Teilprojekt 1a

"Schriftsprachliches Lernen im Kontext von Bilderbüchern in gereimter und nicht gereimter Sprache – Eine Interventionsstudie in Klasse 3"

Der Erwerb schriftsprachlicher Strukturen ist stark davon abhängig, wie viel Erfahrungen die Kinder mit dieser deutlich von der Alltagssprache zu unterscheidenden Sprachform jeweils haben. Im Anschluss an die sog. Kontrasthypothese, die besagt, dass die Aufmerksamkeit für schriftsprachliche Strukturen im Erwerb umso größer ist, je größer der wahrgenommene Kontrast zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit ist, soll im Rahmen einer kontrollierten Intervention untersucht werden, inwiefern die starke Geformtheit gereimter Sprache den Erwerb konzeptionell schriftsprachlicher Strukturen in besonderer Weise herausfordert. Dazu sollen drei Klassen (n= 60 Kinder) Bilderbücher mit gereimter Sprache vorgelesen bekommen und schriftliche und mündliche Anschlussaufgaben erhalten. Drei Klassen machen dasselbe mit Bilderbüchern ohne gereimte Sprache; eine Kontrollgruppe von drei Klassen (n=60) durchläuft ein von Umfang und Art vergleichbares nicht-sprachliches didaktisches Angebot. Insofern ergeben sich drei Fragestellungen, die in Teilprojekt 1a und 1b mit unterschiedlichen Auswertungsschwerpunkten untersucht werden sollen:

  1. Wie gehen Kinder mit den konzeptionell schriftsprachlichen Strukturen der Vorgabe in den Eigenproduktionen um? Inwiefern unterscheidet sich der Umgang mit schriftsprachlichen Strukturen zwischen Klassen, die zu gereimten Bilderbüchern gearbeitet haben, von denen, die mit nicht gereimten Bilderbüchern gearbeitet haben?(1b)
  2. Welche Auswirkungen hat diese Art von Umgang mit Literatur auf die schrift-sprachlichen sowie die sozial-kognitiven Fähigkeiten der Kinder? (1a)
  3. Lassen sich differenzielle Verläufe in Bezug auf die Verwendung schriftsprachlicher Strukturen und die damit verbundenen Lernprozesse aufzeigen? (1a und 1b)

Teilprojekt 1a: Quantitativ orientierter Auswertungsansatz

Die Entwicklungen der Kinder im Bereich von Syntax und Wortschatz, aber auch im Bereich sozial-kognitiver Fähigkeiten wie der Perspektivübernahme, die für den Umgang mit Literatur zentral sind, werden quantitativ-methodisch untersucht. Dazu werden die interessierenden Konstrukte mit Hilfe von standardisierten Testverfahren (Lese- und Schreibtests, Sprachentwicklungstests, Tests zur Perspektivenübernahme) aber auch durch selbst entwickelte Verfahren (z.B. zum literarischen Sprachgebrauch) erfasst. Diese werden in einem Prä-Post-Design allen drei Gruppen zweimal vorgegeben. Zusätzlich wird der Sprach- und Bildungshintergrund der Kinder erhoben und kontrolliert.