Gelungener Auftakt der Filmreihe „Gedenken an den Holocaust“

Am Montagabend startete die Filmreihe „Gedenken an den Holocaust“. Die Reihe findet im Rahmen der Koblenzer Demokratie Wochen statt. Zum Auftakt im Odeon-Apollo Kinocenter wurde der mit drei Oscars prämierte Film „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni aus dem Jahr 1997 gezeigt. Gesprächsgast war Rabbiner Andrew Steinman aus Frankfurt am Main.

Der Frankfurter Rabbiner Andrew Steinman (Mitte) und Peter-Erwin Jansen (Hochschule Koblenz) sprachen einleitend zum Filmabend über die Verarbeitung des Holocaust. Den Abend eröffnete Dr. Inka Engel von der Transferstelle der Uni. Foto: Transferstelle

Der Frankfurter Rabbiner Andrew Steinman (Mitte) und Peter-Erwin Jansen (Hochschule Koblenz) sprachen einleitend zum Filmabend über die Verarbeitung des Holocaust. Den Abend eröffnete Dr. Inka Engel von der Transferstelle der Uni. Foto: Transferstelle

„Über bestehenden Rassismus und Antisemitismus in Deutschland darf nicht geschwiegen werden. Krieg und Frieden liegen leider nah beieinander“, unterstrich Dr. Inka Engel von der Transferstelle der Universität in Koblenz bei der Begrüßung. Der Frankfurter Rabbiner Andrew Steiman, dessen Eltern als Partisanen im Zweiten Weltkrieg im amerikanischen Exil eine zweite Heimat fanden, und Peter-Erwin Jansen (Hochschule Koblenz) führten ein einleitendes Gespräch zum Film. Steiman berichtete auch über seine Arbeit als Seelsorger in dem einzigen jüdisch-christlichen Altenwohnheim in Frankfurt, das von der Emma und Henry Budge Stiftung getragen wird.  Bis heute gehört zu seiner seelsorgerischen Arbeit auch die Betreuung von Überlebenden des Holocaust. Steinman und Jansen sprachen über Fragen nach der musealen, literarischen und medialen Verarbeitung des Holocaust. Wie verändern sich in diesen Darstellungsformen dessen Narrative?  Stellt, wie in Benignis Film gezeigt, eine humorvolle, ironische Herangehensweise eine adäquate Form dar, die in den Konzentrationslagern erlittenen Gewalttaten und den traumatischen Erfahrungen, die bis heute sowohl Überlebende, aber auch die Generationen danach prägten, bewältigen zu können? Können, wie ebenfalls im Film zu sehen, Lügen und ein „spielerischer Umgang“ mit den Torturen und Morden in den Vernichtungslagern, eine legitime Handlungsalternative sein?. Im Film sind die Lüge und der spielerische Umgang mit den Gräueltaten der rote Faden: Im Grauen der Vernichtung belügt Vater Guido seinen Sohn Giosuè, erklärt ihm, das sei alles nur ein Spiel, das es zu gewinnen gilt. Hauptpreis ein echter Panzer. Steiman betonte, dass in der jüdischen Tradition das Leben an oberster Stelle stehe. So laute „Auf das Leben“ ein jüdischer Trinkspruch. Daher seien diese verschleiernden Spiel-Lügen des Vaters durchaus berechtigt, so Steiman. Auch der ironische, teilweise humorvolle Umgang sei in den nachfolgenden Generationen immer stärker in eine jüdische Erinnerungskultur eingebunden worden. Comics, wie Katz und Maus von Art Spiegelmann, zeigten dies. 

Nächsten Montag (6.9.) zeigt die Filmreihe, begleitet von Experte Werner Renz, den Film „Die Akte General“, der das Leben des Juristen und hessischen Generalstaatsanwalts in der Nachkriegszeit Fritz Bauer und die Auschwitzprozesse thematisiert. Karten sind auf der Website des Odeon-Apollo Kinocenters oder direkt an der Kinokasse des Odeon-Apollo Kinocenters (Löhrstraße) kostenlos erhältlich.

Fragen zur Filmreihe beantwortet Dr. Inka Engel, Organisatorin der Veranstaltung, unter: . Die Veranstaltung findet im Rahmen der Koblenzer Wochen der Demokratie statt, gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms Demokratie leben! Weitere Informationen zu den Veranstaltungen der Koblenzer Wochen der Demokratie sind unter www.wozu-demokratie.de verfügbar. 

Fragen beantwortet:
Transferstelle Campus Koblenz
Dr. Inka Engel
E-Mail: transferstelle@uni-koblenz.de

Pressekontakt:
Pressestelle Campus Koblenz
Dr. Birgit Förg
Tel.: 0261 287-1766
E-Mail: foerg@uni-koblenz-landau.de


Datum der Meldung 01.09.2021 00:00