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EU-Projekt zum Schutz von gefährdeten Flusskrebsen in Pfälzerwald und Nordvogesen

Krebspest, Wasserverschmutzung, Gewässerverbau oder eingeschleppte (invasive) Tierarten: Die Gründe für den Rückgang oder das Aussterben europäischer Arten sind vielfältig. Das betrifft auch den einstmals in Rheinland-Pfalz beheimateten Steinkrebs, der mittlerweile annähernd ausgestorben ist. Das neue EU-INTERREG-Projekt „Gefährdete Tierarten“ unter Beteiligung des Instituts für Umweltwissenschaften der Universität in Landau will ursprüngliche Arten im Pfälzerwald und den Nordvogesen schützen.

Der Steinkrebs übernimmt wichtige ökologische Dienstleistungen mit Blick auf die Gewässerreinigung. Sein Schutz steht im Fokus des neuen INTERREG-Projektes "Bedrohte Tierarten". Foto: Sascha Schleich

Der Steinkrebs übernimmt wichtige ökologische Dienstleistungen mit Blick auf die Gewässerreinigung. Sein Schutz steht im Fokus des neuen INTERREG-Projektes "Bedrohte Tierarten". Foto: Sascha Schleich

Im Fokus des grenzüberschreitenden Projekts stehen neben dem Steinkrebs, der Dunkle- und der Helle Wiesenkopf-Ameisenbläuling und die Fledermausart das Große Mausohr. Das Landauer Team um Prof. Dr. Ralf Schulz und Dr. Anne Schrimpf ist im Projekt für den Schutz des Steinkrebses auf deutscher Seite verantwortlich. „Krebse übernehmen wichtige ökologische Dienstleistungen“, erklärt Schrimpf vom Landauer Institut für Umweltwissenschaften. Durch den Verzehr von Pflanzenbewuchs und Aas reinigen sie das Wasser, verbessern die Qualität des Lebensraums und wirken einer Eutrophierung der Gewässer entgegen. 

In Rheinland-Pfalz kommen neben den beiden einheimischen Flusskrebsen - dem Edelkrebs (Astacus astacus) und dem Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) - fünf amerikanische Arten und ein osteuropäischer Flusskrebs vor. Die amerikanischen Arten sind in der Regel Träger und Überträger des Krebspesterregers. Während die amerikanischen Arten selbst resistent gegen den Erreger sind, ist die Krebspest eine für europäische Flusskrebsarten meist tödlich endende Seuchenerkrankung. Der die Krankheit verursachende Eipilz (Aphanomyces astaci) stammt aus Nordamerika und wurde seit dem 19. Jahrhundert über amerikanische Flusskrebse nach Europa eingeschleppt. Das Fatale: Ein einzelner ausgesetzter amerikanischer Flusskrebs kann ausreichen, um eine komplette Population europäischer Flusskrebse in einem Gewässer auszurotten. Vor allem bei einer Häutung oder nach dem Tod der infizierten (eingeführten oder einheimischen) Flusskrebse kommt es zu einer massenhaften Verbreitung von A. astaci-Sporen. Da die Sporen im Wasser bis zu drei Wochen überleben, kann es vor allem in einem Fließgewässer schnell zu einer flächendeckenden Neuinfizierung kommen. Neuinfizierte Tiere dienen dabei als „Trittstein“ für die Weiterverbreitung.

An dem dreijährigen Projekt beteiligt sind neben dem Projektträger SYCOPARK in Frankreich 13 weitere Partner auf beiden Seiten der Grenze, darunter das Institut für Umweltwissenschaften an der Universität in Landau, das den Schutz des Steinkrebses auf deutscher Seite im Fokus hat. Auf französischer Seite werden bereits Steinkrebse gezüchtet und in Gewässern wieder ausgesetzt. Das ist auch das langfristige Ziel der deutschen Projektpartner. „Leider weiß man im Pfälzerwald bisher nicht viel über den Steinkrebs“, umreißt Schrimpf die wissenschaftliche Aufgabe. Daher müssen hier zunächst Steinkrebse kartiert und Nachweise auf Bestände überprüft werden. Die Forschenden werden genetische Analysen durchführen, um das Verwandtschaftsverhältnis den Pfälzer Populationen zu den Steinkrebsen aus Frankreich, dem Süden Deutschlands und anderen Ländern aufzuschlüsseln. Dadurch kann ermittelt werden, ob die Steinkrebse aus den verschiedenen Regionen für Zuchtprogramme vermischt werden können. „Im ungünstigsten Fall ist von den alten Nachweisen wegen der rasanten Ausbreitung amerikanischer Flusskrebse und der Krebspest nicht mehr viel übrig“, so Schrimpf. Dann muss entscheiden werden, ob Steinkrebse aus einer anderen Region, wie dem Moseleinzugsgebiet im Norden von Rheinland-Pfalz auch im Pfälzerwald besetzt werden sollen. 

Ziel des Gesamtprojektes ist es für jede der vier im Projekt berücksichtigten bedrohten Arten konkrete Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Auch soll die Öffentlichkeit verstärkt sensibilisiert werden, um dem Erhalt der Arten langfristig zu sichern. „Beispielsweise ist es wichtig, dass invasive Arten nicht ausgesetzt werden“, so Schrimpf. „Für die Fledermaus ist der Schutz der Gebäude, in denen sie leben, wichtig.“ Um die Thematik der breiten Öffentlichkeit näher zu bringen, sind verschiedene Exkursionen, Naturerlebnisveranstaltungen, Workshops, Schulprojekte und Filmvorführungen mit Diskussionen geplant - sobald dies wieder möglich sein wird. Das Projekt wird durch den europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert.


Kontakt:
Campus Landau
Institut für Umweltwissenschaften
Dr. Anne Schrimpf
E-Mail:

Pressestelle Campus Landau
Kerstin Theilmann
Tel.: 06341 280-32219
E-Mail:


Datum der Meldung 09.11.2020 00:00