Thesen zur Bedeutung von Digitalisierung für die Universität

(1) Informationstechnischer Fortschritt

Unter Digitalisierung versteht die Universität Koblenz · Landau die strategischen, d.h. langfristig in allen Handlungsfeldern der Universität bedeutsamen Möglichkeiten zur Veränderung („Transformationspotenzial“), die sich aufgrund des stetigen technischen Fortschritts im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien ergeben. Möglichkeiten zur Veränderung können dabei aus Sicht der Universität erschlossen werden („technology pull“), sie können sich aber auch aus den Potenzialen der Technik selbst ergeben („technology push“).

(2) Transformationspotenzial

Das Transformationspotenzial, das sich mit der Digitalisierung eröffnet, ist für die Universität Koblenz · Landau zum einen ein besonderer Aspekt für Forschung, Lehre und Studium, Nachwuchsförderung und Weiterbildung sowie Transfer und Internationalisierung. Zum anderen bezieht sich das Transformationspotenzial auf die Universität als institutionalisiertes Verwaltungssystem, das Veränderungsmöglichkeiten durch Digitalisierung möglichst effektiv und effizient gestaltet, um Verwaltungsprozesse zu verbessern.

(3) Gestaltungsprinzipien

Das Ausschöpfen der Möglichkeiten der Digitalisierung zur Veränderung der Universität Koblenz · Landau erfordert eine gezielte Gestaltung. Diese bezieht alle relevanten organisationalen Bereiche der universitären Institution wie die Strategieentwicklung, Organisationsstrukturen und –prozesse, die Organisationskultur, die Aufgaben der Mitarbeitenden sowie insbesondere die Mitarbeitenden selbst ein. Gestaltungsprinzipien, die mit Digitalisierung einhergehen, sind etwa Selbststeuerung, Flexibilisierung, Personalisierung, Dialogorientierung, Skalierung, Transparenz, Agilität, Virtualisierung und Prototyping auf der einen Seite und Sicherheit, Kompetenz, Wertorientierung, Partizipation und Verbindlichkeit auf der anderen Seite.

(4) Interdisziplinarität 

An der Universität Koblenz · Landau sind die wissenschaftlichen Disziplinen der Bildungswissenschaften, Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, Natur- und Umwelt- einschließlich der Materialwissenschaften, die Psychologie sowie die Informatik auf vielfältige Weise miteinander verbunden. Die interdisziplinäre Vernetzung ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung und Weiterentwicklung von Digitalisierung als einen gestaltbaren Transformationsprozess.

(5) Zeitgemäßes Lehren und Studieren

Lehrende und Studierende wachsen mit Digitalisierung auf und nehmen sie als festen Bestandteil ihrer Alltagspraktiken wahr. Vor diesem Hintergrund haben sie entsprechende Erwartungen an universitäre Lehr- und Studierendenumgebungen. Insofern erkennt die Universität Koblenz · Landau die durch Digitalisierung möglichen neuartigen, innovativen Lehr-Lern-Formate sowie die Nutzung von digitalen Inhalten als strategische Notwendigkeit an und fördert ihre wissenschaftliche Weiterentwicklung. Mit Blick auf die Lehramtsbildung wird die Universität die notwendigen Lehr-/Lernmethoden und -kompetenzen im Kontext von Digitalisierung vermitteln und die angehenden Lehrkräfte qualifizieren, Medien und Techniken der Digitalisierung für ihr eigenes Lernen zu nutzen und sinnvoll in pädagogische Interaktionen zu integrieren. Die dafür notwendige wissenschaftliche Grundlagenarbeit wird von der Universität Koblenz · Landau unterstützt.

(6) Forschungsinstrument 

Die Universität Koblenz · Landau unterstützt im Sinne der „digital science“ den für Forschung notwendigen Einsatz digitalisierter Methoden und Techniken in Abhängigkeit von den jeweils technologisch verfügbaren Entwicklungen. Methoden und Instrumente können genutzt werden, um in digitalen Umgebungen spezifische Forschungsergebnisse zu realisieren, die selbst wieder auf diese digitalen Umgebungen bezogenen werden können.

(7) Austausch

Als Universität, deren Selbstverständnis es ist, in die Stadt, Region und Gesellschaft hineinzuwirken, unterstützt die Universität Koblenz · Landau den digitalen Wandel auch außerhalb der Universität und sieht sich hier in einer Vorreiterrolle. Sie fördert den Dialog über mögliche Potenziale der digitalen Transformation mit Wirtschaft, Bildung, Kultur, Bürgergesellschaft und Politik und stellt ihre Erfahrungen und Kompetenzen im Sinne eines bestmöglichen Wissens- und Technologietransfers zur Verfügung.

(8) Öffnung

Ein wesentliches Paradigma, welches mit Digitalisierung als Möglichkeit einhergeht, ist das der Öffnung. Die Universität Koblenz · Landau unterstützt das Ziel, Wissenschaft in der jeweils adäquaten Form möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen („open science“). Dazu gehört neben Open Access oder Open Data auch die Beteiligung von Bürgern an wissenschaftlichen Erkenntnisprozessen oder tiefergehende Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisprozesse („citizen science“).

(9) Forschungsdaten

Eine wesentliche Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens sind Forschungsdaten. Diese gilt es langfristig zu sichern und bereitzustellen, um die Nachvollziehbarkeit und Qualität wissenschaftlichen Arbeitens zu ermöglichen und die Anschlussfähigkeit für weitere Forschung sicher zu stellen. Digitalisierung ermöglicht in diesem Zusammenhang neue Möglichkeiten zur Sicherung und Bereitstellung, die es im Rahmen eines entsprechenden Forschungsdatenmanagements gezielt und universitätsweit zu planen, zu organisieren, zu steuern und zu kontrollieren gilt.

(10) Administration

Die digitale Abbildung von Verwaltungsprozessen ist aktuell eine der großen Herausforderungen für die Universität. Beispiele für Digitalisierung sind „Enterprise Resource Planning“ (ERP-) Systeme oder „Campus Management Systeme“. Notwendige Perspektiven zur erfolgreichen Implementierung um-fassen Prozesse und Dokumente, organisatorische Integration und technische Kompatibilität. 

(11) Sicherheit

Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten und IT-Services müssen gewährleistet sein. Maßnahmen zum gezielten Schutz vor Attacken von inner- und außerhalb der Universität zählen hierzu ebenfalls. Dies bedingt ein Sicherheitskonzept für die Universität Koblenz · Landau, welches die Prävention, Analyse und Behebung von Sicherheitsvorfällen umfasst. Zudem sind rechtliche Rahmenbedingungen zu prüfen und ggf. anzupassen sowie auch ethische Aspekte mit zu berücksichtigen.