Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) in der Region Nördlicher Oberrhein: Nachhaltiges Populationsmanagement und eDNA-Nachweis

Der Schlammpeitzger gilt in Deutschland als Rote Liste-Art der Kategorie 2 (stark gefährdet). Ferner ist diese Art im Anhang II der FFH-Richtlinie gelistet und gehört damit zu den „Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichen Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen“. Das Oberrheingebiet weist noch eine Reihe von Vorkommen des Schlammpeitzgers auf und es existieren für diese Art potentiell geeignete Gewässer. Somit hat das Oberrheingebiet eine besondere Bedeutung für den Erhalt des Schlammpeitzgers.

Zur Wiederherstellung eines guten Erhaltungszustandes der Art werden jährliche Besatzmaßnahmen durchgeführt. Hierfür werden im Frühjahr in den Nassräumen der Ökosystemforschung Anlage Eußerthal Schlammpeitzgerlarven aufgezogen, welche nach einigen Wochen in geeignete regionale Gewässer ausgebracht werden. In den Besatzgewässern werden zusätzlich verschiedenste Parameter aufgenommen. Hiermit sollen dann Aussagen zu saisonalen und tageszeitlichen Migrationsmuster der Schlammpeitzger und zu Nahrungsbeziehungen möglich sein.

Das Projekt hat zudem zum Ziel, die Wirksamkeit der Besatzmaßnahmen zu kontrollieren. Der Nachweis von Schlammpeitzgern ist besonders in Gewässern mit starkem Pflanzenbewuchs und Schlamm, in dem sich die Tiere eingraben, mit herkömmlichen Methoden (Reusenfang und Elektrofischerei) oft nicht effektiv. Gerade aber die Gewässer mit solchen Strukturen, sind bevorzugte Lebensräume des Schlammpeitzgers. Für valide quantitative Ergebnisse des Vorkommens des Schlammpeitzgers, und damit des Erfolges der Besatzmaßnahmen, müßte ein hoher Aufwand betrieben werden. In den letzten Jahren wurde eine neue Methode zum Nachweis des Vorkommens von Lebewesen in aquatischen Ökosystemen entwickelt, welche im Rahmen des Projektes an der Forschungsstation Eußerthal weiter untersucht werden soll. Diese Methode beruht auf einem molekular-genetischen Nachweis aus Wasserproben. Hierbei macht man sich zugute, dass im Wasser freie DNA und Zellreste (engl. environmental DNA oder eDNA) vorkommt, die die Tiere durch Ausscheidungsprodukte und permanent über die Körperoberfläche, insbesondere die Kiemen, ins Wasser abgeben. Die im Gewässer vorkommende DNA kann artspezifisch zugeordnet. Somit kann ein Vorkommen des Schlammpeitzgers ohne aufwendige Fangmethoden nachgewiesen werden.

 

Projektregion: RP Darmstadt, RP Karlsruhe, SGD Süd

Projektpartner: Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, INGA – Institut für Gewässer- und Auenökologie (Dr. Egbert Korte)

Drittmittelgeber:

SGD Süd, Regierungspräsidium Darmstadt, Regierungspräsidium Karlsruhe, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

 

Laufzeit: 3 Jahre (seit Mai 2017)