Urheberrecht

Nutzung von urheberrechtlich geschützten Materialien in der Hochschullehre

Kurzübersicht (ausführlichere Erläuterungen finden Sie in der Broschüre des BMBF)

 

§ 60a UrhG regelt, wie und in welchem Umfang urheberrechtlich geschützte Materialien durch Lehrende an Bildungseinrichtungen erlaubnisfrei genutzt werden dürfen:

 

§ 60a UrhG erlaubt verschiedene Nutzungen von Werken im Rahmen der Lehre: vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen.

Vervielfältigen heißt zunächst einmal „kopieren“. Gemeint sind sowohl die analoge als auch die digitale Kopie. Wird also z. B. eine Grafik aus dem Internet in eine PowerPoint-Präsentation eingefügt, liegt eine Vervielfältigungshandlung vor.

Verbreiten bedeutet, dass urheberrechtlich geschützte Werke oder eine „Kopie“ davon anderen überlassen werden. Klassischerweise ist dies dann der Fall, wenn das urheberrechtlich geschützte Werk, z. B. ein Buch oder ein Skript, an Dritte weitergegeben wird.

„Öffentliches Zugänglichmachen“ liegt – allgemein gesprochen – vor, wenn Werke online, d. h. im Internet, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

§ 60a UrhG erlaubt die Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung von urheberrechtlich geschützten Werken für bestimmte Empfängerinnen und Empfänger, d. h., nur diesen dürfen die urheberrechtlich geschützten Werke zur Verfügung gestellt werden.

Dies sind Lehrende, Teilnehmer und Prüfer derselben Veranstaltung.

Urheberrechtlich geschützte Werke dürfen gem. § 60a UrhG genutzt werden, um den Unterricht zu veranschaulichen, ihn zu ergänzen oder zu vertiefen. Die Veranschau­lichung kann vor, nach oder während des Unterrichts bzw. einer Prüfung stattfinden. Erfasst ist also auch die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke durch Studierende und Lehrende während der Vor- und Nachbereitung der Lehreinheit – auch außerhalb der Hochschule.

Bis zu 15 % eines Werkes dürfen für die Lehre erlaubnisfrei verwendet werden. Zur Berechnung kann man sich an der Gesamtzahl von nummerierten Seiten eines Buches mit Vorwort, Inhalts-, Literatur- und Sachverzeichnis (aber ohne Leerseiten) oder an den Gesamtspielminuten von Filmen oder Musikstücken orientieren.

Einige Werke darf man vollständig nutzen:

  • vergriffene Werke,
  • Werke in wissenschaftlichen Zeitschriften und
  • Werke mit geringem Umfang.

Anders als bei wissenschaftlichen Zeitschriften dürfen aus Tageszeitungen und Publi­kumszeitschriften nur 15 % des Werkes verwendet werden. Doch auch hier gilt: Ist die Tages- oder Publikumszeitschrift vergriffen, darf sie vollständig genutzt werden.

Werke mit geringem Umfang, also sehr kurze Werke, dürfen ebenfalls vollständig genutzt werden, weil hier eine Begrenzung der Nutzung auf 15 % nicht sinnvoll ist. Dies sind zum Beispiel:

  • Druckwerke: bis 25 Seiten
  • Filme: bis 5 Minuten
  • Musik: bis 5 Minuten

  

Einige Werke dürfen jedoch gar nicht erlaubnisfrei genutzt werden. Sie sind von der gesetzlichen Erlaubnis grundsätzlich ausgenommen:

  • Musiknoten: Musiknoten dürfen nicht kopiert werden. Hintergrund ist, dass Musiknoten oft nur in sehr kleiner Auflage und recht teuer produziert werden.
  • Mitschnitte von Live-Veranstaltungen: Film-, Konzert- und Theaterveranstaltungen dürfen nicht mitgeschnitten werden.

 

5. Praxisfragen

 

Ja. Bis zu 15 % eines Werkes können in universitäre Lernmanagementsysteme oder elektronische Semesterapparate eingestellt werden, es sei denn, es handelt sich um vergriffene Werke, Werke mit geringem Umfang oder wissenschaftliche Zeitschriftenartikel. Diese dürfen sogar vollständig eingestellt werden.

Die gesetzliche Erlaubnis gilt gem. § 60a UrhG jedoch nur für eine bestimmte Nutzergruppe:

  • Lehrende,
  • Teilnehmer derselben Veranstaltung (auch Gasthörerinnen und Gasthörer),
  • Prüfer und
  • Dritte, wenn diesen die Lehre, z. B. im Rahmen eines Tags der offenen Tür, präsentiert werden soll.

Nein, eine sukzessive Bereitstellung von Werkteilen und damit die Umgehung der 15 %-Regelung ist nicht gestattet.

Eine derartige Bereitstellung ist nicht erlaubt, da der Zugriff auf den Kreis der Teilnehmenden einer Veranstaltung beschränkt sein muss.

Ja. Gemäß § 60a Abs. 1 und 2 UrhG dürfen Studierende (auch Gasthörerinnen und Gasthörer), Lehrende und Prüfer bis zu 15 % aus urheberrechtlich geschützten Werken wie Lehrbüchern, Monografien, Tages- und Publikumszeitschriften etc. nutzen.

Vergriffene Werke, wissenschaftliche Zeitschriftenartikel und Werke mit geringem Umfang dürfen sogar vollständig genutzt werden.

Einige Werke dürfen jedoch gar nicht genutzt werden: Musiknoten und Livemit­schnitte von z. B. Konzerten und Filmen. Hierfür ist immer die Erlaubnis des Urhebers bzw. Rechteinhabers notwendig.

Für Bilder gilt dasselbe wie für Texte: Beides sind urheberrechtlich geschützte Werke. § 60a UrhG erlaubt die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke „zur Veran­schaulichung des Unterrichts und der Lehre“. Das bedeutet, auch Bildinhalte können für den Unterricht sowie für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts genutzt werden, z. B. indem sie in eine PowerPoint-Präsentation eingefügt werden.

Bilder, Fotos und Grafiken sind – im Unterschied zu Texten – Werke mit geringem Umfang und dürfen im Bereich Lehre und auch in der Forschung sogar vollständig genutzt werden.

Neben der Nutzungserlaubnis über § 60a UrhG ermöglicht– gerade im Rahmen einer Semester-, Bachelor- oder Masterarbeit – auch das Zitatrecht (§ 51 UrhG) eine erlaubnisfreie Nutzung. Das Zitatrecht ist im Gegensatz zur Nutzungserlaubnis gem. § 60a UrhG nicht auf Nutzungen in Unterricht und Lehre beschränkt. Auf das Zitat­recht kann sich jedermann berufen. Zitate kann es in verschiedenen Formen geben: Textzitat, Bild-, Film- oder auch Musikzitate.

 


Urheberrechtlicher Hinweis:

Der Inhalt dieser Webseite ist ein bearbeiteter und ergänzter Auszug aus der Broschüre

Urheberrecht in der Wissenschaft

https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Handreichung_UrhWissG.pdf

Hrsg: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Diese Broschüre wurde unter der Lizenz Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0. veröffentlicht.

 

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