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Corona-Pandemie: Studierende leiden psychisch und finanziell

Covid-19 ist nun bereits seit mehr als einem Jahr ein Teil der neuen Normalität und beeinträchtigt so gut wie jeden Bereich des öffentlichen Lebens. Die Schäden, die auf die pandemischen Auswirkungen und den daraus resultierenden Restriktionen zurückzuführen sind, werden erst nach überstandener Krise vollends messbar sein. Dennoch ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt klar, dass die Pandemie vor allem die psychische und die finanzielle Komponente arg in Mitleidenschaft zieht. Laut einer Umfrage des AStA der Universität Hamburg trifft es besonders Studierende hart.

Viele Studierende plagen wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie psychische und finanzielle Sorgen. Bildquelle: Anemone123, Pixabay
Viele Studierende plagen wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie psychische und finanzielle Sorgen. Bildquelle: Anemone123, Pixabay

 

Für die meisten Studenten hat das neue Semester begonnen – das inzwischen dritte Semester im Home-Office. Vorlesungen und Seminare laufen überwiegend digital per Videokonferenz ab. Für viele ist es eine schwierige Situation, speziell für die neuen Studierenden gleicht der Beginn des Studiums einem Alptraum.

Die meisten von ihnen haben ihre Universität oder Fachhochschule noch nie von innen gesehen und kennen ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen nur über die Online-Videokonferenzen. Das verursacht laut der Umfrage des AStA der Universität Hamburg, an der 5.168 Studierende teilgenommen haben, nicht nur psychische, sondern auch finanzielle Sorgen.

Finanzielle Notsituation

Die Ergebnisse der Umfrage ergaben, dass circa 32 Prozent der teilnehmenden Studierenden ihren Job wegen der pandemischen Auswirkungen verloren haben. Hauptursache dafür sind die Lockdown-Maßnahmen, die vor allem Gastronomie und Eventbranche hart getroffen haben – Bereiche, in denen in der Regel viele Studierenden jobben. Gar 27,7 Prozent mussten deswegen finanzielle Unterstützung bei ihrer Familie oder bei Freunden in Anspruch nehmen.

Gleichwohl haben Studierende in finanzieller Hinsicht viele Möglichkeiten, Geld zu sparen – etwa online durch die Teilnahme an Werbeaktionen, mit denen man Produkte aller Art gratis testen kann. Auf der Schnäppchenplattform Mein-Deal.com finden Studierende einen um umfassenden Überblick.

So gaben etwa 14,5 Prozent an, akute Sorgen um die eigene finanzielle Absicherungen zu haben. Die daraus resultierenden Existenzsorgen wirken sich im Umkehrschluss auf die psychische Gesundheit der meist jungen Menschen aus. In der Konsequenz fühlen sich 43,1 Prozent der befragten Studierenden kaum oder gar nicht auf das Studium vorbereitet – weder psychisch noch physisch.

Psychische Belastung

Die finanziellen Sorgen sind nur ein Teil der psychischen Belastung. Weiterhin ein großes Problem bleibt die soziale Situation, die mit anhaltenden Lockdown-Maßnahmen noch schlimmer werden wird. Der Umstand, in den eigenen vier Räumen eingesperrt zu sein, übt auf viele Studierende ungeheuren Stress aus. Diesbezüglich gaben sogar mehr als zwei Prozent der Befragten an, seit Beginn der Pandemie häusliche Gewalt erfahren zu haben.

Das eigene Zimmer dient hier als einzige Ausweich- und Rückzugsmöglichkeit. Über 25 Prozent der befragten Studierenden gaben zu Protokoll, dass ihnen in den eigenen vier Wänden kein geeigneter und ruhiger Arbeitsplatz zur Verfügung stehen würde.

Ein weiteres großes Problemfeld ist das Verabreden mit Kommilitonen und Freunden, was zum jetzigen Zeitpunkt kaum möglich ist. Zwar besteht vereinzelt die Möglichkeit, sich mit einer Person aus einem anderen Haushalt zu treffen, das Studentenleben sieht jedoch eigentlich anders aus.

