Startschuss für den gemeinsamen Weg zur neuen Technischen Universität in Rheinland-Pfalz

Am 6. Juli 2020 stand der Betzenberg in Kaiserslautern im Zeichen von Wissenschaft und Zusammenführung der TU Kaiserslautern (TUK) mit dem Campus Landau der Universität Koblenz-Landau. Unter dem Motto „gemeinsam startklar“ fand der offizielle Auftakt für das Neustrukturierungsprojekt statt, das zum 1. Januar 2023 die neu zusammengesetzte Technische Universität entwickeln soll.

Lenken den Prozess der Zusammenführung der TU Kaiserslautern und des Campus Landau: Prof. Dr. Gabriele E. Schaumann und Prof. Dr. Arnd Poetzsch-Heffter begrüßen die Teilnehmenden des Auftakt-Workshops auf dem Betzenberg. Foto: Karin Hiller

Lenken den Prozess der Zusammenführung der TU Kaiserslautern und des Campus Landau: Prof. Dr. Gabriele E. Schaumann und Prof. Dr. Arnd Poetzsch-Heffter begrüßen die Teilnehmenden des Auftakt-Workshops auf dem Betzenberg. Foto: Karin Hiller

„Nach den vielen Diskussionen des zurückliegenden Jahres ist es jetzt Zeit, die noch offenen Fragen konstruktiv anzugehen, gemeinsam nach vorne zu schauen und sich dem Ziel zuzuwenden, durch Zusammenführung der TU Kaiserslautern und des Campus Landau eine gemeinsame wettbewerbsfähige und attraktive Technische Universität zu schaffen.“ Mit diesen Worten eröffneten Prof. Dr. Arnd Poetzsch-Heffter und Prof. Dr. Gabriele E. Schaumann die gemeinsame Auftaktveranstaltung, die Corona-bedingt deutlich kleiner ausfallen musste als ursprünglich geplant. „Ziel muss es sein, bestehende Expertisen beider Standorte auszubauen und zusätzlich neue gemeinsame Stärken zu etablieren“, so Poetzsch-Heffter, der als Vizepräsident für Forschung und Technologie und gewählter Präsident aktuell die TUK leitet. „Damit können wir eine breit aufgestellte gemeinsame Technische Universität gestalten, die sich durch exzellente disziplinäre und interdisziplinäre Forschung auszeichnet“, erklärt Schaumann, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Universität Koblenz-Landau und im Neustrukturierungsprozess betraut mit der Entwicklung des Campus Landau hin zur gemeinsamen Technischen Universität. „Durch das Verbinden der technischen Ausrichtung in Kaiserslautern und des gesellschafts- und umweltwissenschaftlichen Profils in Landau soll eine Universität entstehen, die für die Gesellschaft wichtige und zukunftsrelevante Forschung und Lehre noch besser als bisher betreiben kann“, unterstreichen Schaumann und Poetzsch-Heffter.

Nun gilt es, das Potenzial, das beide Einrichtungen in die neue Technische Universität einbringen, zu erkennen, auszubauen und zu nutzen. „Für einen erfolgreichen Zusammenführungsprozess, in dessen Startphase sich die TU Kaiserslautern und der Campus Landau derzeit befinden, ist es entscheidend, die jeweils andere Perspektive kennenzulernen. Die Fülle der anvisierten Aufgaben umsetzen zu können und fachlich und kulturell zusammenzuwachsen, gelingt, indem aus Betroffenen engagierte Beteiligte werden“, so Schaumann. „Uns war es sehr wichtig, dass die Personen, die seit vielen Monaten engagiert in verschiedenen Gremien am Prozess der Zusammenführung von Kaiserlautern und Landau arbeiten, sich nun auch insgesamt kennenlernen und gegenseitiges Vertrauen aufbauen, vor allem mit Blick auf den ambitionierten Zeitrahmen bis Anfang 2023“, ergänzt Poetzsch-Heffter. Deshalb lag der Fokus der Auftaktveranstaltung auch auf dem inhaltlichen Austausch: Gemeinsamkeiten wurden identifiziert und Ansätze der künftigen Zusammenarbeit definiert, mit denen nun in einen Prozess einer gemeinsamen Leitbildentwicklung gestartet werden soll. 

In den vergangenen Monaten haben die Universitätsleitung der TUK und die Campusleitung Landau den Prozess strukturiert und mit den Lenkungsausschüssen „Hochschulentwicklung“ sowie „Verwaltung, Service, Infrastruktur“ zwei Arbeitsgremien geschaffen, die an den entscheidenden Schnittstellen die Fäden in der Hand halten werden. Die Ausschüsse haben bereits erste Konzepte und Ideen zur Zusammenführung von Kaiserslautern und Landau entwickelt. Diese sollen in den nächsten 2,5 Jahren in thematischen Arbeitsgruppen ausgearbeitet und umgesetzt werden. Die verwaltungsrelevanten Fragen der Zusammenführung werden aktuell mit einem externen Beratungshaus eruiert. „Für uns gilt es aktuell, den Status-quo an beiden Standorten zu erheben und daraus Bedarfe für die neuen Verwaltungsstrukturen abzufragen. Ein komplexes Aufgabenfeld, wenn man bedenkt, dass hier Themen wie Personal- und Finanzmanagement, aber auch Studierenden- und Campusverwaltung zusammengeführt werden müssen. Nur so kann Anfang 2023 eine reibungslos funktionierende Universität mit zwei Standorten ihren Dienst weiterführen“, erklärt Stefan Lorenz, Kanzler der TUK.

