Im Gespräch mit Politikern: Über den Einfluss von wissenschaftlichen Erkenntnissen im politischen Alltag

Welche Rolle spielt Sprache bei der Einschätzung von Gefahr und wird ihr Einfluss im politischen Alltag beachtet? Das war eine der Fragen, die Studierende der Psychologie vergangenen Donnerstag mit der Politikerin Pia Schellhammer (Grüne) und den beiden Politikern Thomas Gebhart (CDU) und Thomas Hitschler (SPD) diskutierten. Schauplatz war das Seminar „Kooperation und Konflikt“ im Masterstudiengang mit dem Fokus Friedenspsychologie.

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Stellten sich den Fragen der Studierenden: (v.l.n.r.) Bundestagsabgeordneter Thomas Hitschler (SPD) und Pia Schellhammer (Grüne), Abgeordnete im rheinland-pfälzischen Landtag ...

 

In kleiner Runde hatten die Studierenden die Gelegenheit, Fragen an die Landtagsabgeordnete und die beiden Vertreter im Bundestag zu stellen. Thema war „Gefahr“, eingebettet in die Frage, inwiefern wissenschaftliche Erkenntnisse politische Entscheidungen beeinflussen beziehungsweise inwiefern ein aktiver Austausch besteht. Wissenschaftliche Erkenntnisse seien wichtig und nützlich, das betonten Schellhammer, Gebhart und Hitschler. Expertinnen und Experten sowie Forschungsinstitute werden bei unterschiedlichen Fragen der Politik, z.B. zur Innenpolitik konsultiert. Darüber hinaus gebe es mit den Wissenschaftlichen Diensten eine eigene Einrichtung innerhalb des Parlaments, die im Auftrag der Abgeordneten und der Gremien Informationen recherchieren und analysieren. „Interessant war es zu hören, wie politische Vertreter nun auf Basis von Wahrscheinlichkeitsaussagen, die aus der Wissenschaft kommen, der Herausforderung begegnen, tatsächlich Entscheidungen treffen zu müssen“, beschreibt Nadine Knab, Dozentin des Seminars. 

Der Besuch der drei Politiker war bereits die zweite „Praxisrunde“ im Seminar „Kooperation und Konflikt“. Am 22. Januar gab Torge Kübler vom zivilen Friedensdienst aus Jerusalem Einblicke in seine Arbeit und stellte Projekte vor Ort vor. Friedensarbeit ist in Israel eine Herausforderung: „Bestehen zwei verschiedene Narrative über die Konfliktgenese, kommt man schnell an verhärtete Fronten“, so Knab. „Besonders die Psychologie spielt bei langjährigen Auseinandersetzungen eine Rolle, da der Konflikt bei vielen Menschen Teil der Identität darstellt und eine Veränderung des Konflikts damit auch zu einer Veränderung der Identität führt, was mit bedacht werden muss“. Der Ansatz des zivilen Friedensdiensts versuche über ein lösungsorientiertes Vorgehen, die in Konflikt stehenden Parteien anzunähern.   

„Die Gespräche mit Praktikerinnen und Praktikern sollen den Studierenden hautnah vermitteln, welchen Einfluss psychologische Erklärungsansätze auch auf gesellschaftlicher Ebene haben können“, erläutert Knab ihren Ansatz. Schließlich geht es in ihrem Seminar darum, dass Psychologie nicht nur Konflikte zwischen Einzelnen erklären oder helfen kann, diese konstruktiv zu ändern. Psychologie kann auch angewendet werden, um destruktive Konflikte zwischen Gruppen oder gesellschaftliche Phänomene zu verstehen. „Bei relevanten gesellschaftlichen Themen wird Psychologie noch selten als wissenschaftliche Informationsquelle bedacht“, so Knab. Im theoretischen Teil des Seminars lernten die Studierenden daher zunächst Theorien kennen, die aktuelle gesellschaftliche Prozesse erklären helfen. So diskutierten sie beispielsweise psychologische Modelle für politische Radikalisierungsbestrebungen oder EU-Austrittsbestrebungen im Rahmen des Eigengruppenprojektionsmodells. Eine weitere Theorie, die die Studierenden im Seminar kennenlernten, ist die Theorie der Systemrechtfertigung. Diese versucht zu erklären, warum Menschen relativ wenig gegen ein System protestieren, von dem sie selbst benachteiligt werden. „Die Studierenden sollen dazu befähigt werden, Theorien auf ihre logische Belastbarkeit und empirische Datenlage hin zu prüfen sowie Stärken und Schwächen und die Nutzbarkeit für die Praxis zu evaluieren“, so Knab. 

 

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... sowie Bundestagsabgeordneter Thomas Gebhart (CDU). Fotos: Nadine Knab

 

Der Austausch mit der Praxis als Ergänzung zur theoretischen Wissensvermittlung kommt bei den Studierenden gut an: „Man hat nur selten die Gelegenheit, mit Politkern verschiedener Parteien in kleinem Rahmen zu diskutieren. Das war eine interessante Erfahrung“, unterstreicht Psychologiestudent Tobias Johann. Auch sein Kommilitone Tibor Bloch fand das Gespräch mit den Politikern in mehrerlei Hinsicht spannend und informativ: „Neben den inhaltlichen Informationen darüber, wie die einzelnen Personen in ihrem Job als Politiker mit bestimmten Sachverhalten und Gegebenheiten umgehen, war es vor allem das Erleben dessen, wie diese sich in der Gesprächsrunde selbst präsentierten. Ich hatte den Eindruck, dass in diesem Zusammenhang zum Teil ‚der Mensch hinter dem Politiker‘ deutlicher zum Vorschein kam, als das gewöhnlich in Talkshows oder bei Politveranstaltungen der Fall ist.“

 



Kontakt:

Fachbereich 8: Psychologie
Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftspsychologie
Nadine Knab
E-Mail: knab@uni-landau.de

Pressestelle Campus Landau
Kerstin Theilmann
Tel.: 06341 280-32219
E-Mail: ktheilmann@uni-koblenz-landau.de

 


Datum der Meldung 12.02.2019 00:00