Da Bars, Diskotheken und anderen Ausgehmöglichkeiten seit mehreren Monaten ihre Pforten geschlossen halten müssen, bleiben die sozialen Kontakte für viele Studierende komplett auf der Strecke. Im weiteren Hinblick beeinträchtigt die restriktive Gesamtsituation auch auf gewisse Art und Weise die Charakterentwicklung, da das Studium mit all seinen Facetten nicht selten eine richtungsweisende Lebensphase darstellt.

Deutschland und die Digitalisierung

Die Corona-Pandemie ist nicht nur der Inbegriff eines lebensgefährlichen Virus, sondern hat auch schamlos die Schwächen in Deutschland aufgedeckt. Da wegen der Infektionsgefahr komplett auf direkten Kontakt verzichtet wird, laufen fast in allen Universitäten und Fachholschulen die Vorlesungen online ab.

Das wiederum hat den zuweilen miserablen Zustand der digitalen Infrastruktur in der Bundesrepublik entlarvt bzw. ihn nochmals verdeutlicht. So gaben rund 11,2 Prozent der befragten Studierenden an, dass ihnen die angemessene und ausreichende Technikausrüstung für die digitale Lehre fehlen. Eine stabile und flächendeckende Breitbandverbindung war dabei eine der Hauptkritikpunkte.

Doch nicht nur die digitale Infrastruktur selbst bildet ein Problem. Auch der Aufbau des digitalen Lehrplans und der Ablauf der Inhalte wird von vielen Studierenden kritisiert. So bemängeln 40,7 Prozent der Teilnehmer, dass es keinen festen Ansprechpartner bei der Online-Lehre gebe.

Daraus ergibt sich für viele Studierende ein Nachteil, da sie den gelehrten Stoff nicht verstehen oder nicht richtig verinnerlichen können. Es ist also nicht verwunderlich, dass 40 Prozent der Befragten angaben, mit den gestellten Aufgaben der Dozenten überfordert zu sein.

Politik ist um Lösungen bemüht

Der Politik ist die problematische Situation an den bundesweiten Universitäten und Fachholschulen durchaus bewusst. Die einzelnen Landesregierungen versuchen mit gezielten Maßnahmen, das Leid der Studierenden zumindest in einigen Bereichen zu lindern. In vielen Bundesländern wurde z.B. beschlossen, die Regelstudienzeit um zwei weitere Semester zu verlängern.

Das zurzeit laufende dritte Corona-Semester könnte ebenfalls zur Regelstudienzeit dazugezählt werden. Da sich jedoch die gegenwärtige Lage und auch die politische Marschrichtung jederzeit ändern könnte, bleibt die endgültige Handhabung in diesem Bereich noch abzuwarten.

Klar ist jedoch, dass die Politik die finanzielle Last der Studierenden etwas abfedern möchte, indem sie die Regelstudienzeit verlängert. Diese ist unter anderem an die Zahlung von BAföG oder an Studienkredite der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) geknüpft.

Studierende, die also acht statt sechs Semester studieren, können auch in den beiden letzten Semestern ihre Zahlungen beziehen. Das soll aus Sicht der Politik für mehr finanziellen Spielraum sorgen und im Umkehrschluss die Existenzängste nehmen.

Kurzfristige Lösungen notwendig

Auch wenn Bund und Länder mittels Regelstudienzeit für einen finanzielle Puffer gesorgt haben, bleibt die Problematik im Hier und Jetzt noch immer bestehen. Viele Studierende mussten aufgrund finanzieller Sorgen sogar ihren Studienstandort verlassen und wieder bei ihren Eltern einziehen.

Besonders in Studentenstädten wie Dresden oder Köln ist die Lage ernst. Durch die geschlossene Gastronomie fällt vielen Studierenden die Möglichkeit weg, neben dem Studium etwas dazuverdienen. Sie müssen jeden Cent umdrehen. Das nötige Kleingeld für das WG-Zimmer oder die Ein-Zimmer-Wohnung fehlt dabei oftmals.

Solange der Corona-Virus eine Bedrohung und der Lockdown ein Teil des alltäglichen Lebens bleibt, wird die finanzielle und psychische Not der Studierenden größer werden. Wann sich die Situation zum besseren wandelt, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorausgesagt werden. Allerdings zeigen andere Staaten wie die USA oder Großbritannien, dass es einen Weg aus der Krise gibt.