Biodiversitäts- "Hotspots"

In Mitteleuropa gehören Flussauen zu den artenreichsten und produktivsten Ökosystemen. Der Grund für diese Artenvielfalt ist die Fülle an verschiedenen Lebensraumtypen auf engstem Raum. Durch den ständigen Wechsel von Überflutung und Trockenheit entstehen in Flussauen zahlreiche unterschiedliche Lebensräume, welche geprägt sind durch eine hohe Dynamik. Viele Pflanzen und Tiere haben sich in ihrem Lebenszyklus, ihrem Verhalten sowie durch ihren Körperbau und ihre Ernährungsweise an diese wechselhaften Bedingungen in den mosaikartig verzahnten nassen, feuchten, wechselfeuchten und trockenen Habitaten angepasst und sind auf Auen als Lebensräume angewiesen. Die Durchgängigkeit, die in naturnahen Fluss-Auen-Systemen gewährleistet wird, ist unersetzlich für viele Arten, die ihren Lebenszyklus nicht an einem Ort im Gewässer verbringen. 

Lebensraumtypen in Auen
Wasserkörper

Feuchtwiesen

Flussbett und Interstitial

(Kies- und Sandlückensystem)

Stillgewässer

(Altarme, Tümpel)

Kies- und Schotterbänke

Weichholzaue

(regelmäßig überflutet)

Ufer

(Steilufer, Flachufer, Ufervegetation)

Hartholzaue

(1-2 Mal jährlich überflutet)

Typische Biodiversität in Auen
Gelbbauchunke (Bombina variegata)

Durch die Auendynamik entstandene, temporäre und sonnige Kleingewässer in Flussauen sind der ursprüngliche Lebensraum der Gelbbauchunke (Bombina variegata). Dadurch, dass sich die kleinen Gewässer rasch erwärmen, kommt es zu einer schnellen Entwicklung des Laichs und der Larven – bevor das Gewässer wieder vollkommen trocken liegt. 

Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)

Der Lebensraum des Flussregenpfeifers (Charadrius dubius) sind flache Schlamm-, Kies- oder Sandufer wie sie oft in Auen zu finden sind. Für seinen Nistplatz bevorzugt er vegetationsarme Brachflächen mit Kies. 

EISVOGEL (ALCEDO ATTHIS)

Metallisch blau schimmern Kopf und Flügel des Eisvogels (Alcedo atthis), die Unterseite ist kräftig orange gefärbt. Zum Brüten braucht der Eisvogel steile Uferabbrüche, in welchen er seine Brutröhren baut. Seine Nahrung, überwiegend Kleinfische, findet der Eisvogel in sauberem Wasser naturnahen Auen.

SCHLAMMPEITZGER (MISGURNUS FOSSILIS)

Der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) hat seinen Namen von seiner Vorliebe für das Leben in wasserpflanzenreichen Gewässern mit schlammigem Untergrund und niedriger Strömungsgeschwindigkeit (auch Stillgewässer). Diese findet er beispielsweise in Altarmen oder Tümpeln regelmäßig überfluteter Flussauen. 

Europ. Sumpfschildkröte (Emys orbicularis)

Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) ist die einzige Schildkrötenart, die in Deutschland natürlich vorkommt, sie ist jedoch vom Aussterben bedroht. Sie war früher eine charakteristische Art der Auengebiete am Oberrhein. 

Europ. Biber (Castor fiber)

Der Europäische Biber (Castor fiber) gehört in Deutschland immer noch zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. Er frisst bevorzugt Weichhölzer wie Weiden und Pappeln und ist auf weiträumige, zusammenhängende Auenlandschaften angewiesen. 

Schwarzerle (Alnus glutinosa)

Der Lebensraum der Schwarzerle (Alnus glutinosa) ist ebenfalls die Weichholzaue. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bäumen, hat die Schwarzerle keine Probleme mit ständig feuchten bis nassen Böden. Durch ihre starken, verzweigten Wurzeln trägt sie zur Befestigung des Ufers bei. 

Silberweide (Salix alba)

Silberweiden (Salix alba) findet man im häufig überschwemmten Bereich direkt am Flussufer in der Weichholzaue. Weiden besitzen zudem ein robustes und sehr biegsames Holz, was ihnen an ihrem ausgesetzten Standort am Flussufer zugute kommt.

Kaum bewachsene Kiesbank in der Flussaue

Auch sehr spärlich bewachsene Lebensräume, wie beispielsweise Kies- oder Schotterbänke, existieren in Flussauen und tragen zu deren Habitatvielfalt bei. Sie sind Nahrungsrevier für viele Wasservögel die in den groben Poren leicht Nahrung finden und dienen z.B. dem Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) als Brutrevier.

Schilfrohr (Phragmites australis)

Schilfrohr (Phragmites australis), auch Schilf genannt, gehört zur Gattung der Süßgräser und kommt an stehenden oder langsam fließenden Gewässern und Auen bis zu einer Wassertiefe von ca. 2 Metern vor. Zahlreiche in Auen lebende Vogelarten finden Schutz in großen Schilfbeständen. 

Eichenwald

Die Stieleiche (Quercus robur) wächst nicht direkt am Fluss, sondern in den Hartholzauen, welche nur bei außergewöhnlichen Hochwässern überflutet werden. Sie kann eine Höhe von bis zu 40 m und ein Alter von bis zu 1000 Jahren erreichen.

Quellen

BMU. 2008. Biodiversität von Gewässern, Auen und Grundwasser. Symposiumsbericht.

http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/wasser/Symposiumsbericht.pdf.

 

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/index.html

 

http://baum-des-jahres.de/index.php?id=443

 

http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/