Künstliche Intelligenz aus ungewohnten Perspektiven

Unaufhaltsam erobert die Digitalisierung unser Leben – auch mit Methoden der künstlichen Intelligenz (KI). Die Betreiber von Suchmaschinen, sozialen Netzwerken oder Versandplattform erfahren zunehmend mehr über die Kauf- und Lebensgewohnheiten ihrer Nutzer. Nutzerdaten sind zum Wirtschaftsgut geworden. Wir leben und arbeiten mit Computersystemen, die sich intelligent verhalten. Und viele Menschen fragen sich, ob Maschinen nicht nur intelligent sein können, sondern zudem über ein Bewusstsein oder Emotionen verfügen und Personen beeinflussen können.

KI ist auch für Geisteswissenschaftler bedeutsam. Bild: Colourbox

KI ist auch für Geisteswissenschaftler bedeutsam. Bild: Colourbox

Denn obwohl zahlreichen Menschen klar ist, dass die KI unsere Gesellschaft tiefgreifend verändert hat, sind grundlegende Mechanismen und Techniken der KI noch nicht allgemein bekannt.

Prof. Dr. Ulrich Furbach, Leiter der Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz an der Universität in Koblenz, und die Geisteswissenschaftlerin Ulrike Barthelmess gehen diesen Fragen in ihrem jüngst erschienen Buch „Künstliche Intelligenz aus ungewohnten Perspektiven – Ein Rundgang mit Bergson, Proust und Nabokov“ nach. Sie erläutern anschaulich einzelne Techniken oder Methoden der KI und bringen diese mit Ansätzen aus Philosophie, Kunst, Psychologie und Neurobiologie in Zusammenhang. Dabei spielen Themen wie logisches Schließen, Wissen und Erinnern ebenso eine Rolle wie maschinelles Lernen und künstliche neuronale Netze. Im Vordergrund steht die Frage, was Gedächtnis sowie Denken ausmacht und welche Rolle unsere Emotionen spielen, wenn wir uns als Menschen im Leben, in der Welt bewegen.

Die Autoren versuchen, den Stand der Kunst in der KI im Kontext mit Fragen aus Philosophie und Literatur zu betrachten und hoffen, so auch primär nicht-technisch interessierte Leser anzusprechen wie auch Naturwissenschaftler für geisteswissenschaftliche Themen zu interessieren.

Geisteswissenschaften als Unterstützung des Verstehens

Philosophie, Literatur und Kunst beschäftigen sich mit Fragen, die das Leben, die Existenz und die Gesellschaft betreffen. Womöglich könnte ein interdisziplinärer Ansatz helfen, die Herausforderungen, die durch diese neuen Techniken entstehen,  zu bewältigen. Die Modellierung der intelligenten Maschinen macht sich das Vorbild des Menschen zunutze, da dieser sich mit diesen Maschinen verständigen will. Daher ist es wichtig, zu verstehen, wie Menschen denken und handeln.

Lebensphilosophen wie Henri Bergson, die den Menschen auf der Basis seines Körpers, seiner Ausdrucksmöglichkeiten, seiner Lebenswelt betrachten, orientieren sich in erster Linie am Menschen selbst. Wenn wir dem Gedächtnis, der Erinnerung, dem Lernen auf die Spur kommen wollen, weisen solche Philosophen den Weg.

Auch im Zusammenhang mit Emotionen und Bewusstsein wird in der Philosophie diskutiert, inwieweit ein KI-System die gleiche Qualität an Empfindungen fühlen kann, wie dies der Mensch tut. Und aus der Psychologie ist bekannt, dass wir Menschen häufig unsere Empfindungen und Gefühle auf unser Gegenüber übertragen. Ein Roboter lässt sich dementsprechend behandeln - als hätte er die Empfindungen, die er durch seine äußeren Merkmale zeigt.

Ergebnisse aus der  Kognitionspsychologie zeigen, dass menschliches Schließen nicht nur mit Hilfe rationaler Mechanismen erfolgt. Vielmehr spielen auch Teile des Gehirns, die für Emotionen zuständig sind, eine wichtige Rolle. Und zwar immer dann, wenn schnelle und dennoch optimale Entscheidungen gefällt werden müssen. Von diesen Ergebnissen versuchen KI-Forscher zu lernen.  

Das Buch „Künstliche Intelligenz aus ungewohnten Perspektiven“ ist, wie auch die 2012 erschienen Monografie des Autorenpaares „IRobot – uMan: Künstliche Intelligenz und Kultur: Eine jahrtausendealte Beziehungskiste“, im Springer Verlag erschienen.

 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Ulrich Furbach

Universität Koblenz-Landau
Campus Koblenz
Institut für Informatik
Universitätsstraße 1
56070 Koblenz

Tel: 0261 287-2728
E-Mail: Homepage: http://www.uni-koblenz.de/~uli


Datum der Meldung 25.04.2019 10:20