Friedenspädagogik

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Friedenspädagogik beschäftigt sich mit der pädagogischen Anregung und Begleitung reflexiver individueller und gesellschaftlicher Prozesse. Es geht dabei um die methodische Begleitung in der kritischen Auseinandersetzung gesellschaftlicher Strukturen und der Stärkung von Friedensfähigkeit auf individueller, kollektiver und institutioneller Ebene. Die pädagogische Förderung von holistischem Denken steht dabei ebenso im Vordergrund wie eine hohe Methodenvielfalt. Auf Grund des starken Praxisbezugs ist friedenspädagogische Forschung ein wechselseitiger Prozess aus Theorie, Praxis und konzeptioneller Entwicklung.

Die Friedensakademie RLP leistet einen Beitrag zu diesem wissenschaftlichen Prozess und legt den Fokus aktuell auf folgende Schwerpunkte: Zum einen widmet sie sich der Verdeutlichung von Schnittstellen friedenswissenschaftlicher Perspektiven und friedenspädagogischer Ansätze im Bereich der informellen Bildung im Rahmen des Westwallprojekts (Lern- und Lebensorte unter Berücksichtigung theoretischer Perspektiven der Memory Studies), zum anderen liegt der Fokus auf vergleichende Länderstudien zu innergesellschaftlichen Konflikten sowie friedenspädagogischen Konzepten und Lernprozesse im Rahmen des Programms zu Shared Society. Ein Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit dem Thema ‚lebensweltlicher‘ Friedensprozesse aus Perspektive dekolonialer Theoriebildung.


An der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis arbeitet die Friedensakademie an der Weiterentwicklung ziviler Strategien der Krisenprävention und Konfliktbearbeitung sowie friedenspädagogischer Methoden (Arbeit mit elicitiven Methoden der Konfliktransformation wie Tanz, Embodiment & Peace).

Das Praxisangebot der Friedensakademie umfasst Trainings, Workshops, Lehre und Beratungen.

 

Projekte mit Schwerpunkt Friedenspädagogik

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Das Programm

Die Friedensakademie RLP und die israelische Bildungs- und Begegnungsstätte Givat Haviva haben im März 2017 mit einem Memorandum of Understanding ihre Kooperation besiegelt. Die beiden Einrichtungen arbeiten seitdem an gemeinsamen Projektinitiativen im Bereich der Bildung und Forschung.

Die Kooperationsvereinbarung greift die gemeinsame Absichtserklärung auf, die das Land Rheinland-Pfalz und der Staat Israel über den Ausbau und die Zusammenarbeit im Bereich Bildung im März 2016 geschlossen haben.

Gemeinsam entwickeln Givat Haviva, Universität Haifa und die Friedensakademie mit renommierten Partnerinstitutionen aus Nordirland, Kosovo und Belgien derzeit ein umfassendes und nachhaltiges
5-Jahresprogramm zu Wissens- und Handlungskompetenzen in Shared Societies.

Die Perspektive einer Shared Society geht über früher präferierte Ansätze einer friedlichen Koexistenz zwischen und innerhalb von Gesellschaften hinaus. Eine Shared Society-Programmatik fokussiert darauf, allen gesellschaftlichen Gruppen sowie Individuen gleichberechtigte möglichst vollständige gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und ist damit ein nachhaltiges Modell für die Herausforderungen an die Demokratie im 21. Jahrhundert. Diese neue und innovative Handlungsperspektive eignet sich gleichermaßen für Länder vor dem Hintergrund zunehmender Migrationsbewegungen und aktuellen Integrationsherausforderungen, wie beispielsweise in Deutschland, sowie für Länder mit innergesellschaftlichen Konflikten oder Diskriminierung von Minderheiten, wie beispielsweise in Israel

Ziel des fünfjährigen Projektes ist die kritische Auseinandersetzung und Weiterentwicklung von Wissen, innovativen methodischen Ansätzen und die Etablierung eines Expert_innennetzwerkes im Kontext von „Shared Society - Diverse Community“. Das Projekt bringt renommierte Expert_innen aus Wissenschaft und Praxis zusammen, um ihre wissenschaftliche und praktische Arbeit in einer internationalen Learning Community voran zu treiben.

Startpunkt des Projekts ist die erste Autumn School zu „Developing the next generation of Shared Society theory and practices“, die von 2. bis zum 9. Oktober 2018 am Campus von Givat Haviva in Israel stattfand und anschließend jährlich in einem der fünf Partnerländer ausgerichtet wird.

