Offener Brief der Dekaninnen und Dekane der Universität Koblenz-Landau an die Landesregierung

Das Land Rheinland-Pfalz plant eine grundlegende Umstrukturierung der Universität Koblenz-Landau. Die Entscheidung der Landesregierung, die Universität Koblenz-Landau zu teilen und den Standort Koblenz in eine eigenständige Universität und den Standort Landau mit der TU Kaiserslautern zu fusionieren, birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Damit diese strukturelle Veränderungen zu einer nachhaltigen Verbesserung in Forschung und Lehre führen, müssen bestimmte Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Dekaninnen und Dekane und die geschäftsführende Leitung des Zentrums für Lehrerbildung der Universität Koblenz-Landau haben einen offenen Brief an Malu Dreyer (Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz) und Professor Dr. Konrad Wolf (Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur) gerichtet und die wichtigsten Eckpunkte für eine erfolgreiche und nachhaltige Umstrukturierung dargelegt.

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Dreyer, Sehr geehrter Herr Minister Wolf,

wir wenden uns heute mit großer Sorge an Sie. Die Landesregierung erwartet von der Umstrukturierung der Universität Koblenz-Landau und der Technischen Universität Kaiserslautern einen signifikanten Mehrwert für den Wissenschaftsstandort Rheinland-Pfalz. Grundvoraussetzung dafür ist eine Stärkung der standortspezifischen Profile an allen drei akademischen Standorten.

Aktuell ist jedoch zu befürchten, dass beide Einrichtungen und damit Rheinland-Pfalz und seine Lehrerbildung sogar Schaden erleiden. Denn es besteht die Gefahr, dass die standortspezifischen Profilstärken nicht an allen drei akademischen Standorten erhalten bleiben.

Wir fordern Sie, die Landesregierung und das MWWK, daher eindringlich auf, Sorge für ein Gelingen der Umstrukturierung zu tragen. Dies beinhaltet insbesondere:

  • gesetzliche Regelung der Umstrukturierung im Sinne zweier Neugründungen
    • faire Regelung der Rechtsnachfolge im Sinne beider neuen Universitäten
    • neue & legitimierte Hochschulleitungen und Gremien ab 1.10.2022
    • Für Landau und Kaiserslautern:
      • kein einfaches „Umhängen von Fachbereichen“
      • externe*r Präsident*in oder Doppelspitze, die/ der sich für die Gestaltung des gemeinsamen Neuen einsetzt
      • gleichberechtigte Gründungsphase zur gemeinsamen Gestaltung ab 1.10.22
      • angemessene Vertretung beider Standorte in Leitung und Gremien mit Schutzfunktion für den kleineren Standort Landau
    • Für Koblenz: Möglichkeit des Nachdenkens über alternative Organisationsformen (z.B. Modelluniversität)
      • Aufbau zukunftsfähiger Strukturen, die der neuen Situation angepasst sind
  • Gewährleistung finanzieller und struktureller Rahmenbedingungen
    • Beseitigung der Defizite in der Ausstattung von Koblenz und Landau
    • Finanzierung der Transformations-, Konsolidierungs- und Aufbaukosten ohne Zugriff auf die Ressourcen der Universitäten
    • Aufbau einer effizienten Verwaltung in Koblenz und für Landau
    • Gewährleistung der Funktionsfähigkeit zentraler Einrichtungen
    • nachhaltige Sicherstellung der strukturellen Voraussetzungen für die DFG-Mitgliedschaft von Koblenz und Landau
  • Unparteiische und unterstützende Rolle im Transformationsprozess
    • klar kommunizierte und gemeinsam erarbeitete Visionen und Werte für die Zukunft aller Standorte
    • transparente und nachhaltige Entscheidungen
    • Wiederherstellung der Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit
    • bei inkompatiblen „roten Linien“ Ermöglichung einer unabhängigen Mediation

Die Fachbereiche der Universität Koblenz-Landau werden sich mit großem Engagement für die Gestaltung und das Gelingen der Neustrukturierungen in Koblenz und Landau einsetzen. Die Universität Koblenz-Landau hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch und erfolgreich zu einer forschungsaktiven Universität mit einem ausgewiesenen Profil in Forschung und Lehre entwickelt.

  • Koblenz ist mit seinen Profilstärken in der Informatik, den Bildungswissenschaften, insbesondere der Lehrerbildung, den Natur- und Materialwissenschaften sowie den Geistes- und Kulturwissenschaften ein starker Motor für den Wissenschaftsstandort Koblenz. Wenn die Unterfinanzierung fortbesteht und die Universität Koblenz die Lasten des Verwaltungsaufbaus und der Umstrukturierung der zentralen Einrichtungen tragen muss, sind diese Profilstärken ernsthaft gefährdet.
  • Die Profilstärken des Campus Landau in den Umweltwissenschaften, Erziehungswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in den Fachdidaktiken und der Psychologie zeichnen sich durch eine Reihe von koordinierten DFG-Programmen und weiteren renommierten Forschungsverbünden aus. All dies wäre durch eine fortbestehende Unterfinanzierung, eine „Angliederung“ des Campus Landau an die TU Kaiserslautern oder durch ungünstige Mehrheitsverhältnisse in Hochschulleitung und Gremien in der Existenz bedroht.

Beides können wir nicht hinnehmen. Die Gestaltung und der Aufbau des „gemeinsamen Neuen“ im Süden und eines eigenständigen Neuen im Norden kann nur auf der Basis von Gleichberechtigung, gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung gelingen.

Es liegt in den Händen der Landesregierung und des MWWK, die Umgestaltung der Hochschulstruktur in Rheinland-Pfalz so umzusetzen, dass die akademischen Standorte nicht durch den Prozess gelähmt, sondern durch eine Investition in die Zukunft gestärkt werden.

Koblenz und Landau, 15. März 2019

Die Dekaninnen und Dekane und die geschäftsführende Leitung des Zentrums für Lehrerbildung

Prof. Dr. C. Quaiser-Pohl (FB1)

Prof. Dr. S. Neuhaus (FB2) 

Prof. Dr. W. Imhof (FB3) 

Prof. Dr. M. Wimmer (FB4) 

Prof. Dr. A. Wildemann (FB5) 

Prof. Dr. L. Bluhm (FB6) 

Prof. Dr. K. Schwenk (FB7) 

Prof. Dr. M. Steffens (FB8)

Für das Zentrum für Lehrerbildung 

Prof. Dr. C. Juchem-Grundmann 

Prof. Dr. A. Kauertz


Datum der Meldung 18.03.2019 15:00