Die Gewissheit der Sprache

- Neue Perspektiven für die Sprachsoziologie?

Hubert Knoblauch, Joost van Loon & Joachim Renn

Session 5-3: Die Gewissheit der Sprache – Neue Perspektiven für die Sprachsoziologie?

E 313

Freitag, 11:00-13:00 Uhr

 

Matthias Klemm 
(Fulda)

Sprache als soziale Tatsache - Sprachsoziologie jenseits Machts- und Manipulationsverdachts

Christoph Dukat (Eichstätt-Ingolstsadt)

Konfrontationen der sprachlichen Gewissheiten des Wollens am Lebensende

Peter Isenböck (Münster)

Die Legitimität der Sprache und die Sprache der Legitimität. Überlegungen am Beispiel der Rhetorik der katholischen Kirche

Claudia Peter 
(Frankfurt am Main) &

Marc Strotmann (München)

Die Ungewissheit des Sagenkönnens. Zur Unterscheidung von Gesagtem und Zusagendem in der Bezeugung

 

 

Lange Zeit galt die Sprache als die Quelle und der Hort der Gewissheit, als das Medium, in dem sich direkt oder indirekt das Wissen, die praktisch gewisse Fertigkeit, das Können und das Kennen angemessen „ausgedrückt“ finden. Spätestens mit der "linguistischen Wende" wurde die Sprache, jedenfalls in den sprachtheoretischen Zugängen, die die Sprache nicht länger als das neutrale und transparente Instrument der Repräsentation von Faktizität auffassen, als das zentrale Medium der Welterschließung verstanden. Verwandt dazu leitet auch etwa in der Auffassung von Berger und Luckmann die Sprache jene ordnungsmächtige Institutionalisierung gesellschaftlicher Konstruktionen ein und an, bei denen sozialer Sinn und Bedeutung fixiert werden, so dass sie schließlich in diesem Aggregatzustand zu einem zentralen Untersuchungsgegenstand der Sozialwissenschaften, wenn nicht sogar zu einem vermeintlichen Garanten für die Utopien der Moderne erklärt wurde.

Nachdem die linguistische Wende mehr oder weniger als verarbeitet, oder aber als ersetzbar durch eine „poststrukturalistische“ Semiotik galt, hat sich das Interesse an der Sprache in der Soziologie – trotz „kommunikationstheoretischer“ Wende bei Habermas und Luhmann – deutlich abgeschwächt. Die intensive Kooperation von Linguistik und Sozialwissenschaften hat sich – wie die Soziolinguistik als Ganze – mehr oder weniger aufgelöst, und die Sprachsoziologie führt seither ein Schattendasein. Gerade weil die sozialwissenschaftliche Forschung immer stärker die Bedeutung des Unausgesprochenen, des Körperlichen oder des ohnehin schon Diskursiven betont, empfiehlt es sich indessen, die Frage nach der Sprache unter den dergestalt veränderten Bedingungen des soziologischen Interesses wieder aufzuwerfen: Welche Rolle spielt welche Art von Sprache an welchen Grenzstellen, in welchen praktischen Kontexten in welchen medialen Foren, in welcher Art von sozialen Räumen in einer hochgradig differenzierten Gesellschaft heute? Welche neuen Perspektiven ergeben sich auf sie durch die jüngeren Veränderungen, und welche Bedeutung hat sie heute für eine Wissenschaft, die ihre Kommunikationsformen massiv verändert? Vortragsvorschläge im Umfang von maximal einer Seite können bis zum 31. März 2019 bei Hubert Knoblauch (hubert.knoblauch@tu-berlin.de) und Joachim Renn (j.renn@uni-muenster.de) eingereicht werden.