 

Pilotprojekt: Shared Society in Trier

Das Pilotprojekt in Trier ist Teil des internationalen Programms. Die Prinzipien einer Shared Society – Kohäsion, Gleichstellung, Vielfalt und Teilnahme sollen in jedem Land in konkrete Projekte überführt werden. In Deutschland übernehmen die Friedensakademie RLP als wissenschaftlicher Partner und der Beirat für Migration und Integration der Stadt Trier als Praxispartner die Aufgabe, diese Handlungsperspektive gemeinsam in die Praxis umzusetzen. Ziel der fünfjährigen Kooperation ist es, das Konzept der „Shared Society“ in die Migrations- und Integrationsarbeit der Stadt Trier einzubringen und Pilotprojekte zu initiieren und zu betreuen.

Projektverantwortliche: Melanie Hussak
Projektkoordinatorin Melanie Hussak

Weitere Informationen zur Kooperation gibt es hier.

Eine gemeinsame Projektinitiative der Friedensakademie RLP & der Evangelischen Akademie der Pfalz

Der ehemalige Westwall ist vieles: historisches Erbe, geschütztes Denkmal, Ort des Mahnens und Erinnerns, Lebensraum, Naturschutzgebiet, „Touristenattraktion" als auch potenzieller Lern- und Erfahrungsraum und manchmal auch eine politische Bürde, wenn es um den adäquaten und konstruktiven Umgang mit den Ruinen und der Landschaft geht.

Unterschiedlichste Akteursgruppen engagieren sich ehrenamtlich oder beruflich am ehemaligen Westwall. Alle bringen unterschiedliche Erfahrungen, Biographien, Interessen und Vorstellungen mit, wie dieser Raum, dieses Mahn-/Erinnerungs-/ Denkmal, dieser Täterort, dieser Grenz-und Nachbarschaftsraum „konstruktiv genutzt“ werden soll.

Vergangenes und Zukünftiges stehen in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander. Dieses Verhältnis wird durch die Architektur der Anlagen deutlich. Der ehemalige Westwall hinterlässt noch heute Spuren im öffentlichen Raum der Region. Somit handelt es sich um einen Ort mit symbolischem und pädagogischem Charakter.

Betrachtet man den ehemaligen Westwall aus der Vielzahl der Perspektiven, ergeben sich spannende, gegenwartsbezogene und zukunftsorientierte Fragestellungen:

  • Wie lassen sich die entstandenen Naturschutzräume bewahren und zugleich für umweltpolitische Bildungsarbeit nutzen?
  • Wie kann der ehemalige Westwall als Denkmal/Erinnerungsort erhalten bleiben und zugleich auch zu einem Lernort für Gegenwartsfragen werden?
  • Wie kann er als kulturelle touristische „Attraktion“ auch ein Nachdenken über Vergangenes sowie gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen anregen?
  • Welche Bedeutung hat das historische Symbol „Westwall“ angesichts wiederauflebender Nationalismen, neuer gewalttätiger Grenzkonflikte und zunehmender Abschottung gegenüber globalen Fluchtbewegungen?

Die Friedensakademie Rheinland-Pfalz und die Evangelische Akademie der Pfalz haben 2017 eine Projektinitiative zur Erarbeitung eines nachhaltigen Strategiekonzepts für einen zeitgemäßen und zukunftsorientieren Umgang mit dem ehemaligen Westwall gestartet. Der Stakeholder-Workshop vom 26. Januar 2017 in Mainz war der Ausgangspunkt für den Konsultationsprozess der kommenden Monate. Ziel des Konsultationsprozesses ist Ziel des Konsultationsprozesses ist es, zentrale Handlungserfordernisse zu identifizieren und auszuarbeiten, eine Landkarte der involvierten Stakeholder-Gruppen, sowie Kriterien für ein Gesamtkonzept politischer Bildungsarbeit zu erstellen.

Gemeinsam mit im Feld aktiven Akteuren, möchten wir uns mit der Frage auseinanderzusetzen, wie eine gemeinsame Verantwortung für diesen Raum aussehen kann. Die Auftaktveranstaltung hat daher auch Zeit und Raum geboten, die eigenen Interessenlagen, zentrale Bedürfnisse sowie Vorstellungen zum zukünftigen Umgang mit dem ehemaligen Westwall zu formulieren.

Programm zur Auftaktveranstaltung (Download)

Projektverantwortliche: Dr. Christoph Picker, Jana Hornberger

Konsultationsprozess

Die Projektinitiative der Friedensakademie RLP und der Evangelischen Akademie der Pfalz initiiert gemeinsam mit relevanten Stakeholdern eine Strategie für einen zukunftsorientierten Umgang mit den ehemaligen Westwall-Anlagen.

