Karrierewege

Die aka­demischen Quali­fi­zie­rungs­wege inner­halb der Postdoc-Phase haben sich in den letzten Jahren aus­differen­ziert. Neben der Habi­li­ta­tion oder dem Er­bringen habi­li­ta­tions­ähn­licher Leis­tungen besteht die Mög­lichkeit, sich im Rah­men einer Junior­pro­fes­sur oder Nach­wuchs­grup­pen­lei­tung für die Be­ru­fung auf eine un­be­fris­te­te Pro­fes­sur zu qua­li­fi­zieren.

Habilitationsäquivalente Leistungen

Es gibt kei­ne ein­heit­li­che Re­ge­lung, was als ha­bi­li­ta­tions­äqui­va­len­te Leis­tung zu ver­stehen ist. Je­de Hoch­schu­le und die dort ver­tre­te­nen Dis­zi­pli­nen le­gen dies in­di­vi­du­ell in den Ha­bi­li­ta­tions­ord­nun­gen fest.

In der Re­gel wer­den un­ter ei­ner äqui­va­len­ten Leis­tung meh­re­re wis­sen­schaft­li­che Pu­bli­ka­tio­nen ver­stan­den, die zu­sam­men der Ha­bi­li­ta­tions­schrift gleich­wer­tig sind. Laut HRK va­ri­iert die An­zahl der not­wen­di­gen Pu­bli­ka­tio­nen zwi­schen drei und sie­ben (vgl. HRK 2007). Die Ver­öf­fent­li­chun­gen soll­ten i.d.R. ak­tu­ell und nicht äl­ter als fünf Jah­re sein.

Da­rü­ber hi­naus kön­nen Ar­beiten, die im Rah­men einer For­schungs­gruppe ent­stan­den sind, eben­falls als Äqui­va­lent gel­ten, so­fern ein we­sent­li­cher, ei­gen­stän­di­ger Be­stand­teil he­raus­ge­ar­bei­tet wer­den kann.

Nachwuchsgruppenleitung

Die Nach­wuchs­grup­pen­lei­tung stellt eine wei­te­re Mög­lich­keit der Qua­li­fi­zie­rung auf dem Weg zur Pro­fes­sur dar. Nach­wuchs­gruppen sollen die wis­sen­schaft­liche Selbst­stän­dig­keit der je­wei­li­gen Post­dok­to­ran­d*in­nen för­dern und sind i.d.R. auf fünf Jahre be­fris­tet. Während dieser Zeit steht der Aus­bau der Führungs- und For­schungs­kom­pe­tenz im Mittel­punkt. Die Gel­der für eine Nach­wuchs­grup­pen­lei­tung wer­den ge­wöhn­lich von der/ dem Pro­mo­vier­ten bei Dritt­mittel­ge­bern ein­ge­worben.

In ei­ni­gen Pro­grammen, die eine Nach­wuchs­grup­pen­lei­tung aus­schreiben, ist die Stelle mit einer Tenure Track-Option ver­bun­den (bspw. Helm­holtz, Max Planck), die es der Post­dok­to­ran­din/ dem Post­dok­to­ran­den er­mög­licht, nach po­si­ti­ver Eva­lua­tion auf eine Lebens­zeit­pro­fes­sur über­nom­men zu werden.

Juniorprofessur

Bei der Junior­pro­fes­sur han­delt es sich um eine 2002 mit der Novel­lie­rung des Hoch­schul­rah­men­ge­setzes ein­ge­führ­te Stel­len­ka­te­go­rie. Sie bietet Nach­wuchs­wis­sen­schaft­ler*in­nen die Mög­lich­keit, (kurze Zeit) nach der Pro­mo­tion selbst­stän­dig zu for­schen und zu leh­ren und auch oh­ne Ha­bi­li­ta­tion eine Lebens­zeit­pro­fes­sur zu er­lan­gen.

Die Vor­aus­set­zun­gen zur Be­wer­bung auf eine Junior­pro­fes­sur er­stre­cken sich i.d.R. von ei­nem er­folg­reich ab­ge­schlos­se­nen Hoch­schul­stu­di­um über die pä­da­gogisch-didak­tische Eig­nung hin zur Be­fä­hi­gung zur wis­sen­schaft­li­chen Ar­beit, wel­che durch ei­ne Pro­mo­tion nach­ge­wie­sen wird. Häu­fig wird auch eine ein- bis zwei­jäh­ri­ge For­schungs­tä­tig­keit ver­langt.

Die Junior­pro­fes­sur ist i.d.R. auf sechs Jahre aus­ge­legt und wird wäh­rend sowie am En­de dieser Zeit (zwischen-)eva­luiert. Das er­folg­reiche Ab­sol­vie­ren dieser Eva­lua­tion soll die Ha­bi­li­ta­tion er­set­zen. Den Post­dok­to­ran­d*in­nen soll durch die Junior­pro­fes­sur als Ha­bi­li­ta­tions­er­satz die Mög­lich­keit ge­ge­ben wer­den, ei­ge­ne For­schungs- und Dritt­mittel­pro­jek­te durch­zu­führen und sich in der scientific community ent­spre­chend zu po­si­tio­nie­ren.

An eine Junior­pro­fes­sur kann ein so­ge­nanntes Tenure Track-Verfahren an­ge­bun­den wer­den. Durch die­ses Ver­fah­ren kann die Junior­pro­fes­sorin/ der Junior­pro­fes­sor nach er­folg­rei­cher Eva­lua­tion ohne er­neu­te Aus­schrei­bung und ggf. auch unter Aus­schluss ex­ter­ner Be­wer­bun­gen auf eine Lebens­zeit­pro­fes­sur über­nom­men werden.

Universitätsprofessur

Die Uni­ver­si­täts­pro­fes­sur ist eine Amts­be­zeich­nung für ver­be­am­te­te Hoch­schul­leh­rer*in­nen an Uni­ver­si­tä­ten, die selbst­stän­di­ge Auf­gaben in For­schung und Lehre über­neh­men. Eine Pro­fes­sur wird im Rah­men eines Be­ru­fungs­ver­fah­rens ver­ge­ben. Hie­rauf kön­nen sich Per­so­nen be­wer­ben, welche die for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len: Ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um, eine Pro­mo­tion so­wie die pä­da­gogisch-didak­tische Eig­nung müssen nach­ge­wie­sen wer­den, eben­so wie wis­sen­schaft­liche Leis­tungen im Rah­men einer Ha­bi­li­ta­tion oder einer Junior­pro­fes­sur. Bei den Be­ru­fungs­ver­fahren kön­nen auch nicht ha­bi­li­tier­te Be­wer­ber*in­nen be­rück­sich­tigt wer­den, so­fern sie der Ha­bi­li­ta­tion äqui­va­len­te Leis­tungen nach­weisen können. Hie­rü­ber ent­schei­det die je­wei­li­ge Be­ru­fungs­kom­mis­sion.

Fachhochschulprofessur

Die for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen für die Be­wer­bung auf eine Fach­hoch­schul­pro­fes­sur sind ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um, eine Pro­mo­tion so­wie die pä­dagogisch-didak­tische Eig­nung. An Stelle der wis­sen­schaft­lichen Leis­tungen, die im Rah­men des Be­ru­fungs­ver­fahrens auf eine Uni­ver­si­täts­pro­fes­sur nach­ge­wie­sen wer­den müssen, tritt in diesem Fall eine ein­schlä­gi­ge Er­fahrung im berufs­prak­tischen Be­reich, welche fünf Jahre, davon drei au­ßer­halb der Hoch­schule, um­fassen sollte.