Zum offiziellen Auftakt in das Neustrukturierungsprojekt präsentierten Poetzsch-Heffter und Schaumann am Montag ein Konzept für eine erfolgreiche Zusammenführung: „Zusätzlich zu der Erstattung der Transformationskosten im Bereich der Verwaltung halten wir es für zwingend notwendig, das Zusammenwachsen in Forschung und Lehre durch zusätzliche Mittel zu fördern.“ Mit neuen Professuren und ausgehend von den existierenden Expertisen an den Standorten könnten etwa zwei Zentren für Nachhaltigkeit und Interdisziplinarität etabliert werden als Basis gemeinsamer wissenschaftlicher Leuchttürme. Darüber hinaus sollen standortübergreifende Projekte in Forschung und Lehre unterstützt und eine hochmoderne digitale Infrastruktur zur Überwindung der Distanz zwischen den Standorten aufgebaut werden.

Pressekontakt:

Pressestelle Campus Landau
Kerstin Theilmann
Tel.: 06341 280-32219
E-Mail:

 

Hintergrund Lenkungsausschüsse 

Die Lenkungsausschüsse sind die Kümmerer in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich: Sie konzipieren die Prozesse, definieren Themen und Arbeitsschritte und setzen geeignete Arbeitsgruppen zur Bearbeitung ein. Die Lenkungsausschüsse berichten in den Sitzungen der Steuerungsgruppe über den Fortschritt der Prozesse in der Steuerungsgruppe. In der Steuerungsgruppe wird über den aktuellen Stand des Prozesses beraten; es werden ggf. Korrekturen/Anpassungen an den Prozessen vorgenommen.

Aufgaben Lenkungsausschuss „Hochschulentwicklung“ (HE)
Studium und Lehre, Forschung, Kooperationsentwicklung, Identitätsentwicklung, Qualitätssicherung, Universitäts- und Kommunikationskultur, Governance, Grundordnung, Vernetzung politisch-regional-international, Nachwuchsförderung, Gleichstellung

Aufgaben Lenkungsausschuss „Verwaltung/Service/Infrastruktur“ (VSI)
unter anderem Recht – Personal - Finanzen, Compliance/Innenrevision – Studierendenverwaltung - Bau/Betrieb/Werkstätten – Bibliothek – IT und zentrale Angelegenheiten (einschließlich Controlling, Berichtswesen), aber ohne die Bereiche "Qualitätssicherung in Forschung und Lehre", "Forschungsförderung" und "Internationalisierung" bzw. den Umgang mit den zentralen Einrichtungen umfassen. Diese wären im Zuständigkeitsbereich des Lenkungsausschusses "Hochschulentwicklung“

Hintergrund: Neustrukturierung von Hochschulstandorten in Rheinland-Pfalz

Die Landesregierung hat sich auf Grundlage des Koalitionsvertrags das Ziel gesetzt, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen zu steigern, neue Dynamiken für das Wissenschaftsland Rheinland-Pfalz zu entfalten und die Attraktivität von Rheinland-Pfalz als Studien- und Wissenschaftsstandort zu erhöhen. Hierzu gehörte auch eine Analyse und Bewertung der Chancen und Potentiale des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Rheinland-Pfalz durch eine unabhängige, wissenschaftsgeleitete Expertenkommission, die das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MWWK) beauftragt hat. Der Expertenbericht wurde im April 2018 vorgelegt, im Zentrum der Empfehlungen standen u. a. die regionale Verankerung der Hochschulen, die Attraktivität von Forschung und Lehre - auch im Hinblick auf Exzellenz- und Spitzenforschung, die strategische Hochschulentwicklung, die Förderung kooperativer Promotionen sowie die Querschnittsaufgaben Gleichstellung, Internationalisierung und Digitalisierung.

Aus dem Expertenbericht hat das MWWK eine Initiative zur Neustrukturierung der Universität Koblenz-Landau und der Technischen Universität Kaiserslautern abgeleitet. Am 12. Februar 2019 entschied der rheinland-pfälzische Ministerrat diese Neustrukturierung bis Ende 2022 durchzuführen. Es gab vorbereitende Gespräche mit den beiden betroffenen Universitäten. Am 5. März 2020 hatte die Universität Koblenz-Landau schriftlich eine Eingabe auf der Arbeitsebene für die Vorbereitung des Gesetzesentwurfs durch das MWWK gemacht. Der Ministerrat hat in seiner Sitzung am 12. Mai 2020 das Vorhaben bestätigt und einen entsprechenden Gesetzesentwurf des MWWK an den Landtag zur parlamentarischen Beratung zugeleitet (Drucksache 17/11838). Er sieht die Verselbstständigung der Universität in Koblenz und die Zusammenlegung der Campus in Kaiserslautern und Landau zur Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) zum 1. Januar 2023 vor. Der Verwaltungsstandort Mainz der Universität Koblenz-Landau wird zum 31. Dezember 2024 aufgelöst. Der Landtag hat in einer Plenarsitzung am 27. Mai 2020 den Gesetzesentwurf zum ersten Mal beraten.


Datum der Meldung 08.07.2020 00:00