ProKo: Professionelle Kompetenz von Deutsch-, Fremdsprachen- und Herkunftssprachenlehrkräften - Erfassung des Professionswissens sowie kultureller, pädagogischer und motivationaler Orientierungen.

Logo ProKoWesentliches Ziel des Projektes ProKo ist es, die professionelle Kompetenz von Deutsch-, Fremdsprachen- und Herkunftssprachenlehrkräften zu erfassen, die Bedeutsamkeit einzelner Komponenten professioneller Kompetenz zu untersuchen und Rückschlüsse für die Lehrerbildung mit besonderem Fokus auf den Umgang mit Heterogenität, Mehrsprachigkeit und Inklusion zu ziehen. Hierzu werden neben dem fachlichen, dem fachdidaktischen und dem pädagogisch-psychologischen Professionswissen auch die Überzeugungen und Ziele sowie die motivationalen Orientierungen der Lehrkräfte untersucht und zueinander in Beziehung gesetzt. Um über die Zusammenhänge der Teilkompetenzen hinaus auch deren Effekte auf das Lehrhandeln bzw. die prozessuale Unterrichtsqualität und auf die Entwicklung der SchülerInnen zu erforschen, werden ausgewählte Merkmale prozessualer Unterrichtsqualität sowie das Selbstkonzept der SchülerInnen als abhängige Variablen erhoben. Die Daten werden unter Verwendung etablierter Analyseverfahren latent modelliert bzw. messfehlerbereinigt ausgewertet. ProKo liefert erstmals empirische Daten zum Stand der Professionalisierung verschiedener Gruppen von Sprachlehrkräften, wobei domänenspezifische und fächerübergreifende Kompetenzen erfasst werden. Auf diese Weise leistet das Projekt über den wissenschaftlichen Diskurs hinaus einen Beitrag zur Förderung des Transfers zwischen bildungswissenschaftlichen Kompetenzen und fachwissenschaftlichen sowie fachdidaktischen Anforderungen im Lehrerberuf (vgl. KMK-Standards für Lehrerbildung: Bildungswissenschaften, 2004/2014; Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung, 2008/2014). Das Projekt ProKo unterstützt damit wesentlich die Profilbildung der Universität Koblenz-Landau im Bereich Bildung, insbesondere Lehrerbildung, weit über Rheinland-Pfalz hinaus bei. Eine Verortung in der nationalen und internationalen Forschungslandschaft erfolgt außerdem durch eine Vernetzung mit anderen Forschungsinitiativen.

In den letzten Jahren hat die Forschung zur Lehrerexpertise stetig zugenommen. Der Fokus richtet sich dabei vor allem auf das Professionswissen als Bedingung für Unterrichtserfolg (z. B. ProwiN, COACTIV). Während dies insbesondere für die Mathematik gut erforscht und im Bereich der Naturwissenschaften ansatzweise erforscht ist, weiß man derzeit noch wenig über domänenspezifische Kompetenzen von Lehrkräften im Handlungsfeld Sprache und deren Zusammenwirken mit dem pädagogisch-psychologischen Professionswissen sowie mit den Überzeugungen und den Orientierungen der Lehrkräfte. Da es sich hierbei um eine Erhebung verschiedener Teilkompetenzen handelt, gliedert sich das Gesamtprojekt in drei Teilprojekte (TP 1-3) in denen die Wirkmechanismen in den Teilkompetenzen, sowie die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen den erfassten Teilkompetenzen analysiert werden. In Teilprojekt 1 (MetaSpra) wird die Ausprägung des domänenspezifischen Professionswissens untersucht. Zur Erfassung des Professionswissens werden im Rahmen von Vorarbeiten entwickelte Videovignetten in Kombination mit einem Paper-Pencil-Test eingesetzt (in Anlehnung an TEDS-LT, SprachKopf). In Teilprojekt 2 (PäP) wird überprüft, wie das pädagogisch-psychologische Professionswissen der Probanden ausgeprägt ist und welche Effekte es auf die prozessuale Unterrichtsqualität hat. Ein Schwerpunkt wird hier auf die Facette des interkulturellen Wissens gelegt. Zur Erfassung des Professionswissens werden im Rahmen von Vorarbeiten entwickelte und validierte Paper-Pencil-Tests eingesetzt. Der Einfluss auf die Unterrichtsqualität wird über die Schülerwahrnehmung ermittelt. Des Weiteren wird in Teilprojekt 3 (KuPäd) überprüft, welche interkulturellen, pädagogischen Überzeugungen und Zielorientierungen die Probanden aufweisen und ob sich die Substichproben diesbezüglich unterscheiden. In einem weiteren Schritt wird analysiert, ob, und wenn ja, welche Überzeugungen mit dem akademischen Selbstkonzept der SchülerInnen in Zusammenhang stehen. Zur Erfassung der Überzeugungen und Zielorientierungen der Lehrkräfte und des Selbstkonzepts der SchülerInnen werden in der Forschung etablierte Fragebögen eingesetzt.

Das Projekt ProKo als Teil der Graduiertenakademie Bildung-Mensch-Umwelt ist im Zentrum des Schwerpunkts Schule-Unterricht-Lernen angesiedelt. Es greift Aspekte aus allen drei Profilbereichen der Universität auf und führt sie in der dargelegten Forschungsidee zusammen: Der Profilbereich „Umwelt“ wird hier in dem Verständnis der „kulturellen“ Umwelt aufgenommen, da der gesellschaftliche Wandel hin zu einer sprachlich-kulturell-ethnisch-religiösen Vielfalt die soziale und „ökologische“ Basis für die aufgeworfene Fragestellung ist. Der Profilbereich „Mensch“ wird in zweifacher Weise zugrunde gelegt, als Bereich, in dem „Kommunikation“ in einem weiteren Verständnis untersucht wird und als methodischer wie theoretischer Fokus für Teilfragen, etwa aufgrund der pädagogisch-psychologischen Forschung zur Wirkung von Einstellungen. Der Profilbereich „Bildung“ steht a) durch die Fokussierung auf Professionswissen und auf Einstellungen von Lehrkräften bezüglich pädagogischer und (inter)kultureller Überzeugungen und b) durch die Verortung der Forschung (Grundschule) im Mittelpunkt. Das Projekt fördert die Interdisziplinarität in der Forschung zwischen der pädagogischen Psychologie, der bildungswissenschaftlichen Professionsforschung, sozialwissenschaftlich basierter Erziehungswissenschaft und Sprachwissenschaft und -didaktik im Kontext von Grundschulpädagogik.

MetaSpra

Erfassung des metasprachlichen Professionswissens von Deutsch-, Fremdsprachen- und Herkunftssprachenlehrkräften.

Projektleiterin: Prof. Dr. Anja Wildemann

PäP

Erfassung des pädagogisch-psychologischen Professionswissens von Deutsch-, Fremdsprachen- und Herkunftssprachenlehrkräften

Projektleiterin: Jun.-Prof. Dr. Gerlinde Lenske

KuPäd

Erfassung von kulturellen und pädagogischen Überzeugungen von Deutsch-, Fremdsprachen- und Herkunftssprachenlehrkräften.

Projektleitung: Prof. Dr. Norbert Wenning & Jun.-Prof. Dr. Gerlinde Lenske