Figurationen des Bösen – Interdisziplinäre Tagung an der Universität in Koblenz

Der bekannte Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Horstmann wird am Mittwoch, 01. Juni 2022, ab 19 Uhr in der Stadtbibliothek Koblenz einen Vortrag zur Unvermeidbarkeit des Bösen halten.

Prof. Dr. Ulrich Horstmann, sicherlich vielen Lesern als Autor des apokalyptischen Bestsellers "Das Untier" bekannt, wird den Gästen seines Vortrags Interessantes über sie selbst zeigen. Bild: Ulrich Horstmann

Prof. Dr. Ulrich Horstmann, sicherlich vielen Lesern als Autor des apokalyptischen Bestsellers "Das Untier" bekannt, wird den Gästen seines Vortrags Interessantes über sie selbst zeigen. Bild: Ulrich Horstmann

Das Böse klar und deutlich zu benennen und es eindeutig vom Guten abzutrennen, gilt als Kunst. In seinem Vortrag mit dem Titel  "Reuespur. Vom Nachleben des Bösen“ konfrontiert Prof. Dr. Ulrich Horstmann die Gäste mit der eigenen Ohnmacht, indem er ihnen das Eingeständnis der Unvermeidbarkeit des Bösen abverlangt. Er nutzt dazu eine Methode aus der Malerei, die sogenannte Reuespur, bei der es sich um eine Art Übermalung, eine nachträgliche Selbstkorrektur des individuellen Menschen, handelt.

Der Vortrag richtet sich an alle Interessierten. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung zum diesem Vortrag ist nicht erforderlich. 

Er wird im Rahmen der Interdisziplinären Tagung der Universität in Koblenz zum Themenkomplex „Figurationen des Bösen“ stattfinden, die vom 1. bis 3. Juni 2022 andauern wird.

Die Tagung soll ein möglichst breites Spektrum von kulturwissenschaftlichen Perspektiven auf das Böse eröffnen, um so dessen ebenso historischen wie aktuellen Figurationen näher auf die Spur zu kommen.

Denn ein Blick auf unsere Zeit ergibt den paradoxen Befund, dass einerseits in bestimmten kulturellen und sozialen Kontexten, klare Zuschreibungen und Zuordnungen von Gut und Böse existieren, sie in anderen Kontexten aber relativiert oder tabuisiert werden - bis hin zu ihrer vollständigen Negation. So finden sich in totalitären Systemen extreme Beispiele für Gut-Böse-Dualismen, zum Beispiel im Nationalsozialismus. Dies kann bis zur vollständigen Umwertung reichen. Der Holocaust als bislang wohl größtes Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde als notwendiger Schritt einer Rassenhygiene ‚gerechtfertigt‘. Dass ein solcher millionenfacher, größtenteils industrialisierter Massenmord überhaupt möglich werden konnte, hat zu einer tiefgreifenden Infragestellung von schematischen Gut-Böse-Konstruktionen geführt.

Ein seinerzeit berühmtes Beispiel einer solchen Konstruktion ist Edgar Hilsenraths Roman „Der Nazi und der Friseur“ (1971), in dem ein durch seine Herkunft fanatisierter Nazi einen jüdischen Jugendfreund umbringt und dessen Platz einnimmt. Das eigentliche Skandalöse dieses Romans eines deutsch-jüdischen Autors ist aber die ironische Übertreibung aller Figuren und Handlungen. 

Das Böse im Alltag

Omnipräsent erscheinen die Variationen der Symbolik und des Motivgebrauchs des Bösen im Alltag. Dabei handelt es sich um Ausdrucksformen, die in einer langen Tradition der Entwicklung von Wertvorstellungen in Religion, Literatur und Alltagsmoralen stehen. Fiktionale Literatur und Kunst greifen solche Traditionen auf, sie verhalten sich zu ihnen nicht selten in radikaler Weise umstürzlerisch und kritisch. 

Doch Philosophie, Literatur und Kunst sind von Menschen für Menschen gemacht, daher lässt sich auch von ‚Figurationen des Bösen‘ sprechen. Mit dem Begriff der Figuration rückt die Aufmerksamkeit auf die wechselseitigen Abhängigkeiten der Menschen.

 

Zur Person von Prof. Dr. Ulrich Horstmann

Prof. Dr. Ulrich Horstmann, der seit 1976 neben wissenschaftlichen Arbeiten auch Essays, Romane, und Theaterstücke veröffentlicht, wurde 1983 durch seine Abhandlung „Das Untier“ bekannt. In ihr vertritt er eine dem friedensbezogenen Zeitgeist jener Jahre diametral entgegengesetzte philosophische Position: Er propagiert eine Perspektive der Menschenflucht, aus der die Selbstauslöschung der Menschheit mit Hilfe des angehäuften Atomwaffen-Arsenals als Zielpunkt der Kultur-Geschichte erschien. Horstmann erhielt 1988 den Kleist-Preis.

 

Fachlicher Ansprechpartner

PD Dr. Werner Moskopp

Universität Koblenz-Landau

Campus Koblenz

Universitätsstraße 1

56070 Koblenz

 

Tel.: 0261 287 1910

E-Mail: wmoskopp@uni-koblenz.de

 

Pressekontakt

Dr. Birgit Förg

Universität Koblenz-Landau

Campus Koblenz

Universitätsstraße 1

56070 Koblenz

 

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E-Mail: birgitfoerg@uni-koblenz.de

 


Datum der Meldung 09.05.2022 00:00