung.


Datum der Meldung 23.11.2016 14:55