Dr. Heidi Liedke erhält Dissertationspreis

Der diesjährige Dissertationspreis des Deutschen Anglistenverbands wurde an die Literaturwissenschaftlerin Dr. Heidi Liedke verliehen. Der Preis wird alle drei Jahre vergeben und ist mit 1.500 Euro dotiert.

Liedke setzt sich in ihrer Dissertation, die sie im November 2016 an der Universität Freiburg verteidigte, mit der Konstruktion und Gestaltung des Konzepts ‚Muße‘ (engl. ‚idleness‘) im Kontext von viktorianischer Reiseliteratur auseinander. Die Arbeit mit dem Titel There Is Not Joy But Calm: Idleness, Travelling, and Idle Travellers in the Victorian Age  verbindet theoretische Überlegungen zu Raum- und Mobilitätskonzepten mit einer detaillierten Analyse ausgewählter Reiseberichte, um herauszuarbeiten, dass idleness eine zentrale und bisher zu wenig beachtete Subjektivitätserfahrung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konstituiert. Vor dem Hintergrund der Kontinuitäten zwischen Romantik und Viktorianismus verbindet die Arbeit interdisziplinäre Ansätze aus den cultural studies mit gründlichen close readings von bekannten und weniger bekannten Autorinnen und Autoren, unter anderem Anna Mary Howitt, Jerome K. Jerome und George Gissing, um ein neues Licht auf die Mentalitätsgeschichte des viktorianischen Englands zu werfen.

Heidi Liedke studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Yale University Anglistik, Amerikanistik, Psychologie und Literaturtheorie. Von 2013 bis 2016 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Freiburger Sonderforschungsbereich 1015 „Muße. Konzepte, Räume, Figuren“. 2016 schloss sie ihre Promotion im Fach Englische Philologie unter der Betreuung von Prof. Dr. Barbara Korte ab. Seit April 2017 ist Liedke wissenschaftliche Mitarbeiterin/Postdoktorandin im Fach Anglistik an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau. Von April 2018 bis März 2020 ist sie beurlaubt und Feodor Lynen Postdoc-Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Queen Mary University of London. Derzeit arbeitet sie an ihrer Habilitation. Darin befasst sie sich mit dem Potenzial und der Ästhetik von Live-Theater-Übertragungen im Kontext des britischen Theaters des 21. Jahrhunderts. Neben der (Reise-)literatur des 19. und 20. Jahrhunderts forscht Liedke zu den Kontinuitäten zwischen Romantik und Viktorianismus, experimenteller Literatur weiblicher Autorschaft, Adaptionstheorie, zeitgenössischem britischem Drama und Theaterphilosophie.

Die Dissertation wurde in überarbeiteter Form bei Palgrave Macmillan veröffentlicht: https://www.palgrave.com/gb/book/9783319958606

 


Datum der Meldung 30.10.2018 11:00