Der Konsultationsprozess hat mit einem Stakeholder-Workshop am 26. Januar 2018 in Mainz begonnen und ist bis September 2019 anvisiert. Die Ergebnisse des Prozesses werden in einem Strategiepapier festgehalten, welches die zu identifizierenden Handlungserfordernisse und zu erarbeitenden Handlungsoptionen darstellt, sowie Kriterien für ein Gesamtkonzept vorstellt.

Der Konsultationsprozess beinhaltet verschiedene Meilensteine und Aktivitäten, wie Stakeholder-Interviews, Öffentliche Veranstaltungen und Austauschplattformen zur Erarbeitung einer gemeinsamen Strategie.

Anstehende & bisherige Veranstaltungen

Datum Thema

Ort

17. Oktober 2019 "Der Westwall - Geschichte einer Grenze". Eine Dokumentation von Manfred Ladwig

Universum-Kinocenter Landau

11. Juni 2019 Der Westwall in einem vereinten Europa - Bildung für den Frieden?

Westwallmuseum Bad Bergzabern

6.-.7. Dezember 2018 Friedenswissenschaftliche Tagung: Erinnerungsräume
Butenscheon-Haus in Landau
26. Januar 2018 Stakeholder –Workshop: „Perspektiven für den Westwall. Geteilte Verantwortung für einen Grenzraum Erbacher Hof in Mainz
26. Oktober 2016 Erinnerungsort Ehemaliger Westwall. Zum Umgang mit einem NS-Relikt“: Eine Kooperationsveranstaltung der Friedensakademie RLP, der Evangelischen Akademie und dem Umweltministerium Rheinland-Pfalz. Campus Landau
6.-7. November 2015 Symposium „Erinnern - Verstehen - Verhindern" Vom schwierigen Umgang mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit“: Eine Kooperation der Friedensakademie Rheinland-Pfalz, der Evangelische Akademie der Pfalz und Stadtbibliothek Ludwigshafen Campus Landau

 

PhD Projekte mit Schwerpunkt Friedenspädagogik

Frieden leben. Lebensweltliche Friedensinterpretationen und Konflikttransformation am Beispiel der Oglala Lakota

Was Frieden bedeutet und wie Frieden definiert wird, ist ein zentrales Thema der Friedens- und Konfliktforschung. Sie entspringt dem Erkenntnisinteresse, wie Menschen ihre Beziehungen und ihr Zusammenleben positiv gestalten können. Diese Frage wird an verschiedenen Orten sehr unterschiedlich beantwortet. Sehr oft widmen sich Wissenschaftler und Philosophen dieser Frage, selten steht das „lebensweltliche“ Verständnis von Menschen selbst im Mittelpunkt.

Die Auseinandersetzung mit dem Verständnis von Frieden ist aus zwei Gründen sehr wichtig. Zum einen wirkt es auf die Entwicklung von Methoden der Konfliktanalyse und Konfliktbearbeitung zurück. Zum anderen beeinflusst es auch politische Entscheidungen mit, mit welchen Zielen, Strategien und Instrumenten auf weltweite (bewaffnete) Konflikte regiert wird.

Anhand des Fallbeispiels der Oglala Lakota widmet sich das Dissertationsprojekt der lebensweltlichen Bedeutung von Frieden. Erkenntnisleitend ist neben der Frage nach „Wie wird Frieden von den Lakota interpretiert“ somit auch die Frage wie sich die in einem spezifischen Referenz- und Wissenssystem eingebetteten Verständnisse von Frieden im Leben wie in konkreten Initiativen und Programmen zeigen. Wie betrachten die Lakota auf Basis ihrer Weltsicht die Beziehung zu den heutigen Vereinigten Staaten von Amerika und welche Rolle spielen diese in den Friedensinitiativen?

Bei diesen Beispielen zeigt sich, dass der Bruch, den die gewaltvollen Ereignisse der Kolonialisierung erzeugt haben, den Frieden der Lakota massiv beeinflusst. Diese Nachwirkungen und neuen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Realitäten prägen das Leben der Lakota im Reservat. Die Folgen der Zerstörung, der Gewalttaten, des Ethnozids, des Landraubs und der Aussichtslosigkeit des Lebens in den Reservaten in Armut sind allgegenwärtig.

Die Arbeit basiert auf Daten, die während einer Feldforschung im Pine Ridge Reservat im August und September 2019 erhoben wurden.

Projektverantwortliche: Melanie Hussak
Projektstart:
06/2015
Region: USA, Pine Ridge Reservat
Gefördert durch: University of Koblenz-Landau