Geschichte der Auen

Auen zählen heute zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen Europas. Ursprünglich wurden Flussauen auf eine Art und Weise von Menschen genutzt, die an die Dynamik und die Gegebenheiten in den Auen angepasst war. Traditionelle, extensive Nutzung als Grünland, welche sogar die Lebensraumvielfalt der Auen bereichern konnte, ließ teilweise Überflutungen sowie Uferausbrüche und Sedimentablagerungen noch zu.

Rhein in Koblenz. Begradigt und bis an den Uferrand bebaut und besiedelt.

(Quelle:colourbox)


Seit Beginn des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Nutzung von Auen durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den vermehrten Einsatz von Düngemitteln jedoch stark. Fließgewässer wurden auf tausenden von Kilometern begradigt, Feuchtwiesen wurden entwässert und Auenlandschaften wurden durch Deiche vom Wasser abgeschnitten und trockengeleckt. Die neu gewonnene Fläche wurde zu unterschiedlichen Zwecken genutzt. Grünflächen wurden zu Äckern umgewandelt, wodurch Auenflächen nicht mehr extensiv, sondern intensiv landwirtschaftlich genutzt werden konnten. Auch neue Siedlungsgebiete wurden erschlossen und frühere Auenflächen nun bebaut und besiedelt.

Die Begradigung und Vertiefung der Flüsse und die zusätzliche Befestigung ihrer Ufer diente dazu, sie besser für die Schifffahrt nutzbar zu machen. Der Transport von Gütern und Lebensmitteln wurde durch die Begradigungen verbessert, beschleunigt und es konnten größere Schiffe eingesetzt werden. Auch durch Deiche und Dämme, welche nach den Flussbegradigungen notwendig waren um vor Hochwasser zu schützen, wurden Auen von der Flussdynamik abgeschnitten. Durch all diese Maßnahmen wurden Flüsse und Auen ausschließlich nutzenorientiert und monofunktional gestaltet. Diese Umgestaltungen boten einen wirtschaftlichen Vorteil für die Gesellschaft. Die ökologischen und gesellschaftlichen Funktionen der Auen gingen durch die Maßnahmen verloren.