Aktuelles

Tagung BEWEGTBILD als Fiktion und Datum

Die Arbeitsgruppe 'Filmsoziologie' innerhalb der Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie veranstaltet am 19. und 20. Dezember eine Tagung zum Thema 'Bewegtbild als Fiktion und Datum. Zur Komparatistik filmsoziologischer Methoden und Verfahren am Beispiel des Films Capote (Miller 2005)'.

Im Zentrum steht die Reflexion unterschiedlicher soziologisch-methodischer Zugänge zum Medium Film. Die Beiträge werden sich in Form eines Symposions an dem Biopic 'Capote' orientieren, wodurch es möglich wird, filmsoziologische Perspektiven an einem Medium vergleichend zu diskutieren.

Mitveranstalter und Gastgeber ist das Institut für Soziologie am Campus Koblenz. Interessentinnen und Interessenten aus allen Fachbereichen sind herzlich eingeladen

Anmeldung unter

Das Programm finden Sie hier.

 

100 JAHRE FRAUENWAHLRECHT – JUBILÄUM EINES VERSPRECHENS

 Podiumsdiskussion zur gesellschaftlichen und politischen Partizipation von Frauen* in Deutschland am 31.01.2019

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Durchsetzung des Frauenwahlrechtes im Jahr 1918 und der erstmaligen Wahl im Januar 1919, bei der Frauen aktiv und passiv an der Wahl teilnehmen konnten, veranstalteten Viola Dombrowski (Institut für Soziologie) und Katharina Hajek (Institut für Kulturwissenschaft) im Sinne einer Kooperation der Fachbereiche 1 (Bildungswissenschaften) und 2 (Philologie/Kulturwissenschaften) eine Podiumsdiskussion zur politischen und gesellschaftlichen Partizipation von Frauen* in Deutschland.  

 eins.png

Das Podium: (v. l. n. r.) (Netz-)Aktivistin Emine Aslan, Politikwissenschaftlerin Katharina Hajek, Ministerin Anne Spiegel und Viola Dombrowski (Moderation). Foto: Henry Tornow.

 

Mit dem Ziel, die weiterhin bestehenden Problematiken aus einem (netz-)aktivistischen, parteipolitischen und wissenschaftlichen Standpunkt zu beleuchten und möglichst umfassende Perspektiven zu einer Umsetzung gleicher Teilhabe zu entwickeln, fanden sich am Donnerstag, den 31.01.2019 die Frauenministerin von Rheinland-Pfalz Anne Spiegel, Aktivistin Emine Aslan und Politikwissenschaftlerin Katharina Hajek unter der Moderation von Viola Dombrowski zur Diskussion zusammen. 

Nach dem eröffnenden Grußwort der Bürgermeisterin der Stadt Koblenz, Ulrike Mohrs, wurde die Diskussion mit der Problemstellung eingeleitet, die das Frauenwahlrecht seit Anbeginn begleitet: die Differenz zwischen formellen Rechten und substantieller Ausübung der selbigen. Auftakt der Diskussion war demnach die Frage, wo in den unterschiedlichen, durch die Diskutantinnen vertretenen politischen Sphären, weiterhin keine gleiche Partizipation erreicht ist oder sogar aktiv verwehrt bleibt.

Ministerin Anne Spiegel konnte hier aus dem parteipolitischen Alltag berichten und deutlich machen, dass eines der größten Hindernisse vor allem der Fokus der Debatte ist. Dieser läge immer wieder auf einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie und beschränke sich somit häufig auf die Biographien von Frauen, statt über Umverteilungsprozesse zu sprechen, die alle Geschlechter mit einbinden würden. Durch den weiterhin einseitigen Fokus werde die Debatte verzerrt und könne so kaum zu Gleichstellungszielen beitragen. Eine Gefahr stelle zudem eine Verschiebung des Diskurses hin zu einer elitären Debatte dar.

 zwei.png

Frauenministerin Anne Spiegel (vorne), Emine Aslan (l.) und Katharina Hajek (r.). Foto: Henry Tornow.

 

Das Negativpotenzial von Exklusionsprozessen der Teilhabedebatte konnte Emine Aslan durch ihre Perspektive als Aktivistin noch einmal vertiefen, indem sie verdeutlichte, dass hier meist weiße Mittelschichtsfrauen gegenständlich sind und vielen anderen Gruppen somit kaum bis kein Raum geboten wird.

Katharina Hajek konnte diese Problemstellungen in gesellschaftspolitische Entwicklungen der letzten Jahr(zehnt)e einbetten und hat insbesondere auf die Gefahr zunehmender Ausschlüsse im Rahmen eines verkürzten „business feminism“ hingewiesen.

Als zweite zentrale Frage stand zur Diskussion, wie nun die unterschiedlichen „Arbeitsbereiche“ konkret zu einer Umsetzung der gleichen Teilhabe von Frauen* beitragen können. Dieser Punkt führte dann auch hin zu Ideen der Zusammenarbeit und Verzahnung von Wissenschaft, Politik und Aktivismus, da die unterschiedlichen Bereichen zwar ihre Grenzen haben, durchaus aber voneinander profitieren und lernen können.
Ein zentraler Punkt bei der Beantwortung der Frage nach einer durchgesetzten gleichen Partizipation, brachte (Netz-)Aktivistin Emine Aslan unter dem Stichwort der „solidarischen Bündnisse“ ein. Diese könnten sowohl innerhalb von Aktivismus, Parteipolitik und Wissenschaft verwirklicht als auch untereinander angestrebt werden.

 drei.png

Emine Aslan (vorne) und Katharina Hajek. Foto: Henry Tornow.

 

Abgeschlossen wurde die Veranstaltung durch die Öffnung der Diskussion für Fragen und Anmerkungen aus dem ca. 160 Personen starken Publikum.